Stalleinbrüche

"Wir Bauern stehen am Pranger"

In den Putenstall von Georg Kirchmaier aus Maitenbeth im Landkreis Mühldorf am Inn wurde jetzt schon zum zweiten Mal binnen zwei Jahren nachts eingebrochen.

Ende Mai sind unbekannte Täter bereits zum zweiten Mal in den Putenstall von Georg Kirchmaier eingebrochen. Mindestens zwei Tiere starben dabei, circa 50 Puten hatten Kratzverletzungen, einige ziemlich schwere. Ob Tiere fehlen, kann der Putenhalter bei einer Herdengröße von 550 Tieren nicht genau sagen: "Der rein materielle Schaden liegt bei wenigen Hundert Euro. Aber der seelische und psychische Schaden ist größer", sagt der Landwirt in einem Interview mit Matthias Michael von der Medienagentur Dr. Michael & Partner in Gauting. Wer die Täter waren, ermittelt die Polizeit derzeit noch.

Die Täter hatten sich in der Nacht über ein Gitter im Wintergarten Zugang zum Stall, in dem 14 Wochen alte Tiere gehalten wurden, verschafft. Ihr Motiv ist unklar: "Entweder jemand will sich ein paar Puten holen, um sie zu verkaufen oder um sie selbst zu halten und zu essen. Oder es waren selbsternannte Tierrechtsaktivisten. Für manche Tierrechtsgruppen gehören Stalleinbrüche zum Geschäftsmodell. Sie versuchen dann, in den Ställen möglichst drastische Fotos und Filmaufnahmen zu machen. Das ist aber bei uns eigentlich nicht möglich, weil wir nach den weltweit höchsten Tierwohl-Standards in der konventionellen Putenhaltung arbeiten", sagt Kirchmaier im Interview.

Höchste Produktionsstandards

Der Tierhalter erzeugt Puten für den Schweizer Markt. Dort würden noch höhere Anforderungen an die Tierhaltung gestellt als im Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland. Für das Label BTS - besonders tierfreundliche Stallhaltung - seien höher Platzvorgaben einzuhalten als bei der Initiative Tierwohl. Außerdem seien große Wintergärten gefordert. Den Tieren stehen Picksteine, Aufsitzflächen, Spielmöglichkeiten und ein Sandbad zur Verfügung.

Warum er möglicherweise schon zum zweiten Mal Opfer von Tierschützern wurde, kann Kirchmaier nur vermuten: "Erstens bin ich parteipolitisch aktiv und Ortsvorsitzender. Zweitens arbeite ich in der Verwaltung eines Schlachthofs. Drittens wollen gerade die militanten Tierrechtler auch die sehr tierwohlorientierten Haltungsformen verunglimpfen. Sie sind gegen jegliche Tierhaltung, übrigens auch gegen das Halten von Haustieren." Nach solchen Ereignissen stelle er sich die Sinnfrage: "Ist das ganze ehrenamtliche Engagement es wert? Sollte man alle Ämter niederlegen, um sich und seine Familie zu schützen?"

Politik muss Bauern mehr schützen

Der Tierhalter fordert die Politik auf, die Landwirte endlich effektiv zu schützen. Man verliere sonst das Vertrauen in den Rechtsstaat. "Wir Bauernfamilien stehen am Pranger von Gruppen, die jegliche Tierhaltung abschaffen wollen. Und wir können uns gegen solche kriminellen Aktivitäten kaum wehren", sagt Kirchmaier.


Diskussionen zum Artikel

von Günter Schanné

Rechtsstaat

Das Vertrauen in den Rechtsstaat kann schonabhanden kommen, angesichts der behördlicherseits geduldeten täglichen Tiermisshandlungen in der industriellen Tierhaltung. Tierquälerei ist das Geschäftsmodell der industriellen Tierhaltung. Solange es das gibt, finden auch ... mehr anzeigen

von Jochen Böhrer

Volksverhetzung

Tierquälerei ist eine Straftat. Eine solche einer Bevölkerungsgruppe zu unterstellen, die sich an Recht und Gesetz hält, ist Verleumdung und böswilliges Verächtlich machen. Würde es topagrar wohl auch dulden, wenn hier irgend ein Drecksnazi seine Gehässigkeiten und Anschuldigungen ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Vertrauen in den Rechtsstaat -

Seien wir ehrlich, wer hat den heute noch? Wobei, vielleicht noch in den Staat, in die Menschen dieses Landes, aber nicht in die Politik und - bei Lichte betrachtet, auch zum Teil nicht mehr in die Rechtssprechung. Es gibt doch mittlerweile genügend Fälle, so eben auch hier bei den ... mehr anzeigen

von Josef Doll

In diesen Kreisen

ist so etwas nur illegal . Gesetzte sind da nur etwas wert wenn Sie in meinen Kram passen. Ich habe ein hohes Ziel x ……… das ist ja MEHRWERT. Zum Beispiel : Sie wollen einen Wald der sich selbst verjüngt. Aber Rehe die die Frechheit besitzen die, die jungen Triebe von dem gerade ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Eine verlogene Baggage -

mehr sind die alle nicht. Kenne auch so einen Fall. Hurra der Wolf ist da, ist so ein Credo von ihm. Aber die Schäden, die dieser verursacht, von dem will er nichts wissen. Er sagt, wir können über alles reden, aber von den Schäden die der Wolf verursacht, da will er nichts hören. ... mehr anzeigen

von Kurt Brauchle

Da wird nix an Unterstützung kommen

Vor zwei drei Jahren wurde im Raum Schwäbisch Hall auch ein Putestall "besichtigt", jedoch wurden die drei Herrschaften vom Landwirt gestellt was zu einem Handgemenge ausartete. Im Verlauf der Auseinandersetzung wurde von den "Besuchern" Reizgas eingesetzt und der Landwirt bis ins Haus ... mehr anzeigen

von Jochen Böhrer

Verurteilt

Der Verbercher wurde verurteilt

von Erwin Schmidbauer

Begründete Spekulation

Das es Tierrechtsaktivisten waren, ist nur spekulativ, aber bei den bisherigen Erfahrungen zeigen (gerade bei Tierhaltungen von höheren Funktionären wurde des öfteren schon "eingestiegen" und nach verwertbaren Filmmaterial "gesucht"), dass es sehr reel ist. Wo bleibt eigentlich der ... mehr anzeigen

von Diedrich Stroman

Der Aufschrei?

Der Poltik, Bauernbasching ist doch salonfähig gemacht von eben dieser Politik und deren Umfeld, selbst Gerichte halten diesen Straftätern noch den Spiegel des guten vor die Nase!!!Autofahrer die das Tempo überschreiten werden doch härter bestraft als solche dubiosen ... mehr anzeigen

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