Landtechnik

Triesdorf: Zu viel Innovation in der Landtechnik?

Bei der Einweihung des neuen Technikzentrums in Triesdorf waren sich alle einig: Die Maschinen entwickeln sich schneller als die Bediener.

Das Fachzentrum für Energie und Landtechnik hat ein neues Gebäude. Nach dreijähriger Bauphase und 13 Mio. € eröffneten Bezirkstagspräsident Armin Kroder, Ministerialdirigent Wolfram Schöhl und dem Leiter des Fachzentrums Norbert Bleisteiner unter der Anwesenheit von vielen Gästen aus Landtechnik und Politik das Forum. Es dient zur Aus- und Weiterbildung für Universitäten, Hochschulen, Meistern und Gesellen. Darüber hinaus steht es als Begegnungsstätte und Diskussionsort zur Verfügung, um einen besseren Wissenstransfer zu ermöglichen. Insgesamt 9000m² groß ist das neue Gelände, der 2. Bauabschnitt ist in Planung. Die neuen beheizten Lehrhallen mit Praxisfeldern, Seminarräumen und moderner Medientechnik bringen maximale Flexibilität und einen attraktiven Arbeitsplatz für die 17 Lehrkräfte des Zentrums.

Wolfram Schöhl, selbst einstiger Landwirtschaftslehrer bezeichnete Triesdorf als „Standort der Zukunft“ und betonte die weitere Unterstützung vom Ministerium. Der hohe Stellenwert von Bayern in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Innovation in krisenreichen Zeiten könne sich sehen lassen. Außerdem lobte er das hohe landwirtschaftliche Ausbildungsniveau von Bayern.

Das neue Forum des Fachzentrums für Energie und Landtechnik. (Bildquelle: Biefang)

Bildung für alle

Der Leiter des Fachzentrums für Energie und Landtechnik, Norbert Bleisteiner, sprach die vielen Interessensgruppen an, die von dem Neubau profitieren. Neben Lehrgängen, Seminaren und Ausbildungen spielt auch die Erwachsenenbildung eine zentrale Rolle. Praxistage zur Gülleausbringung und Bodenbearbeitung, sowie Firmenschulungen und Vorträge bietet das Fachzentrum den neuen Räumlichkeiten künftig an.

Neue Konzepte um die Akzeptanz der Bevölkerung zu fördern ist Bleisteiner ein besonderes Anliegen, welches im neuen Forum weiterhin verwirklicht wird.

Zukunft der Landtechnik

Im zweiten Teil der Veranstaltung diskutierten Vertreter aus Landtechnik die Fragestellung: „Wie bringen wir technische Innovationen auf den Boden, an die Frau und an den Mann?“

Denn die Lehrer der Landwirtschaftsschule stellen sich schon länger die Frage, wie im Unterricht mit den vielen neuen Techniken umgegangen werden soll. Ob aufwendiges Abdrehen von mechanischen Sämaschinen oder Knöpfe drücken am Tablet: Die vielen Unterschiede der Hersteller sind eine zusätzliche Hürde, die die Lehrer nehmen müssen.

Andreas Löwel (AGCO), Klaus Pentzlin (BLU), Benjamin Schutte (CLAAS), Olaf Turß (John Deere) und Hubertus Bultmann (HORSCH) diskutierten anschließend dieses Problem.

Einig waren sich alle Teilnehmer darüber, dass die Schüler die mechanischen Grundkenntnisse erwerben sollten, und darauf aufbauend die elektronischen Details. Schutte war der Meinung, dass wenn man das Grundprinzip der Maschine verstanden hat, auch die Unterschiede der Hersteller schneller erlernt werden können.

Zu viele Innovationen?

Auch der Frage: „Welche Technik braucht der Landwirt am Ende des Tages wirklich, welche neue Technologie bringt überhaupt noch Fortschritt?“ wurde nachgegangen.

Denn Bultmann gab zu, dass nicht 100% der vorhandenen Technik auch genutzt wird. Bei den vielen neuen Innovationen sei es schwierig, die Lösungen an den richtigen Stellen anzuwenden.

Als wichtig stellten alle Teilnehmer die gute Schulung der Vertriebs- und Servicepartner dar. Der Landwirt darf nicht mit der Technik allein gelassen werden. Pentzlin verwies auch darauf, dass bei Lohnunternehmen oft Maschinen getauscht werden und die Fahrer sich immer wieder neu auf die Technik einstellen müssen. Er appellierte an die Hersteller, einheitlichere Systeme zu entwickeln, die besser verinnerlicht werden können.

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Diskussionen zum Artikel

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von Hermann-Josef Schaller

Zum Nachdenken

Spruch eines Landmaschienenverkäufers der den II. Weltkrieg an der Ostfront mitmachen mußte. (Ich war damals in den besten Jugendjahren) Junge, ich sag dir mal was .Wir hatten damals die modernsten Panzer der Welt. Die Russen sind mit ihren Panzern gefahren ,da hatten unsere schon lange stehen bleiben müssen ! Soviel zum neusten Technikwahn. Viele Lämpchen blinken , viele Summer summen und piepsen und wenn was gearbeitet werden muß bleibt die "hochmoderne" Karre stehen und nix rührt sich mehr weil mal wieder eine popelige Sicherung kaputt gegangen ist oder irgend ein Stecker einen Wackler hat. Manchmal fragt man sich, kann man mit den modernen Schleppern auch bei Regen arbeiten ?

von Rudolf Rößle

Für Lohnunternehmer

gilt immer noch. Die richtige Maschine für die Kunden zu haben und reperaturfreundlich sollte sie sein, um Standzeiten zu vermeiden.

von Matthias Zahn

Vor allem....

....wird die Landtechnik immer teurer!!! 1985 kostete ein 80 PS Schlepper 70.000 DM und der Milchpreis lag bei knapp 80 Pfennigen. Heute liegt der Milchpreis bei 35 ct und der 100 PS Schlepper kostet 80-100.000 Euro???

von Erwin Schmidbauer

Das gab es schon mal!

In den Anfängen des 20. Jahrhunderts und nach dem 2. Weltkrieg war die Landtechnikbranche ebenfalls hochinnovativ. Auch da waren die Probleme: Welchen Nutzen hat das alles? Und insbesondere waren so manche neue Ideen innerhalb kurzer Zeit wieder überholt! Das scheint hier wieder so zu sein.

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