Soja-Alternativen

Viel Potenzial für heimisches Eiweißfutter

Das Forum Nachhaltiger Eiweißfuttermittel sieht noch viel Potenzial für heimische Proteine, um Sojaimporte aus Regenwald-Rodung zu verhindern.

Das von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung geleitete Forum Nachhaltigere Eiweißfuttermittel (FONEI) hat in einem gemeinsamen Positionspapier konkrete Schritte formuliert, die Erzeugung, den Handel und die Nutzung von Eiweißfuttermitteln nachhaltiger zu gestalten. Vor allem die für die Erzeugung von Soja verantwortlichen Rodungen und Flächenumwandlungen von Regenwäldern in Südamerika sollen damit gestoppt werden.

Die Eiweißlücke Deutschlands betrage über 2,2 Mio. t Futtermitteleiweiß (verdauliches Rohprotein). Somit werde man weiterhin auf Futtermittelimporte angewiesen sein. In den letzten 10 Jahren sei die Eiweißlücke in Deutschland mit 26 % jedoch unverändert hoch geblieben.

Heimisches Eiweißfutter von der Wiese und dem Acker

Nach Hochrechnungen der Landesanstalt für Landwirtschaft in Bayern (LfL) liegen die theoretischen zusätzlichen Eiweißpotenziale in Deutschland bei über 3 Mio. t Rohproteinen. Vor allem in der Eiweißfuttergewinnung vom Acker mit bis zu 1,8 Mio. t Rohproteinen, aber auch in der Effizienzsteigerung bewirtschafteter Wiesen sieht das LfL weitere 1 Mio. t Rohproteine, die zur Reduzierung der Eiweißlücke in Deutschland beitragen können.

So bleibe bei der Feldtrocknung von Gras bis zu 30 % Trockenmasse auf dem Feld liegen, dazu kommt ein Verlust von bis zu 40 % des Energiegehalts. Bei der Grassilageherstellung müsse mit einem Nutzungsverlust von 15 % Trockenmasse und 20 % Energieverlust gerechnet werden. Dagegen kommen bei der technischen Trocknung mit Heißluft nur minimale Verluste auf. Die Nutzungseffizienz von technisch getrocknetem Heu liegt bei > 92 % der Trockenmasse.

Fachverband landwirtschaftliche Trocknungen im Forum

Im Eiweißforum sind rund 31 Akteure von der landwirtschaftlichen Erzeugung bis zum Lebensmitteleinzelhandel aber auch Umweltverbände vertreten, um gemeinsam Lösungen für die Probleme des Eiweißfuttermittelimports aus nicht nachhaltigen Quellen zu finden und die heimischen Eiweißfuttermittel zu stärken. Seit Sommer 2019 ist auch der Bundesfachverband der landwirtschaftlichen Trocknungen in Deutschland (BLTD) ein festes Mitglied im Forum.

BLTD-Vorstandssprecher Anton Eller stellt klar: „Wir vertreten rund 17.000 Landwirte, die über die Trocknungen ihr heimisches Eiweißfuttermittel in Form von Grünfutter nutzen. Bis zu 25 % des in Deutschland benötigten Proteinbedarfs wird momentan durch Grünfutter gedeckt. So werden pro Jahr mehr als 2,3 Mio. t Proteine aus regionalem Grünfutter für die Viehhaltung bereitgestellt.“

Mehr Futtermittelimporten durch CO2-Bepreisung und Düngeverordnung?

Die neue Düngeverordnung wirkt sich nachteilig auf den Anbau von Luzerne und damit einem heimischen Eiweißfuttermittel aus, erklärt Eller weiter. Denn die Pflanze bindet den molekularen Stickstoff aus der Luft. Es werde kein bzw. fast kein zusätzlicher Stickstoff gedüngt. So würde der Anbau von Luzerne in roten Gebieten verschwinden, da die gesamten Betriebsflächen für die Ausbringung der anfallenden organischen Dünger benötigt werden.

Zudem belaste die geplante CO2-Bepreisung die Produktion der Trocknungsanlagen. Denn für die Konservierung und Veredelung muss das Tierfutter thermisch behandelt werden. Deshalb sollten Entlastungen bei der geplanten CO2-Bepreisung möglich sein, fordert BLTD-Vorstandssprecher Eller. Andernfalls drohe eine Wettbewerbsverzerrung zugunsten von CO2 abgabefreien Futtermittelimporten gleichkommt.


Diskussionen zum Artikel

von Andreas Gerner

Proteinlücke durch Düngeverordnung

Nicht nur durch oben beschriebene Effekte, sondern auch dadurch, dass die verhalten gedüngten Futtergetreidebestände Ernten mit geringen Proteinwerten hervorbringen werden. Die Lücke wird dann eben wieder mit Soja gestopft. Danke an die Behörden, die uns mit ihrer Bescheißerei bei ... mehr anzeigen

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