Rote Gebiete

Stimmen die Nitratmessstellen? Plus

Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat mehrere Grundwasserkörper in der Oberpfalz als „rote Gebiete“ eingestuft. Die Landwirte dort stellen die Eignung der Nitratmessstellen infrage. Der Beitrag stammt aus der Ausgabe 6 von Südplus, die Anfang Juni erscheint.

Unser Ziel ist ein sauberes Trinkwasser, und dafür leisten wir gern unseren Beitrag“, sagt Georg Rauch, der in Hahnbach im Landkreis Amberg-Sulzbach zusammen mit seinem Kooperationspartner Christian Ehbauer eine Milchvieh-GbR mit Biogaserzeugung führt. „Aber es muss ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung und der Nitratbelastung erkennbar sein.“

Doch daran hegen die beiden Landwirte, deren Flächen sich zu 100 % im Hahnbacher Sattel befinden, immer größere Zweifel. Der Hahnbacher Sattel ist ein Grundwasserkörper, dessen Zustand vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) wegen überhöhter Nitratbelastung als „rotes Gebiet“ eingestuft wurde (siehe Karte).

Für Rauch und Ehbauer sind die Konsequenzen massiv. Sie dürfen 20 % weniger Stickstoff düngen, als der Bedarf der jeweiligen Kultur entspricht. Zudem können sie auf Raps und Zwischenfrüchten, die nicht als Futter genutzt werden, im Herbst keinen Gärrest mehr ausbringen.

Schweinemäster Stefan Schönberger, der ebenfalls Flächen im roten Gebiet bewirtschaftet, geht wegen dieser Restriktionen von einem Deckungsbeitragsverlust von 160 € pro ha aus. Er befürchtet neben Ertrags- auch erhebliche Qualitätseinbußen bei Getreide. „Der Rapsanbau ist wegen der Einschränkungen bei der Gülledüngung gar nicht mehr möglich“, bedauert Schönberger.

Wenig Nitrat im Trinkwasser

Als die Landwirte in der Region erstmals von der Einstufung hörten, waren sie mehr als überrascht. „Unsere Gegend hat mit 0,96 GV pro ha weder eine hohe Viehdichte, noch weist das Trinkwasser überhöhte Nitrawerte auf“, argumentiert Milchviehhalter Manfred Bauer, dessen Flächen ausschließlich im roten Gebiet liegen.

Die Trinkwasserquellen im oder direkt am Hahnbacher Sattel glänzen im Gegenteil mit sehr niedrigen...

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„Wir werden jede Messstelle im Land überprüfen und schauen, ob die Messungen korrekt ablaufen. Und wir werden auch Ort und Verteilung der Messstellen anschauen und weitere Messstellen...


Diskussionen zum Artikel

von Martin Hofmann

Kompliment

Vielen Dank für euer Engagement. Wenn schon Maßnahmen, wie in der Düngeverordnung, vorgeschrieben werden, dann sollte das Ganze auch nachvollziehbar sein.

von Wilhelm Grimm

Viele wissen garnicht,

dass ihre Flächen in einem roten Gebiet liegen.

von Gerhard Eschbaumer

Endlich tut sich was. Man kann nur hoffen, dass alle Landwirte in roten Gebieten die Messtellen und Werte entsprechend hinterfragen. Zehn Jahre alte Werte, Waldgebiete, nah an Kläranlagen, Kompost oder Siloplatte aber der Ackerbau und Guelleduengung ist schuld. Man glaubt es nicht, ... mehr anzeigen

von Harald Finzel

Die erste Frage müsste sein: "Stimmen die Grundwasserkörper"?

Es ist ein bürokratischer Schildbürgerstreich, dass irgendwelche in den stillen Kämmerlein der Wasserwirtschaftsämter definierten Grundwasserkörper von der Größe eines halben Landkreises als Grundlage für die Definition Roter Gebiete herangezogen werden. So werden ohne jegliche ... mehr anzeigen

von Albert Maier

Auch die Messwerte überprüfen!!

Den Messwerten traue ich schon lange nicht mehr!! Der BDEW und seine Unterorganisationen machen eine derart unseriöse Politik, dass es mich nicht wundern würde, wenn die auch die Messwerte manipulieren! https://www.youtube.com/watch?v=DdVpG_ezbSs

von Willy Toft

Da wird unsere Befürchtung wieder einmal bestätigt!

Selbst die wenigen Messstellen, die es in der Bundesrepublik gibt, sind an unmöglichen Stellen platziert, wo teilweise nicht mal Landwirtschaft existiert! Das rechtfertigt auch die üppigen roten Gebiete nicht! Lasst uns weiter die Messstellen suchen, und unsere Behörden damit konfrontieren!

von Hans-Heinrich Meyer

Rote Gebiete

Streng gesehen und auch aus EU-Sicht sind Gebiete mit >50mg Nitrat und SINKENDEN Werten garnicht als rote Gebiete einzustufen, denn sie sind schon auf einen guten Weg. Hier sind keine Veränderungen nötig.

von Wilhelm Grimm

Wo gibt es denn sowas ?

Enteignungsgleiche Auflagen durch falsche Messstellenauswahl und Bewertung !

von Wilhelm Grimm

Eigentlich bräuchten die Landwirte Gutachter.

Aber welcher Gutachter tritt gegen das Bayerische Landesamt für Umwelt an ? Die würden zukünftig an nicht linientreue Gutachter keine Gutachten mehr vergeben, befürchte ich.

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