Pflanzenbautagung

Prof. Tiedemann: "Die Leistungen der Landwirtschaft zur Welternährung werden ignoriert" Premium

Deutliche Worte fand der Wissenschaftler von der Uni Göttingen vor Ackerbauern in Sindelfingen zur aktuellen Debatte um den Pflanzenschutzmittel-Einsatz.

Warum mischt sich die Wissenschaft mit ihren Fachargumenten für den Pflanzenschutz nicht stärker in die aktuelle, sehr einseitig geführte Diskussion in der Öffentlichkeit ein? Dieser Frage aus dem Publikum musste sich Prof. Andreas Tiedemann von der Georg-August-Universität Göttingen bei der 51. Pflanzenbaulichen Vortragstagung am vergangenen Donnerstag in Sindelfingen stellen.

Denn der "bekennende Vertreter eines wissenschaftlich basierten Pflanzenschutzmitteleinsatzes" brachte einige schlagende Argumente, die für diese ackerbauliche Maßnahme sprechen:

  • Durch die Ertragssicherungs-Effekte von Pflanzenschutzmitteln konnten laut einer Studie der Universität Leuven global gesehen die Erträge bei Weizen um 19 %, bei Reis um 32 %, bei Mais um 33 %, bei Kartoffeln um 42 % und bei Sojabohnen um 27 % gesteigert werden.
  • Die Ertragsfähigkeit der Landwirtschaft steht in direktem Zusammenhang zur Hungerbekämpfung und damit zur Entwicklung der Weltbevölkerung.
  • Bei über 96 % der Pflanzenschutzmittel ist keine Giftigkeit mehr gegeben, zudem gibt es derzeit einen großen Trend in der Forschung zur Verbesserung unerwünschter Nebenwirkungen.
  • Aufgrund der geringeren Erträge des Ökolandbaus ist für die gleiche Lebensmittelproduktion die doppelte Fläche nötig. Denn laut einer Studie von 2011 bis 2014 liegt das Ertragsniveau bei Ökoweizen gegenüber konventionellem Weizen erst bei 43 %. Ökogerste erzielt 50 % vom Ertrag konventioneller Ware,...

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Diskussionen zum Artikel

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von Norbert Scheppach

au weia - Wasser auf die Mühlen...

... der gegenwärtigen Profiteure. Nein, Herr Tiedemann. auch wenn sie recht haben mit den grundsätzlichen Zahlen zur Welternährung, ist die Agrarwende trotzdem notwendig. Da kann man hinschauen, wo man will. Die Agrarwende wird vermutlich nicht bedeuten, dass alles BIO wird (das wird schwierig), aber es muss bedeuten, dass Nahrungsmittelproduktion Ressourcen schont (weltweit) und sich von Massentierhaltung verabschiedet (zumindest in bestimmten Regionen, später auch weltweit; denn siehe Ressourcen- und aus meiner Sicht müssen auch die Bauern endlich mal menschlich behandelt werden). Hierzu wird der Einsatz von Technologie einige massive Entwicklungsprünge verursachen. Dabei wird die Produktion noch kapitalintensiver und von klassischen Landwirten wahrscheinlich nicht mehr beherrschbar sein. Die Frage ist nicht, ob wir eine Agrarwende benötigen, sondern welche wir weltweit umsetzen müssen und auch können! Dazu hätte ich gerne die massive Expertise der Professorenschaft!

von Rudolf Rößle

Auswaschung

laut unserem LWA und Gewässermessungen haben wir schon ein Problem mit Auswaschung von PSM. Die Werte gehen bei manchen Mitteln hoch und das passt auch mit dem Ausbringtermin zusammen. Falsche Reinigung und Restmittelbeseitigungen spielen dabei auch eine Rolle. Cocktails werden auch nicht ausreichend untersucht. Einsatz mit Augenmaß ist gefragt. Bei Insektiziden sollte der Einsatz nur über der deutlichen Schadschwelle eingesetzt werden. Die Volksbegehren sind deutlich über das Ziel geschossen. Jeder sollte aufmerksam sein und keinen Tunnelblick haben.

von Wilhelm Grimm

Wir haben die guten Argumente auf unserer Seite. Warum machen wir nicht mehr daraus ?

Am 26.12. 2019 muss durch unsere jungen Leute der Tag der Abrechnung kommen. "Warum brauchen wir angesichts dieser Erfolgsgeschichte überhaupt eine Agrarwende?" fragen sich nicht nur Prof Tiedemann, sondern alle kritischen Landwirte. Und ich gehe davon aus, dass sich unsere jungen und alten Leuten in Berlin Gehör verschaffen werden. Wenn nicht jetzt, wann dann?

von Josef Doll

Wir exportieren so viel Getreide / Fleisch

und machen den armen Ländern so stark Konkurenz daß diese IHRE Landwirtschaft nicht betreiben können , sagen die NOGs und die Grünen glauben das auch und sagen daß wir unsre Landwirtschaft auf ÖKO umstellen. Falls nicht funktioniert , gibt es ja Brasilien............

von Christian Bothe

Prof.Tiedemann

Sehr gute Analyse. Um künftig über 10 Milliarden Menschen ernähren zu können,muß die Biomasseproduktion um ca.30% gesteigert werden. Dazu benötigen wir auch eine höhere CO2- Konzentration in der Atmosphäre ca.550 ppm,egal woher diese kommt; CO2 aus fossilen Energieträgern ist dabei sehr willkommen. Es ist also nicht verwunderlich,das die CO2-Konzentration positiv mit der Höhe der Biomasseproduktion, d.h. mit den Erträgen der Land-und Forstwirtschaft korreliert. Die Aussagen von Prof.Tiedemann ergänzen das in eindrucksvoller Weise.

von Diedrich Stroman

Professor Tiedemann

Super, wo bleiben ihre Berufskollegen das sie sich soweit rauswagen verdient Applaus und nochmal Applaus, aber im Mainstream anders Denkender auch ihrer Berufskollegen muß die Erde scheinbar erst verbrannt werden bevor es wieder grün werden darf???Und gegen den medial getriebenen Zeitgeist kommt der Landwirt überhaupt nicht gegen an, es ist zur Zeit bei politischen Entscheidungen wie im Hamsterrad, wer nicht Spurt fliegt raus!!

von Wilhelm Grimm

"Land schafft Verbindung" muss schaffen, was uns nicht gelungen ist.

Wir brauchen eine Strategie und eine Gegenbewegung. Aber dafür brauchen wir alle Thiedemann, die es in Europa gibt.

von Gregor Grosse-Kock

Schön

Das der Prof überhaupt das Zeug hat, die Realität zu beschreiben. Unsere Berufsvertretung der DBV ist mehr gefragt denn je!

von Albert Maier

Tiedemann ...

ist einer der wenigen, die ungeachtet des Mainstreams aussprechen, was Sache ist. Respekt!

von Wilhelm Grimm

Prof. Tiedemann irrt,

wenn er glaubt, dass jeder Landwirt zum authendischen Kommunikator werden könne. Landwirte sind der den politischen Parteien und der Lügenpresse mit ihrer gezielten bauernfeindlichen Massenpropaganda hilflos ausgeliefert.

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Letzteres

wird passieren. Die Medien sind nicht lernfahig. Und erst die Katastrophe wird zur "guten" Nachricht.

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