Praxistest

Nachsaat per Drohne

Mit Drohnen lassen sich Grünlandnachsaaten in unwegsamem Gelände komfortabel ausbringen. Das wertet die Alpweiden auf und hemmt die Verunkrautung. Ein Versuch aus der Schweiz.

Auf 1.200 m über dem Meeresspiegel ist die Alp Krähenbühl am Napf im schweizerischen Kanton Bern eine steile und unwegsame Bergweide. Pächter der Alpgenossenschaft ist seit 1997 die Familie Waeber. Sie bewirtschaftet die rund 54 ha Alpweiden und 7 ha LN ganzjährig.

Bei der Verrichtung des Gemeinwerks rückten die Alpbestoßer (Landwirte, die ihr Vieh den Sommer über nach Krähenbühl schicken) im vergangenen Frühjahr und Sommer gemeinsam mit Erich Waeber der Verbuschung und Wiederbewaldung der Weideflächen zu Leibe. Neben den Trittschäden zeigten sich viele offene, unbedeckte Stellen. Für Fritz Leuenberger, Außendienstmitarbeiter eines genossenschaftlichen Saatguthändlers und Besitzer von Alprechten, boten sie ein ideales Übungsgelände für die Grünlandnachsaat per Drohne. Gemeinsam mit der Agrarpiloten GmbH aus Hellsau nahmen die Waebers und Leuenberger das Projekt „Alpweiden mit Drohnen übersäen“ in Angriff. Geflogen wurde mit einer Multifunktionsdrohne mit 1,47 m Spannweite. Ihr Leergewicht beträgt 9,7 kg, das maximale Startgewicht 24,8 kg. Die Flughöhe liegt beim Säen bei etwa 5,5 m, der Saattank fasst 4,5 kg und die Streubreite 5,5 bis 6 m.

Grossflächige Verteilung

Der Samen fließt über eine Öffnung auf eine rotierende Verteilerscheibe. Durch die Fliehkraft werden die Samen kreisförmig verteilt – sofern es windstill ist. Die Öffnungsweite und die Drehzahl der Streuscheibe sind vom Saatgut abhängig und das bestgehütete Geheimnis der Drohnenpiloten.

Die Drohne verteilt das Saatgut großflächig. Dank GPS-Daten können Pilot und Landwirt genau feststellen, wie viel Saatgut pro Fläche ausgebracht wird. Im Versuch war die Fluggeschwindigkeit zu gering, wodurch die Saatmenge über der Idealmenge lag. „Die Anschaffung der Sädrohne verspätete sich und wir konnten erst am 17. September loslegen. Da waren die Tiere schon im Tal“, erklärt Leuenberger. Idealerweise wird die Übersaat Mitte August bis Anfang September ausgebracht und die Alpweiden im Anschluss nochmals beweidet, sodass die Tiere den Samen eintrampeln.

Vor der Übersaat macht der Drohnenpilot jeweils einen Demoflug. Auf der Alp Krähenbühl lief er das gesamte Gelände ab, um Hindernisse per RTK-GPS einzumessen. Bei der Saatgutmischung handelte es sich um eine mehrjährigeMischung. Sie besteht aus Rohrschwingel, Wiesenschwingel, Wiesenrispe, Wiesenlieschgras, Knaulgras, frühem Englischen Raigras/Deutschen Weidelgras, Weiß- und Rotklee und ist laut Hersteller für flachgründige, sonnige und trockene Lagen geeignet.

Alp

Fritz Leuenberger, Martin und Erich Waeber (v. l.) kontrollieren, wie sich die Übersaat entwickelt hat. (Bildquelle: Bauert)

Gute Saat, schlechtes Wetter

Das Saatgut lief im Herbst gut auf, insbesondere auf Trittschäden und offenen Stellen. Aufgrund des späten Drohnenflugs waren jedoch die Wiesenrispe und der Klee im Herbst zwar noch aufgelaufen, aber zu wenig stark entwickelt, um gut durch den Winter zu kommen. Die oftmals fehlende Schneedecke und das laufende Auf- und Zufrieren des Bodens im frühen Frühling schädigten die Wurzeln.

Bei den Feldkontrollen im Frühjahr zeigten sich die Auswinterungsschäden. Dennoch waren im März und Anfang April 2020 auch die Keimlinge des Klees und des Wiesenrispengrases zu sehen.

Bei der dritten Feldkontrolle am 25. April stellte aber auch Erich Waeber fest: „Man sieht die Übersaat, aber spärlich. Es fehlt der Regen. Es ist so trocken wie noch nie um diese Zeit.“ Seit Anfang April fiel auf der Alp Krähenbühl kein Tropfen mehr, obwohl das Napfgebiet zu den niederschlagsreichsten Regionen der Schweiz zählt.

Für Übersaaten braucht es standortangepasstes Saatgut und Wetterglück. Ersteres war bei diesem Versuch der Fall, zweiteres leider weniger. „Es ist wichtig, die Alpweiden mit Übersaaten aufzuwerten und eine Verkrautung zu verhindern“, sagt Leuenberger und weist auf das Gemeine Ferkelkraut hin. Diese Pflanze breitet sich auch auf den Alpweiden immer mehr aus und besiedelt mit eng anliegenden, borstigen Rosetten Lücken im Bestand.

Graskeim

Die ersten Sämlinge zeigten sich trotz Auswinterungsschäden schon Ende März, dann aber folgte im April eine Trockenperiode. (Bildquelle: Clemenz)

Technik mit Zukunft

Für Alpkooperationen sind Sädrohnen eine gute Möglichkeit, Steillagen zeit- und kräftesparend zu übersäen. Die flächendeckenden Übersaaten mit Drohnen führen zwar aktuell noch zu Saatgutverlusten. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis sich die Drohnentechnologie so weiterentwickelt hat, dass über die Bordkamera vegetationslose Stellen erkannt und gezielt übersät werden können.

Kommentar: Technologie mit Potenzial

Mettler

Daniel Mettler leitet an der Agridea Lindau den Bereich ländliche Entwicklung und Berglandwirtschaft. (Bildquelle: Privat)

Ein Kommentar von Daniel Mettler: "Drohnen kamen auf Alpen bisher nur vereinzelt zum Einsatz. Anwendungen wie die Kontrolle von Weidetoren, Brunnentrögen und Zäunen könnten für die Alpbewirtschafter eine Arbeitserleichterung bringen – ebenso das Identifizieren kranker oder das Suchen vermisster Tiere. Zur Weidepflege und im Umgang mit Problempflanzen könnten Drohnen die Flächenbehandlung unterstützen. Die praktische Anwendung muss aber erprobt werden. Vor allem bei größeren Flächensanierungen wie auch bei Wiederbegrünungen in höheren Lagen könnte eine gut geplante Drohnenein-saat helfen, die Arbeit zu erleichtern und die Weidequalität zu verbessern."