Agrarhandel

ZG Raiffeisen gründet deutsch-französische Handelsfirma

Um ihre Marktposition bei Körnermais und Weizen zu stärken, geht die ZG Raiffeisen in Karlsruhe mit der französischen Genossenschaft CAC ein Joint Venture ein.

Die ZG Raiffeisen in Karlsruhe will der wachsenden Konzentration auf Seiten der Abnehmer und Verarbeiter das neue deutsch-französische Gemeinschaftsunternehmen Europe Crop United, kurz "ECU" entgegensetzen. Das erklärte der Vorstandsvorsitzende Dr. Ewald Glaser in dieser Woche anlässlich der Bilanzpressekonferenz in Karlsruhe.

Vermarktung von 1 Mio. t Mais und Weizen

Ziel des Joint Ventures, an dem die ZG und die französische Nachbargenossenschaft CAC zu jeweils 50 % beteiligt sind, sei die Bündelung der Vermarktung von Körnermais und Weizen. "Damit stärken wir unsere Position im hart umkämpften Markt deutlich", sagte Dr. Glaser. Das geplante Joint Venture sei das erste grenzüberschreitende Getreidehandelsunternehmen in Europa unter der Verantwortung von zwei Genossenschaften. CAC mit Unternehmenssitz in Colmar erfasst und vermarktet die Ernte ihrer Mitglieder, handelt mit Agrarprodukten und betreut Landwirte beim Anbau. Mit 165 Mitarbeitern wurden 2018 rund 154 Mio. Euro umgesetzt.

Seit kurzem liege nun die kartellrechtliche Genehmigung für das neue Unternehmen mit Sitz in Straßburg vor, so dass es im Laufe des nächsten Monats seine Tätigkeit aufnehmen könne. Im ersten Schritt soll es ca. 1 Mio. t Körnermais und Weizen vermarkten, wobei es auf beiden Rheinseiten von Basel bis Ludwigshafen auf eine Lagerkapazität von rund 700 000 t zurück greifen könne. "Dies ist eine einmalige Konstellation und ermöglicht beiden Genossenschaften eine optimale Logistik und Lagerhaltung sowie ein einheitliches Qualitätsmanagement", so Dr. Glaser. Damit werde die Wettbewerbsfähigkeit der Getreidevermarktung verbessert.

Gemischtes Fazit 2018

Im Vorfeld der heutigen Generalversammlung präsentierte Dr. Glaser den Medienvertretern auch die Jahresbilanz 2018 der ZG-Raiffeisen-Gruppe. Dabei habe sich die Dürre deutlich auf die Zahlen ausgewirkt.

Zwar konnte das genossenschaftliche Unternehmen seinen Umsatz mit 1,1 Mrd. Euro stabil halten. Das Ergebnis vor Steuern lag jedoch mit 6,6 Mio. Euro unter den Erwartungen. Auf insgesamt 7 Mio. Euro beziffert der Vorstandsvorsitzende die negativen Sondereinflüsse, von denen ein Großteil auf die witterungsbedingten Einbußen entfällt. Auch die zum Teil deutlichen Zuwächse in einigen Geschäftsbereichen konnten diese Summe nicht kompensieren.

Hohe Frachtkosten

Insbesondere jedoch auf die Maisvermarktung und den Handel mit Betriebsmitteln wirkten sich die extrem ungünstigen Wetterbedingungen massiv aus. Das langanhaltende Niedrigwasser auf den Schifffahrtsstraßen infolge der Dürre trieb zudem die Frachtkosten in die Höhe. „Unter den gegebenen Bedingungen haben wir getan, was möglich war, und von wichtigen strategischen Investitionen profitiert“, betont Glaser.

Der Ausbau von Lagerkapazitäten in den vergangenen Jahren habe dafür gesorgt, dass man nicht unter Druck abverkaufen musste. Zudem erreichte der Vermarktungsbereich durch Zukäufe ein Gesamthandelsvolumen von 940 000 t Getreide und Ölsaaten (Vorjahr 1.004.000 t) und konnte damit den Rohertragsrückgang zumindest noch minimieren.

Wirtschaftlich auf stabilen Füßen

Wirtschaftlich stünden die genossenschaftliche Konzernmutter, die ZG Raiffeisen eG, aber auch die Unternehmensgruppe insgesamt, dennoch auf stabilen Füßen. Die Eigenkapitalquote sank zwar in Folge der überproportional gestiegenen Bilanzsumme leicht um 1,5 % auf 30,2 %. Dafür habe das Unternehmen jedoch zukunftsweisende Investitionen in Sach- und Finanzanlagen getätigt, darunter in die Neubauten eines Technikzentrums in Neufrach und eines Erfassungsstandorts in Dittwar sowie in die jeweils 50-prozentige Beteiligung am IT-Dienstleister quindata und an der neuen Einkaufs- und Marketingkooperation HGD (Haus und Garten Deutschland) mit der Raiffeisen Ware Austria (RWA) Wien. Sämtliche Investitionen in Gebäude und Grundstücke wurden laut Glaser direkt aus dem Cash-Flow finanziert.

2 % Dividende

Die Mitglieder der Genossenschaft, deren Zahl 2018 laut Dr. Ewalt Glaser erneut angestiegen sei und nun bei 4873 stehe, erhalten – vorbehaltlich der Zustimmung in der heutigen Generalversammlung – eine Dividende von 2 %. Unter Berücksichtigung von Warenrückvergütung und Zinsen auf das Genussrechtskapital werden dann in Summe 1,3 Mio. Euro ausgeschüttet.

Ausblick

In der ersten Jahreshälfte 2019 laufe das Geschäft in allen Bereichen erfolgreich, die Ernteerwartungen seien aktuell gut. "Wir konzentrieren unsere Aktivitäten auch weiter auf gezielte Investitionen in ausgewählte Standorte, die nachhaltige Erschließung von zukunftsträchtigen Geschäftsfeldern wie Smart Farming, die Digitalisierung interner Prozesse und die Bildung von Kooperationen", sagte der Vorstandsvorsitzende.

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Artikel geschrieben von

Silvia Lehnert

Redakteurin SÜDPLUS

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