Rinderhaltung

Mehr Kuhkomfort im Anbindestall Premium

Es muss nicht immer ein neuer Laufstall sein: Auch im Anbindestall lässt sich mehr Tierwohl mit einfachen Maßnahmen erzielen. Fünf Umbautipps mit Bildern.

Ja, in der Schweiz ist vieles anders. Doch die Milchviehhalter haben mit denen in Süddeutschland viel gemeinsam: Über die Hälfte der Kühe stehen noch in Anbindeställen. Und genau wie hier steigt der Druck auf die Anbindehalter von vielen Seiten.

Doch dass der Neubau eines Laufstalles nicht der einzige Weg zu mehr Tierwohl ist, argumentiert auch Christian Manser vom Landwirtschaftlichen Zentrum des Kantons St. Gallen schon lang. Mit seinen Weiterbildungen zu „Kuhsignalen“ hilft er Landwirten bei der Optimierung ihres Anbindestalles.

Erstmals analysierte eine Agronomiestudentin der HAFL (Hochschule für Agronomie-, Forst- und Lebensmittelwirtschaften, Zollikofen) in ihrer Abschlussarbeit, was das bringt. Ergebnis: Neben den Tieren profitieren auch die Bauern. Hier ihre Ergebnisse mit Bildern.

Kalkstrohmatratze: Liegen bringt Milch

Auf einem Strohbett liegen die Tiere lieber und häufiger ab als z. B. auf Gummimatten. So zirkuliert mehr Blut durch das Euter und die Milchsynthese wird angeregt. Das Bett verhindert zudem Sprunggelenks- und Strichverletzungen. Es gilt:

  • Je tiefer, desto komfortabler. 20 cm sollten es aber mindestens sein, damit eine kompakte Matratze entsteht.
  • Der Liegestand sollte nicht länger als 1,95 m sein. Für die untersten 10 cm eignet sich als Erstbefüllung Kälber-, Pferde- oder Kuhmist.
  • Im oberen Bereich sorgt eine Kalk-Stroh-Mischung für Trockenheit. Drücken Sie die Füllung gut an, damit eine kompakte Strohmatratze entsteht, z. B. mit einer Dämmungsplatte.
  • Streuen Sie im Euterbereich anschließend täglich mit Kalk, am besten Mikrokalk, ein. Mischen Sie den Kalk bei Zellzahlproblemen mit Desical. Streuen Sie zudem wöchentlich Stroh vorne in den Kniebereich ein. Bringen Sie etwas Geduld mit: Das Know-how für eine gute Strohmatratze kommt mit der Erfahrung. Die meisten Landwirte fühlen sich erst nach ca. einem Jahr routiniert in der Boxenpflege.
  • Passen Sie die Einstreu dem Entmistungssystem an. Bei einer Schwemmkanalentmistung bieten sich Häckselstroh oder Strohpellets an, bei Schubstangenentmistung auch Langstroh.

Kopfraum: Mit Schwung auf die Beine

Damit die Kuh gerne liegt, muss sie wissen, dass sie danach gut aufstehen kann. Dafür braucht sie Kopf-Schwungraum. Die komfortabelste Lösung ist eine „Obenanbindung“ an einer Kette. Entfernen Sie zudem alle Zwischenabtrennungen und metallhaltige Einrichtungen. Die Anbindung per Karabiner zwischen Hals- und Anbindeband ist einfach zu betätigen. Weitere Tipps:

  • Die Nackenkette sollte auf einer Höhe von 1,2 m angebracht werden.
  • Eine in die Kette eingebaute Feder sorgt dafür, dass diese gut gespannt ist und gleichzeitig beweglich bleibt.
  • Befestigt man die Halsbänder mit einem Karabiner an der Kette, ist der ...

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Artikel geschrieben von

Claus Mayer

Redakteur SÜDPLUS

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