Tierschutzvertöße in Bad Grönenbach

Tierschutzskandal: Jetzt spricht Heidl

Bayerns Bauernpräsident verurteilt die Aufnahmen von einem Allgäuer Milchviehbetrieb scharf. Für die Methoden der Tierrechtler findet er aber ebenfalls klare Worte.

Im Juli machte das ARD-Magazin Panorama Bilder publik, die Tierschutzverstöße auf einem Milchviehbetrieb im Unterallgäu zeigen. Seither kommt die Gemeinde Bad Grönenbach nicht zur Ruhe: Demonstrationen, Polizeikontrollen auf Bauernhöfen und teils weitere Tierschutzverstöße bringen den Ort laufend weiter in die Schlagzeilen.

Viele Landwirte sorgen sich, dass Tierrechtler über Wochen und Monate auch in ihrem Stall unbemerkt filmen könnten. Jetzt nimmt Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl gegenüber top agrar Stellung zu dem Fall.

Herr Heidl, wie bewerten Sie die Aufnahmen aus dem Stall mit etwas Abstand?

Heidl: Der Bayerische Bauernverband steht für eine verantwortungsbewusste Tierhaltung nach Recht und Gesetz. Dort, wo es Missstände gibt, muss im Sinne des Tierschutzes und der Tiergesundheit gehandelt werden. Im konkreten Fall handelt es sich um ein laufendes Verfahren, der Sachverhalt und die Anschuldigungen werden im Moment von behördlicher Seite geprüft. Verstöße jedoch, wie sie die Videoaufnahmen dokumentieren, sind aus Sicht des Bayerischen Bauernverbandes weder hinnehmbar noch in irgendeiner Art und Weise zu entschuldigen.

"Das kommt einer Hetzjagd gleich"

Hat das darin zu sehende Tierleid das heimliche Filmen und die Veröffentlichung durch einen öffentlich-rechtlichen Sender gerechtfertigt?

Heidl: Eines muss klar sein und auch bleiben: der Zweck heiligt nicht die Mittel! Wir leben in einem Rechtsstaat mit Regeln. Und zu diesen Regeln gehört auch, dass man nicht in Ställe einbrechen und dort versteckte Kameras anbringen darf. Es ist Aufgabe der Behörden, die Einhaltung des Tierschutzgesetzes zu überwachen. Und was die mediale Berichterstattung angeht: Kritische Berichte über Einzelfälle sind das eine.

Doch das Bild, das von Nutztierhaltung in Bayern durch Sendungen mit Titeln wie „Blutige Milch“ gezeichnet wird, ist schlicht falsch und verunsichert Verbraucher wie Bauernfamilien. Die schon beinahe selbstverständliche Verwendung von illegal angefertigtem Videomaterial durch öffentlich-rechtliche Sender ist aus Sicht des Bayerischen Bauernverbands höchst fragwürdig.

Sie lässt eine Art Beschaffungskriminalität entstehen und bietet den spendenbasierten Geschäftsmodellen von "SOKO Tierschutz", Peta & Co. eine willkommene Werbeplattform. Auch die explizite Nennung von Name, Wohnort und Handelspartnern kann und darf es im Verdachtsfall nicht geben. Ein solches Vorgehen kommt einer Hetzjagd auf...

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