Auf neuen Wegen Plus

Marode Wirtschaftswege und angespannte Haushaltslage: Gemeindeverwaltung und Landwirte im rheinischen Nörvenich probieren neue Methoden bei der Wegesanierung.

Viele Wege führen durch Nörvenich – vor allem Wirtschaftswege. Und diese rund 350 km unbefestigten und 80 km asphaltierten Wege der rheinischen Flächengemeinde mit ihren 14 Ortsteilen werden durch die sehr angespannte Haushaltslage zunehmend zum Problem. Denn klassische Reparaturmaßnahmen kommen an ihre Grenzen, und die Streckenabschnitte mit großen Schlaglöchern nehmen zu.

Durch unseren Beitrag „Ist Schotter der bessere Weg?“ (Heft 10/2014) ist Ratsmitglied und Landwirt Dr. Achim Siepen auf den Rückbau von Asphalt- straßen zu Schotterwegen aufmerksam geworden. Er hat mit der Gemeinde und den Landwirten diskutiert, ob diese Methode eine Lösung für die Probleme sein könnte.

Im Herbst 2015 wurden dazu erste Versuchsstrecken angelegt. Bei einem Ortstermin Ende Februar treffen wir Landwirt Siepen, Hans-Peter Knops, den Nörvenicher Ortslandwirt und den Leiter des zuständigen Bauamts Heinz-Willi Strack. Direkt an einer bearbeiteten Straße erläutern uns der Landwirt und Unternehmer Hans Josef Brock sowie der zuständige Ortsvorsteher Andreas Rataj die aktuellen Maßnahmen. Wie im Rheinland üblich, liegen die Höfe meist in den Ortsteilen. Die Felder sind über Asphaltwege und vielfach über einfache Schotterwege zu erreichen, bei denen teils nur die Fahrspuren befestigt sind. Der Zustand der Wege verschlechtert sich zunehmend. Die Gründe sind nach Erfahrungen von Bauamtsleiter Strack unterschiedlich. Die Asphaltwege früher Flurbereinigungen, vor allem der 60er- und 70er-Jahre, sind nicht für die aktuellen Belastungen ausgelegt. Sie sind selten breiter als 3 m.

Schäden durch Wasser:

Breite Maschinen drücken auf die schlecht befestigten Seiten der Wege, die Asphaltdecken brechen und Wasser dringt in den Wegekörper ein. Außerdem steigt der Lkw-Verkehr – Nörvenich ist Rübenanbaugebiet. Die schmalen, harten Lkw- Reifen, gepaart mit höheren Geschwindigkeiten, schädigen tief den Unterbau der Straßen. In den Kurven sorgen Lkw-Auflieger mit Dreiachs-Aggregaten zusätzlich für Schäden.

Zudem ist – teils aus Umweltschutzgründen – vielerorts die Bankettenpflege zurückgefahren worden. Läuft das Wasser nicht mehr zügig seitlich ab, ist ein beschädigter Weg noch stärker gefährdet – egal, ob Asphalt oder Schotter. Vor allem, wenn in der nassen Jahreszeit die Rübentransporte über die Wege rollen. Zu viel Wasser im Weg ist Gift für die Bindekräfte des Materials. Bei der Reparatur von Schotterwegen arbeiten die Nörvenicher Landwirte traditionell mit der Gemeindeverwaltung zusammen: Die Landwirte übernehmen die Arbeiten, die Gemeinde bezahlt das Material. Weil Nörvenich kein Wasserschutzgebiet ist, kann meist günstigeres, aber zertifiziertes RC-Material verwendet werden (Recycling-Material, gebrochener und gesiebter Bauschutt, Siebfraktion 16/45 oder gröber).

In Wasserschutzgebieten würde die Sache deutlich teurer: Während zertifiziertes RC-Material zwischen 8 und 9 €/t (frei Baustelle, also inklusive Transport) kostet, liegt der Preis für den hier ausschließlich erlaubten Natursteinschotter teils bis zu drei Mal höher.

Viele der Nörvenicher Schotterwege bestehen nur aus Fahrspuren. Durch Leitbleche am Kipper und anschließende Nacharbeit mit einem speziellen Wegehobel wird der Reparaturschotter genau in diesen Spuren verteilt. Das Material fährt sich dann durch den nachfolgenden Verkehr fest.

Ortslandwirt Knops fürchtet aber, dass dieses durchaus bewährte System zunehmend an seine Grenzen kommt: „Die Zahl der Landwirte pro Ortsteil nimmt ab, die Arbeit bleibt vielleicht an zwei, drei Betrieben hängen. Außerdem werden mehr und mehr Flächen von auswärtigen Praktikern bewirtschaftet. Stellt sich dann die Frage: Wer kümmert sich um welche Wege?“

Nur Kosmetik:

Achim Siepen hat noch ein weiteres Problem ausgemacht: Das...

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