Spritzen: Alles zur Ausstattung in 10 Punkten Plus

Immer mehr Hersteller bieten Feldspritzen als Baukasten an. Auch günstige Einsteiger-Konzepte lassen sich Schritt für Schritt aufrüsten. Wir geben einen Überblick über die Möglichkeiten.

Es ist gar nicht so einfach, bei Feldspritzen den technischen Überblick zu behalten – vor allem wenn man kurz vor der Kaufentscheidung steht. Um unseren Lesern einen aktuellen Überblick über den Stand der Technik bei Anbau- und Anhängespritzen zu geben, haben wir Pflanzenschutz-Fachleute von Amazone, Dammann, Hardi, Horsch, John Deere, Kuhn und Lemken sowie Harald Kramer von der Landwirtschaftskammer NRW zum Expertengespräch eingeladen.

In diesem Beitrag geht es uns nicht darum, die aktuellen Angebote der Firmen zu vergleichen. Wir möchten hier die verschiedenen Ausstattungen vorstellen und einordnen. Viele Komfortausstattungen wie automatische Lenkung, automatische Teilbreitenschaltung oder Reinigungsprogramme sind auf Lösungen mit Jobrechner auf der Spritze angewiesen (meist Isobus). Zu Anfang hat uns überrascht, dass sich die Anbauspritze nach wie vor behauptet und ihr Anteil teils sogar wieder steigt.

Firmen, die beides im Programm haben, berichten von einer 50/50-Verteilung. Viele Betriebe verfügen heute über größere Schlepper, die mit einer Anbauspritze und einem Tankvolumen von bis zu 2200 l klar kommen.

Aus dem Baukasten:

Auch bei der Ausstattung einer Anbauspritze gibt es kaum noch Limits. Die Baukastensysteme ermöglichen einfache Einsteigerlösungen bis hin zum gleichen Komfort wie bei den Anhängespritzen. Bei den Fronttanks setzen die Firmen auf unterschiedliche Lösungen: Beim Eintanksystem sind Front- und Hecktank parallel geschaltet und die Flüssigkeit zirkuliert. Das System kommt meistens mit einer Pumpe aus, allerdings braucht man ein Hin- und eine Rückleitung, was die technische Restmenge vergrößern kann. Bei einer intelligenten (Isobus-)Steuerung kümmert sich der Fahrer nicht um die Details – Front- und Heck reagieren wie ein einziger Behälter beim Befüllen, Ausbringen und Reinigen. Etwas einfacher arbeitet die Zweitanklösung: Hier muss der Fahrer aktiv auf den Fronttank umschalten. Es reicht eine Schlauchleitung zur Anbauspritze im Heck. Elektrische oder hydraulische Pumpen übernehmen das Rühren im Fronttank.

Fronttanklösungen sind meist im Profieinsatz unterwegs. Zusammen mit einer großen Anbauspritze im Heck entsteht ein kompakter „Selbstfahrer“ mit 3000 l Volumen oder sogar mehr. Diese Kombinationen bewähren sich vor allem auf klein strukturierten Flächen und/oder in hügeligen Gegenden.

Das Ganze hat seinen Preis – eine komfortable Front-Heckkombination bewegt sich in etwa auf dem Niveau einer gleich großen Anhängespritze mit etwas einfacherer Ausstattung. Und trotz aller Erleichterungen: Die Rüstzeiten der Front-Heck-Kombi sind höher als bei der Anhängespritze. In einem Systemvergleich zwischen Front-Heck-tank-Lösung und gleichgroßer Anhängespritze (siehe top agrar 10/2008) haben wir herausgefunden, dass der zusätzliche Zeitbedarf für den Anbau bei optimaler Vorbereitung bei drei Minuten liegt. In diesem Beitrag versuchen wir, für alle Zusatzausstattungen von Anhänge- und Anbauspritzen möglichst realistische Aufpreise zu nennen (jeweils o. MwSt.). Teils hängen die Aufpreise auch von der übrigen Ausstattung der Maschine ab. Hat die Spritze bereits Isobus und Jobrechner, lassen sich viele Komfortausstattungen einfacher nachrüsten oder sind direkt im Paket enthalten.

1.Bequemer anbauen mit Rollen

  • Der Schwerpunkt der Anbauspritzen liegt dicht an der Hinterachse. Zum Anbau sollten deshalb am besten stabile Rollen und Lösungen zum einfachen Kuppeln Standard sein. Bei den Kuppellösungen geht es vor allem darum, die letzten 50 cm nach Anschließen der Leitungen und Stecken der Gelenkwelle möglichst elegant zu überbrücken. Die Unterlenker-Lösungen sind oft ähnlich und oben ist ein hydraulischer Oberlenker sinnvoll.
  • Vor allem die großen Anbauspritzen wiegen voll bis zu 4 t – das liegt teils über der zulässigen Hinterachslast! Achtung also vor allem beim Einsatz von Flüssigdünger.
  • Viele Praktiker fordern, dass sich die Rollen abbauen lassen. Nicht alle Geräte lassen sich auch voll auf den Rollen abstellen.

2.Anhängen besser mit Kugelkopf

  • Bis auf große, einachsige Spritzen ist die Obenanhängung per Zugöse noch Standard. Eine nachträgliche Umrüstung auf Untenanhängung ist teils möglich, wird aber kaum gemacht.
  • Verschraubte Zugösen an der Deichsel lassen sich einfach und günstig gegen spielfreie Kugelkupplungen in Obenanhängung umrüsten. Ein deutliches Plus an Fahrkomfort!
  • Etwa 50% der Anhängespritzen verlassen das Werk mit einer Federung – Tendenz eher abnehmend. Zwar sorgt die Federung für eine gute Gestängelage.

Doch viele investieren mittlerweile das Geld lieber in großvolumige Reifen (mit weniger Druck) in Kombination mit einer Deichselfederung. Große Reifen bringen mehr Bodenschutz, frühere Befahrbarkeit und eine bessere Hangstabilität.

  • Mechanische oder hydropneumatische Federungen (Zylinder plus Stickstoff-Speicher) sind hangstabiler als pneumatische Federungen. Der Effekt mechanischer Federungen hängt oft vom Füllstand bzw. Gewicht ab.
  • Viele Gestänge leiden vor allem eingeklappt. Eine gute gefederte Ablage (teils auf Rollen) bringt deshalb mehr als ein gefedertes Fahrwerk.

3.Eine Lenkung rechnet sich nicht in allen Kulturen

  • Abgesehen von Sonderkulturen – die Pflegebereifung nimmt ab. Viele Praktiker entscheiden sich für breite, hohe Reifen (38 bis 46“). 3000 l-Spritzen fahren meist auf 380er bis 420er-Reifen. Ab 4000 bis 5000 l auf 460er bis 520er-Pneus. 650er-Reifen sind eher die Ausnahme. Dann entscheiden sich die Praktiker lieber für höhere als für breitere Reifen – die Aufstandsfläche ist annähernd gleich.
  • Die Ausstattung mit einer Lenkung hängt vom Einsatz und von den anderen Fahrzeugen (Düngerstreuer, Gülletanker) ab, die durch die Fahrgassen fahren. Bleiben diese nicht in der Spur, kann man sich die Spritzenlenkung direkt sparen. Ein reiner Getreidebetrieb holt die Mehrkosten durch gerettetes Getreide oft nicht wieder rein.
  • Im unteren Ausstattungsbereich nimmt der Anteil mit Lenksystem eher ab. Die meisten Firmen liefern etwa 50% ihrer Anhängespritzen mit Lenkung aus. Bei höherer Ausstattung fällt der Mehrpreis weniger ins Gewicht, weil einige Hydraulik- und Elektronik- Komponenten bereits an Bord sind. Je nach Vorrüstung und System kostet eine automatische Lenkung zwischen 4000 und 6000 €.
  • Die meisten Hersteller setzen auf Deichsellenkungen: Einfacher aufgebaut, kein Einfluss auf die Reifengröße oder Fassform. Die Lenkung reagiert mit einem schwarzweiß-Ventil teils etwas ruppiger als mit einer proportionalen Ansteuerung. Die Kippgefahr ist eventuell höher. Bei einigen...


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