Coronakrise

Molkereien befürchten Domino-Effekt

Bei Molkereien, die Produkte für die Außerhausverpflegung und für den Export erzeugen, ist der Absatz durch Corona geradezu eingebrochen. Droht auch für andere eine Abwärtsspirale?

Wer bisher Käse für den Italien- oder Spanienmarkt produziert hat, wie etwa die Milchwerke Schwaben in Ulm, muss derzeit massive Absatzeinbrüche hinnehmen. Hinzu kommt der Wegfall der Außer-Haus-Verpflegung durch die Schließung von Kantinen und Gaststätten, der das Geschäft mit Großverbrauchern im Inland fast zum Erliegen gebracht hat.

Auf der anderen Seite profitieren Molkereien mit Frischmilch sowie haltbaren Milchprodukten von der aktuellen Lage: "Die Nachfrage nach unseren haltbaren, aber auch unseren Frischeprodukten ist temporär bei allen Produktlinien krisenbedingt stark angestiegen", erklärt Caroline von Ehrenstein von der Schwarzwaldmilch in Freiburg. Um die Nachfrage zu bewältigen, habe man den Schichtdienst inzwischen auf Sonntag ausgedehnt.

Auch Hochland aus Heimenkirch im Allgäu verzeichnet deutlich höhere Bestellungen aus dem LEH. "Wir haben daher seit einigen Tagen die Produktion hochgefahren", so Sprecherin Petra Berners von Hochland. Man habe zusätzliche Zeitarbeitskräfte rekrutiert und Zusatzschichten eingerichtet. Denn sogar aus dem Ausland kämen deutlich mehr Bestellungen als bisher. Die durch Grenzschließungen bedingten anfänglichen Logistikprobleme habe man inzwischen größtenteils bewältigt. Zu zeitweisen Engpässen, z.B. durch Wartezeiten an den Grenzen oder durch die größere Nachfrage nach Ware, käme es allerdings immer noch.

Läuft die Milcherfassung noch?

Die Milcherfassung läuft in den Molkereien nach eigenen Angaben bisher reibungslos. Allerdings seien intensive Schutzmaßnahmen einzuhalten. Sollten die Fallzahlen weiter deutlich steigen, werde die Herausforderung, die Lieferkette aufrechtzuerhalten, größer, sagen die Molkereien.

Insgesamt betreibt die Molkereiwirtschaft bereits seit Mitte Februar einen hohen organisatorischen Aufwand, um alle Mitarbeiter und Milchlieferanten zu schützen: In der Produktion arbeite man in Schichten, um persönliche Kontakte zu vermeiden. Dienstreisen oder Messeauftritte wurden abgesagt, der Außendienst abgezogen.

"Wir tragen als Käsehersteller Mitverantwortung für die zuverlässige Abholung der Milch unserer Lieferanten sowie für die lückenlose Versorgung der Verbraucher mit Lebensmitteln", teilt Hochland auf Südplus-Anfrage mit und lobt dabei das umsichtige und solidarische Verhalten der Mitarbeiter.

Runter mit der Milchmenge?

Bisher appelliere man noch nicht an die Erzeuger, ihre Anlieferungsmenge zurückzufahren. Es könnte aber in den nächsten Tagen zu solchen Empfehlungen kommen, da derzeit der Absatzmarkt für große Milchmengen in der Branche weggebrochen sei, teilt Hochland mit.

Durch die hohe Vernetzung der bayerischen Milchwirtschaft könne es auch zu einer Art Dominoeffekt in der Branche kommen. Als wirksame Gegenmaßnahmen schlägt Hochland jetzt die Öffnung der Intervention und die private Lagerhaltung vor.

In Österreich haben erste Unternehmen bereits Mengenreduktionsprogramme beschlossen. Siehe: https://www.topagrar.com/suedplus/news/molkereien-kuendigen-milchreduktion-an-12006933.html


Diskussionen zum Artikel

von Hermann Hupfer

Quarantäne

das größte Problem entsteht wenn bei Mitatbeitern oder deren Umfeldes eines Werkes die Infektion festgestellt wird.

von Steffen Hinrichs

Wir Bauern müssen wieder für unsere inkompetente Regierung leiden

Aber MERCOSUR noch weiter fordern !!! Geht's noch ?

von Hermann Kamm

Wir können nur gute

Milchpreise durchsetzen wenn die dementsprechende Nachfrage da ist. Wird aber unter Landwirten sehr schwer sein, weil man selten drei Bauern unter einen Hut bekommt.

von Hermann Kamm

am besten

4 Wochen gar keine Milch abliefern, wenn heute die DÜVO durchgedrückt wird!!!!!

von Kurt Brauchle

Kommt noch

Wen den Milchspediteuren die Fahrer weg bleiben oder Quarantäne angesagt ist könnte so mancher Liter Milch im Kanal landen. https://www.eurotransport.de/artikel/belieferung-des-handels-nichts-geht-mehr-11155191.html

von Gerd Uken

Ja nicht die Menge drosseln

Lieber die Intervention denn nach der Krise gehts ja auch wieder mit dem Export weiter......., Private Lagerhaltung hat ja auch einen Vorteil.......die Ware bleibt beim Eigentümer!?

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