"Überrascht vom Widerstand der Bauernschaft"

Politik und Wissenschaft in Bayern hatten die vehemente Kritik an der bodennahen Gülleausbringung nicht erwartet. Das räumte die Landesanstalt für Landwirtschaft bei der Jahrestagung der AbL Bayern ein.

Heiß her ging es auf der Jahresmitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Bayern (AbL) beim Thema bodennahe Gülleausbringung.

Viele Landwirte zweifeln an, dass die teure und ab 2025 auf Grünland vorgeschriebene bodennahe Gülleausbringung wirklich zu weniger Stickstoffverlusten führt. Zudem fürchten einige Betriebsleiter, dass Güllewürste entstehen und das Futter verschmutzen. Auch Bedenken, dass die schwere Technik den Boden verdichtet, trug eine Gruppe Allgäuer Landwirte um Rudolf Rauscher erneut vor.

Dr. Annette Freibauer, Leiterin des Instituts für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), erklärte, dass Wissenschaft und Politik "doch überrascht waren" vom vehementen Widerstand der Bauernschaft.

AbL-Landesvorsitzender Josef Schmid mit Dr. Annette Freibauer. (Bildquelle: AbL Bayern)

Weitere Versuche im Allgäu und in Franken

Sie stellte die geplanten Forschungsaktivitäten der LfL zur Gülleausbringung mit Schleppschuh, Schleppschlauch und Injektion vor. Diese Versuche würden in 20 Varianten auf 80 Parzellen am Spitalhof bei Kempten durchgeführt. In einem weiteren Projekt in Franken würden Ertrag, Pflanzenbestand und die Futterqualität bei unterschiedlicher Gülledüngung sowie die Gülleveredelung untersucht.

Die Einbeziehung des Möschaverteilers sei geplant, bisher stehe aber noch kein Gerät zur Verfügung für die Ausbringung auf den nur 2 m breiten Testparzellen. Das sei bei den anwesenden Bauern auf Unverständnis gestoßen, so die AbL.

Zuvor hatte ein hessischer Landwirt über eigene Maßnahmen zur Reduktion der Ammoniakemissionen aus der Gülle berichtet. Dazu setzt er Gesteinsmehl, Pflanzenkohle und Leonardit, eine huminsäurehaltige Weichbraunkohle, ein. Dr. Freibauer zeigte sich beeindruckt und sagte, das Leonardit auch in ihren Versuchen eine Rolle spielen wird.

Sie betonte, dass alternative Verfahren 40 bis 60 % Ammoniakminderung bringen müssten. Von Seiten der Politik sei es allerdings wahrscheinlich, dass der Gülleveredelung nur zusammen mit der bodennahen Ausbringung zugestimmt werde.

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Artikel geschrieben von

Claus Mayer

Redakteur SÜDPLUS

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Diskussionen zum Artikel

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von Christoph Schlemmer

Geld regiert

Die Industrie hat die ganze Technik entwickelt,es wurde in Blumenkästen getestet damit sehr gute Ergebnisse dabei raus kamen . Jetzt wollen diese Unternehmen ihre Investition doppelt und dreifach zurück haben und sagen der Politik wo es lang geht.

von Reiner Matthes

Pille Palle

wir machen uns Gedanken über Pille Palle und in anderen Ländern läuft die Gülle aus dem Stall heraus einfach in die Landschaft............ . Gleiches Thema: Deutschland regt sich auf über die Optik von Windenergieanlagen, verschwendet Milliarden für Straßenbäume, Krötentunnel und Wolfsbeauftragte. Aber Keinen interessiert, dass am Amazonas und in Indonesien die Lunge der Erde abgehackt wird. Wie bescheuert sind wir eigentlich ?

von Wolfgang Schuchard

Theorie und Praxis

Es kommt noch dazu, dass die Versuchsstandorte meist ideale Bodenvoraussetzungen haben. Auf tonigen oder steinigen Böden stelle ich mir Injekion oder das Schlitzen deutlich schwerer vor als auf idealen Lösslehm- oder gar Sand-Böden. Wie auch bei den Sortenversuchen nützen die Ergebnisse nichts, wenn die Versuchsbedingungen die breite Streuung der Praxisbedingungen nicht abdecken. Und daraus dann auch noch Vorschriften abzuleiten ist dann völlig realitätsfremd.

von Michael Dörnfeld

zu klein geforscht...

wenn die Forscher in ihren Blumenkästen Ergebnisse sammeln, die später auf dem Feld genauso sein sollen, so ist das zu klein gedacht. Ein Feldversuch gehört auf ein Feld mit normaler Größe und nicht auf eine Testparzelle in Quatratmetergröße !

von Rudolf Rößle

Technik

wird schon in der Praxis eingesetzt. Sind die Forschungsanstalten zu faul um sich die praktischen Auswirkungen in der Praxis anzuschauen? Letztes Jahr ein trockenes Jahr. Wie sah die Verschmutzung im Futter in der Praxis aus?

von Hans Nagl

Die Praxis ist nicht so einfach.

Hanglagen, kleine Flächen( 0, 5 ha ), Güllewürste bei Hitze , in der Theorie ist vieles einfacher.

von Rudolf Overhoff

Die Österreicher

sind da schon viel weiter. Die bekommen für Ihre Feldversuche mit der Pflanzenkohle in Gülle zur Ammoniak Reduktion in der Ökoregion Kaindorf sogar EU-Fördermittel, und das nicht nur für Bio Betriebe, auch die konventionellen..

von Hans-Hermann Nohring

BDM -Widerstand

Der BDM hats versucht-amDeutschen Bauernverband ist es gescheidert !

von Rainer Becker

Der Widerstand der ...

.... Bauernschaft ist längst überfällig.

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