Sojaernte und Absetzer aus Mutterkuhherde fischen

Die letzten zwei Wochen meiner Zeit in den Staaten waren nochmals sehr abwechslungsreich.
Es ist Mitte Oktober und die kälteren Nächte häufen sich, doch am Tage ist es noch locker T-Shirt tauglich. Perfekte Bedingungen für die Sojaernte. Abgereifte Sojapflanzen habe ich zuvor noch nie gesehen, geschweige denn geerntet. So durfte ich zum ersten Mal Soja ernten.  Es war doch schon etwas anderes. Das Schneidwerk liegt vorkommen auf dem Boden und mit 6,5 km/h geht’s durch den Bestand.
 
Einige Schoten enthalten nicht mehr als zwei Bohnen aufgrund der großen Sommertrockenheit, dennoch ist man mit der Ernte zufrieden.  Wenn wir die Flächen wechseln mussten und diese nur über die Straßen zu erreichen waren, war es schneller, den Schneidwerkswaagen mit dem Pickup umzusetzen. Mit dem Truck haben wir die Ernte dann zu den Höfen gefahren und in den Hochsilos eingelagert. Gut 70% der Ernte werden an die Rinder verfüttert und der Rest am Markt verkauft.
 
Neben der Sojaernte mussten noch 180 Ballen Maisstroh mit den Rundballenpressen gepresst werden. Diese dienen als kleine Futtergrundlage in den Wintermonaten für die Rinder, da nicht ausreichend Heu geerntet werden konnte. Dies geht aber nur, wenn das Maisstroh sehr trocken ist und ein Pilzbefall kaum festzustellen ist, da die gesundheitlichen Risiken z.B. Fehlgeburten zu groß wären, wenn es an die Mutterkühe verfüttert wird. Daher erhalten häufig nur die Jungrinder und einige Ochsen diese Ballen und die Mutterkühe das wertvollere Luzernen- oder Klee-Heu.  Auf einigen Maisflächen, die in der Nähe der Winterweiden lagen wurde außerdem Winterroggen im Direktsaatverfahren gedrillt. Auf diesen Flächen können dann die Rinder im Frühjahr weiden, bevor auf den Flächen Soja aus gesät wird.
 
Außerdem konnte ich auch noch beim Absetzten zweier Mutterkuhgruppen dabei sein.  So ging es morgens um halb 8 mit den Quad’s los zur ersten Weide mit knapp 100 Altkühen. Zwar ist man nicht so wendig wie mit einem Pferd, aber dank der Hunde war es kein Problem, die Kühe und Absetzer in Schach zu halten und zum Fangstand zu treiben. Mit dem Viehanhänger haben wir die Absetzer dann zur Hofstelle gefahren. 
 
Die zwischen Februar und März geborenen Kälber hatten auf den extensiven Weiden mit Soja-Zufütterung nun ein Absetzergewicht von gut 280 bis 300 kg. Im Fangstand wurden sie gegen Parasiten und Kokzidiose  geimpft, bevor sie auf die Absetzerweide getrieben wurden.  Diese Absetzer wurden Ende Januar dann im Schnitt mit 410 kg vermarktet. Interessant wurde es vor allem bei den erstkalbenden Kühen, da war es gar nicht so einfach die Kälber zu trennen und man musste sehr vorsichtig sein, wenn man nicht von einer Kuh auf die nicht vorhandenen Hörner genommen werden wollte. Leider konnte ich nicht mit zu einem Markt für Zuchtbullen fahren.
 
Daniel und sein Neffe Ben berichteten, dass es sehr beeindruckend war und wieder viele Züchterfamilien anwesend waren. Sie haben für den Betrieb ebenfalls noch drei neue Zuchtbullen eingekauft, die er mir dann auch direkt zeigen wollte. Es war schon ein komisches Gefühl mitten zwischen den Zuchtbullen zu stehen. Doch Daniel achtet sehr auf ruhige Bullenlinien und das spürt man auch direkt, dennoch ist es wichtig, nie einen Bullen zu unterschätzen, egal wie friedlich er auch ist. Neben so manchen Fleckviehbullen kann man sicherlich nicht so locker und gelassen stehen und reden, wie wir es in der Bullenweide gemacht hatten. Insgesamt hat Daniel nun 17 Zuchtbullen, wobei die drei ältesten Vererber nun nicht mehr so häufig eingesetzt werden sollen. Die künstliche Besamung bei Mutterkühen ist zwar schon etwas verbreiteter in den Staaten, dennoch sagte mir Ben, dass es gar nicht so einfach ist und nicht mit Milchkühen wie Holsteins verglichen werden kann. Er selbst hat ebenfalls einen Eigenbestandsbesamer-Kurs absolviert, aber nur ca. 5% der Kühe werden künstlich besamt. Da es zu arbeitsaufwendig für den Betrieb ist und den besten Job würden dann doch die Bullen machen, meinte er.
 
Bei diesen abwechslungsreichen Tagen, verging die Zeit wie im Flug. Doch vor allem machte es noch einmal richtig Spaß, auf den Betrieben zu arbeiten. So rundeten die geselligen Abenden in den Familien, der Besuch von Footballspielen an Wochenenden, gemeinsames Hotdog braten über dem Lagerfeuer oder das Angeln nach Feierabend, den super Auslandsaufenthalt grandios ab. Auf dieser Reise konnte ich sicherlich nur einen kleinen Einblick in den US-Alltag gewinnen. Vor meinem Abflug hätte ich nie damit gerechnet, dass die Wochen in den Staaten so interessant werden würden. Ich habe diese Zeit sehr genossen und freue mich schon jetzt darauf dort gewonnene Freunde bei uns in Deutschland zu begrüßen.
 
 

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