Milchmarkt

Verbände fordern Pflicht zur Milchreduktion

Der BUND Naturschutz Bayern, die AbL und der BDM fordern ein Maßnahmenpaket, um die produzierte Milchmenge verpflichtend zu reduzieren.

Der BUND Naturschutz (BN) fordert als Hilfe für die Milchviehhalter gemeinsam mit AbL und BDM ein Maßnahmenpaket, um die produzierte Milchmenge verpflichtend zu reduzieren: „Die Milchmenge muss an den europäischen Bedarf angepasst und weiter reduziert werden“, so Richard Mergner, BN Vorsitzender in einer Pressemitteilung.

Durch die veränderten Absatzströme in Folge der Covid-19-Pandemie zeigten sich gerade im Bereich der Milchwirtschaft, dass die auf Exportmärkte ausgerichtete landwirtschaftliche Produktion sehr krisenanfällig sei. Viele Milcherzeuger befürchteten jetzt einen weiteren Preisverfall, der existenzbedrohende Folgen haben könnte.

Während Biomolkereien keine Absatzschwierigkeiten haben, sind die Molkereien je nach Produktpalette und Exportorientierungsgrad unterschiedlich von Absatzproblemen betroffen.

Raus mit dem Palmfett

„Solange Soja aus Übersee genutzt wird, um Milch zu erzeugen, und Palmfett Bestandteil billigen Kälberfutters ist, ist die Milchproduktion nicht nachhaltig. Die Krise ist Mahnung, grundsätzliche Veränderungen für die Milcherzeugung endlich in Angriff zu nehmen, denn nach der Krise bleibt vor der nächsten Krise, wenn Landwirtschaftsministerin Kaniber keine Strategien für eine nachhaltige, mengenangepasste Milcherzeugung parat hat“, so Mergner.

Kritik an privater Lagerhaltung

Manfred Gilch, Landesvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) in Bayern: „Volkswirtschaftlich gesehen ist es doch mehr als dumm, Produkte zu erzeugen, für die keine Nachfrage besteht, dabei wertvolle Ressourcen zu verschwenden, um die nicht benötigten Produkte dann bezuschusst mit Steuergeldern einzulagern. Was wir jetzt dringend und eilig brauchen, ist die rechtliche Grundlage für Kriseninstrumente für den EU-Milchmarkt, mit denen die EU-Milchmengen organisiert und zeitlich befristet an die eingebrochene Nachfrage angepasst werden können.“

„Wer sich für eine staatlich geförderte Lagerhaltung, sei es die private Lagerhaltung oder die Intervention, als einzige Maßnahme in der Marktkrise ausspricht, vertritt allenfalls die Interessen der Spekulanten und der Betreiber von Lagerhallen, nicht aber die Interessen der Bäuerinnen und Bauern“, so Gilch weiter.

Josef Schmid, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Bayern begrüßt, dass einige Molkereien die Initiative ergriffen haben, und ihre Mitglieder zur Mengendisziplin auffordern. "Damit diese freiwilligen Bemühungen nicht erfolglos verpuffen, bzw. von unvernünftigen Kollegen unterlaufen werden, ist es jetzt dringend erforderlich, auf EU-Ebene die notwendigen Beschlüsse für verpflichtende Mengenreduzierungen zu fassen."

Klare Ansagen nötig

Nach dem Einstieg in die Lagerhaltung müssten weitere Steuergelder, sofern überhaupt verfügbar, mit Verpflichtungen zur Reduzierung der Erzeugung verbunden sein. Für Freiwilligkeit allein sei die Lage zu ernst. Eine obligatorische Mengenkürzung würde bedauerlicherweise auch verantwortungsvolle Milchlieferanten treffen, aber auch ein drohender Preisverfall auf 25 Cent würde die "Unschuldigen" nicht verschonen, so Schmid. „In diesen Zeiten werden wir die Solidarität mehr denn je leben müssen, im Dorf, in der Nachbarschaft, zwischen Stadt und Land,“ so Schmid, „aber die vergangenen Wochen haben auch gezeigt, dass im Ernstfall auch klare Ansagen notwendig sind."


Diskussionen zum Artikel

von H.Günter Perlberg

Milchmengenreduktion

Es gibt keine rechtliche Grundlage für eine verpflichtende Mengenreduzierung,und es es wird auch nie wieder eine geben. Alles andere ist reines Wunschdenken.

von Josef Doll

Ich bin dafür

Und BUND für Naturschutz und Co bezahlt das ganze . Ist doch eine gute Idee wenn ich eine Lösung vorschlage die andere bezahlen sollen. Echt gute Idee , ich hätte da viele Vorschläge : …... ……..

von Günter Schanné

Milchmengenreduzierung

Warum das Ende der tierschutzwidrigen gabzjährigen Anbindehaltung mit Daumen nach unten quuittiert wird verstehe ich nicht, angesichts der dringenden Notwendigkeit das Ansehen der Landwirtschaft in der Gesellschaft anzuheben.

von H. Bogen

Ich versuchs Ihnen mal zu erklären,

obwohl das wahrscheinlich vergebliche Liebesmühe ist, denn sie können sich wahrscheinlich nicht vorstellen das diese Betriebe die Kühe nicht halten weil sie damit möglichst viel Geld verdienen wollen sondern weil sie an ihren Tieren hängen. Das sind meist Betriebe mit unter 30 Kühen ... mehr anzeigen

von Günter Schanné

Milchreduktion

Tut mir leid! die von mir angegebenen Zahlen stimmen nicht! 2018 gab es in Bayern ca. 1,2 Mio Milchkühe. Davon werden ca. 30 % in ganzjähriger Anbindehaltung gehalten, und produzieren ca. 25% der Milchmenge in Bayern, nach Angaben des BBV. Nach Angaben des BMELF wurden 2018 ca. 8,4 ... mehr anzeigen

von H. Bogen

Und die Überbelegung von Laufställen ist demnach nicht tierquälerisch? Es ist keine Frage der Haltungsform sondern vielmehr eine Frage wie man seine Tiere behandelt, oder würden sie behaupten das wer seine Haustiere mit Keksen füttert ihnen was gutes tut?

von Günter Schanné

Milchreduktion

Eine staatlich verordnete Mengenreduzierung ist verfassungsrechtlich nicht möglich. Es wäre ein Eingriff in das Eigentumsrecht und in das Recht auf freie Berufsausübung. Beides sind Grundrechte. Es gibt in Bayern ca. 1Mio Kühe in ganzjähriger Anbindehaltung. Eine angenommene ... mehr anzeigen

von Kurt Brauchle

2017

gab's in Bayern laut bmelf 1.18 Mio Milchkühe, und 2020 sollen noch ca 1 Mio (ca 1/4 aller Kühe in Deutschland) angebunden sein? Wer's glaubt.

von Bernhard ter Veen

AbL,BDM,BN

und wie Sie alle heissen mögen... das ganze erinnert mich an 2009... da waren diejenigen welche am lautesten nach Menge begrenzen schrieen am wenigsten bereit auch nur auf einen Liter seiner Lieferung zu verzichten... Bitte...es steht Ihnen doch frei einfach weniger zu liefern. Aber ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

@ ter Veen

Wie sieht es aus würden sie auch weniger liefern wenn die Molkerei da zu aufruft und nicht ein Verband? https://www.hessenschau.de/tv-sendung/corona-krise-milchpreise-fallen,video-120284.html?fbclid=IwAR36OBOPAFbEVabIf0klW7b4j13o7alu9VasdzaNy8D-JdbIn81bEcki95c

von Hans Nagl

Am Ende des Tages.

Werden wir die Produktion an den Verbrauch anpassen. Es gibt zwei Möglichkeiten entweder mit Vernunft, oder über den Preis. Bei Preisen um die 25 Cent wird die Milch wieder weniger.

von Hermann Kamm

Ja stimmt, weil

dann wieder genügend das Handtuch schmeißen!

von Hermann Kamm

Hans Spießl sie haben ja recht mit der Politik.

Aber was hindert uns Landwirte auf das versagen der Politik noch besser zusammen zuhalten?

von Hans Spießl

zusammenhalten ja

aber wie? die Unterschiede und Interessen, Ausgangssituationen der einzelnen sind einfach zu Verschieden. Die Gewerkschaftlich organisierten Arbeiter haben da einfach eine weit bessere Ausgangssituation als die Selbstständigen und das wissen die ... mehr anzeigen

von Hermann Kamm

Tsja so ist wohl das Marktgesetz.

Bei ständiger Überproduktion wird der Milchpreis auf dauer fallen. Warum soll es in diesen Bereich anders sein als bei Mastbetrieben? Liebe Milcherzeuger ihr müsst euch selbst an die Nase fassen und weniger Produzieren und auf dauer darauf schauen das mit den Molkereiverträgen eurer ... mehr anzeigen

von Hans Spießl

wie sollen die Bauern zusammenhalten

wenn sogar die Politik mit ihrer hinterfotzigen Politik die Bauern gegeneinander ausspielt.

von Gerhard Steffek

Volkswirtschaftlich gesehen ist es doch mehr als dumm --

da mag er ja Recht haben. Erklär ich auch immer gerne dem einen oder anderen Kritiker. Nur ist das zu kurz gedacht. Gesamt-, bzw. Volkswirtschaftlich stimmt es, aber Einzelbetrieblich sieht es nunmal anders aus. Da haben wir einen knallharten und gnadenlosen Verdrängungswettbewerb. Wie ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Bauerverband

Diese Meinung vertritt auch der Bauernverband, dass nur auf Molkereiebene Vereinbarungen getroffen werden können. Dann heißt es aber auf Dauer auch, dass die Milchproduktion in die Ostländer abfließt und wir immer mehr importieren werden.

von Hans Spießl

Kriese

Coronabedingt produzieren alle die was Liefern zu viele Güter die nicht unbedingt kriesenabhängig notwendig sind, zB Masken im Überschußbereich, da die Nachfrage sinkt- die Menschen sparen. Die Folge es fallen die Preise auf dem ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Wichitigmacherei!!!

Unter diesen Punkt möchte ich den Einwurf vom BUND abhaken. Denn was schnabelt der in dieser Materie mit? Ist das sein Thema? __ __ Aber anscheinend hat er in der Coronakrise sonst nichts zu sagen und sucht deshalb krampfhaft ein Thema um nicht vergessen zu werden. Hier sollte man nie ... mehr anzeigen

von Michael Ströhl

Nichts dazuglernt

haben da wohl manche. Als ob der BN dabei das Wohlergehen der Landwirte im Kopf hätte. Und tatsächlich lassen sich wieder Landwirte vor den Karren spannen und diskreditieren ihre Berufkollegen und sogar die eigene Arbeit und bezeichnen ihre eigene Produktion als unnötig. Keine ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Keine Absatzprobleme bei Biomilch -

da mußte ich auch lachen. Da verkennt der Herr Mergner die Situation aber ganz gewaltig. Denn wenn die Biomolkereien nur soviel Lieferanten aufnehmen, wie sie an Milch brauchen, dann ist der Hinweis auf die Absatzprobleme mehr als fadenscheinig und an der Situation vorbei.

von Andrea Rahn-Farr

Und täglich

grüßt das Murmeltier.

von Matthias Zahn

Genau Frau Rahn-Farr!!!

Nix mit weniger!! Der Preis MUSS sinken weil..... ja, warum eigentlich? Nutzt das irgendeinem Milchbauern wenn er unten ist? Was gewinnen wir eigentlich durch niedrige Preise? Komisch, dass da manche Bauern so wild drauf sind....naja, muss man nicht verstehen.....

von Willy Toft

Das wäre Planwirtschaft! Die Freiwilligkeit, mit entsprechender Nutzungsentschädigung ziehe ich vor!

Alles andere wäre Einschmelzen auf den Istzustand, der sich jedes Jahr verändert. Einen Verfall der Milchpreise muss entgegengewirkt werden, so oder so, aber die private Lagerhaltung kann noch Saisonal angewendet werden, und nicht als Instrument der Krisenbewältigung genutzt werden! ... mehr anzeigen

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