Bayern

"Was der bayerische Agrarbericht verschweigt"

Die Situation der bayerischen Landwirtschaft gibt wenig Anlass sich zu freuen, sagt der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM).

Auf den ersten Blick mag der durchschnittliche Gewinn der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Bayern mit rund 55 000 € für das Wirtschaftsjahr 2018/2019 recht passabel aussehen. Der Gewinn liege immerhin über dem fünfjährigen Durchschnitt, auch wenn er 2018/2019 um 17 % - bei den spezialisierten Milchviehbetrieben sogar um 21 % - unter dem Vorjahr liege. Dazu kommen auch bei den Haupterwerbsbetrieben mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 60 ha rund 13 000 € aus verschiedenen außerlandwirtschaftlichen Standbeinen. Auch die Zahlen der Betriebsaufgaben mit 0,7 % im Jahr 2018 könnten sich im Bundesvergleich sehen lassen, so der BDM.

„Doch nicht so rosig“

„Auf den zweiten Blick sieht die Agrarwelt auch in Bayern aber doch deutlich anders aus“, erklärt BDM-Landesvorsitzender Manfred Gilch. „Was der bayerische Agrarbericht verschweigt, ist zum einen, was aus den Unternehmensgewinnen alles bestritten werden muss. Der Unternehmensgewinn ist nicht mit dem verfügbaren Haushaltseinkommen gleichzusetzen.“

Von den Gewinnen müssen beispielsweise betriebliche Darlehen getilgt werden, die insbesondere auch in den vergangenen fünf Jahren aufgenommen werden mussten, um die fast zwei Jahre dauernde Milchkrise zu überstehen. Außerdem muss aus dem Gewinn die Altersvorsorge bestritten werden und betriebliche Investitionen für die Zukunft bezahlt werden (bei einer durchschnittlichen Milchvieh-Betriebsgröße schnell im höheren sechsstelligen Bereich). Zusätzlich sollen daraus noch Rücklagen für Betriebsentwicklung und Risikovorsorge gebildet werden.

„Bayern sticht nicht positiv heraus“

Seit einigen Jahren verzichtet man angesichts desaströser Zahlen darauf, das tatsächlich verfügbare Haushaltseinkommen für die Landwirtsfamilien auszuweisen. So wundert es auch nicht, dass gerade in den investitionsintensiven Tierhaltungsbetrieben der Strukturwandel sehr viel deutlicher voranschreitet: 2019 gab es noch 27 588 Milchviehbetriebe in Bayern, das waren 1 400 bzw. 4,8 % weniger als 2018 und damit liegt man in Bayern nicht wirklich besser als auf Bundesebene, schlussfolgert der BDM.

Was ebenfalls deutlich wird: Für die Milchviehhalter hielt die Preiserholungsphase ab Mitte 2016, die nach über zwei Jahren rapide sinkender Preise bitter nötig war, gerade mal rund ein Jahr an, ehe die Milchpreise und damit die Gewinne wieder deutlich gesunken sind.

Haupterwerb nicht wirtschaftlich

„Man kann immer mehr außerlandwirtschaftliche Standbeine als Kreativität und Vielfältigkeit der Landwirtschaft deuten, was durchaus seine Berechtigung hat. Aber gleichzeitig sind sie auch ein Hinweis darauf, dass im landwirtschaftlichen Haupterwerb nicht genug verdient werden kann. Diverse Standbeine und ein im Mittel mit 1,5 Familienarbeitskräften seit 1981/82 praktisch gleichbleibender Arbeitskräftebesatz bei steigenden Betriebsgrößen bedeuten nicht nur hohe Investitionen in die Mechanisierung, immer noch mehr Standbeine tragen zur ohnehin hohen Arbeitsbelastung insbesondere in den tierhaltenden Betrieben bei. Vielfach führt dies zu einer betrieblichen Überforderung und auch familiären Belastung, die notwendige Betriebsentwicklungen ausbremst und potenzielle Hofnachfolger mehr abschreckt als motiviert“, mahnt Hans Leis, ebenfalls BDM-Landesvorsitzender.

Agrarmarktpolitik ändern!

Leis fordert für die bayerischen Betriebe eine Änderung der Agrarmarktpolitik, um den tierhaltenden Betrieben eine Perspektive zu geben. Nur wenn die Marktposition der Landwirte gestärkt wird, kann eine krisenfeste und wirtschaftlich gesunde Landwirtschaft erhalten bleiben, glauben die BDM-Vorsitzende.

Die Fördergelder sollten Anreizwirkung haben, jedoch nicht das Einkommen ersetzen. Denn auch bei großzügiger Fördergeldvergabe sollen die Landwirte ihr Einkommen hauptsächlich über die Produkte auf dem Markt erzielen können.

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