top agrar Fachwissen - Kupplungen: Bleiben Sie in Verbindung!

Kupplungen zwischen Schleppern und Geräten müssen viel aushalten. Deshalb sind die Anforderungen an die Technik hoch, die Verschleißgrenzen niedrig. Auch weil immer schärfer kontrolliert wird, zeigen wir Ihnen, worauf es ankommt.

Anhängen. Losfahren! Ganz so einfach ist es in der Praxis nicht. Für Anhängesysteme am Schlepper gelten teils ganz unterschiedliche Auflagen und Vorschriften. Wir haben uns beim Verkehrssicherheits-Experten Heinz Haarlammert (Polizeihauptkommissar a.D.), dem Kupplungs-Fachmann Manfred Ifland von GKN Walterscheid in Dingelstädt und anderen Herstellern umgehört, welche Grenzen und Auflagen wichtig sind. Dabei ging es uns um folgende Systeme:

  • Anhängekupplung mit Bolzen
  • Zugpendel
  • Kugelkopf-Kupplung
  • Unterlenker-Anhängung

Beim Thema Kupplungen und Stützlasten versteht die Polizei kaum Spaß. Hängen Sie z. B. einen Transportanhänger in eine nicht bauartgeprüfte Kupplung und gefährdet das die Verkehrssicherheit, kostet dieser Verstoß laut Bußgeldkatalog 110 € plus 3 ärgerliche Punkte in Flensburg. Auch der Fahrzeughalter kassiert eine Anzeige. Ausnahmen gibt es nur bei Arbeitsgeräten, die in den Unterlenkern gefahren werden: Derzeit gelten keine Prüfungspflichten, weder für die Unterlenkerfanghaken am Schlepper noch für die Bolzen und Traversen am Gerät. Allerdings diskutieren Experten der EU bereits eine Prüfpflicht für diese Bauteile.

Ganz entscheidend für die legale Fahrt ist die zulässige Stützlast. Sie richtet sich u. a. nach Kupplungstyp, Höhe der Kupplung, Anbau an den Schlepper, Abstand zur Achse und bauartbedingter Höchstgeschwindigkeit (bis 40 km/h teils auch 4 t, über 40 km/h nie mehr als 3 t!).

Wichtig sind zudem die Reifentragfähigkeit, die zulässigen Achslasten, das zulässige Gesamtgewicht und natürlich das aktuelle Gewicht. Wenn bei einigen fixen Kugelkupplungen zwar bis 4 t Stützlast erlaubt sind, die zulässige Hinterachslast aber nur noch 2 t Reserve bietet, ist natürlich schon bei 2 t Stützlast Schluss. Darüber sind zunehmend auch die Beamten der Polizei im Bild.

Aus technischer Sicht entscheidet immer das schwächste Glied in der Kette: Es bringt Ihnen überhaupt nichts, wenn auf dem Typenschild der Kupplung vielleicht 4 t Stützlast stehen, der Anbaubock aber nur 2 t zulässt.

Auch die Höhe spielt eine wichtige Rolle. Dabei gilt der Zapfwellenstummel als Referenz. Alles was höher als der Stummel kuppelt, ist immer auf maximal 2 t limitiert; Grund ist die Umsturzsicherheit. Die Stützlast ist in § 44 der StVZO geregelt. Bußgeld und Punkte richten sich nach der Höhe der Überschreitung. Außerdem wichtig bei allen Fahrten mit Stützlast: Für sicheres Fahrverhalten und Lenkbarkeit braucht der Schlepper ausreichend Gewicht auf der Vorderachse. Hier gibt es einen konkreten gesetzlichen Wert: Die Achslast auf der Vorderachse muss über 20 % des Leergewichts liegen.

Das maximal zulässige Anhängegewicht wird nicht immer in den Schlepperpapieren angegeben. Falls es aufgeführt ist, finden Sie es im Fahrzeugschein unter den Ziffern O.1 (technisch zulässige Anhängelast gebremst) und O.2 (ungebremst). Falls es keine Angabe in den Papieren gibt, zählt das Typenschild von Anhängekupplung und/oder Anbaubock (der niedrigere Wert entscheidet). Entweder ist die Anhängelast hier in kg oder als „D-Wert“ angegeben. Auf unserer Homepage www.topagrar.com haben wir eine D-Wert-Tabelle für Sie vorbereitet, in der Sie die maximale Anhängelast für Ihren Schlepper ablesen können. Das Überschreiten der Anhängelast ist teuer: Bereits ab 2 % kostet es Geld, die Strafen liegen zwischen 10 und 425 €. Ab 40 € kommen 1 bis 3 Punkte obendrauf. Auch der Halter haftet.

Achten Sie auf den Verschleiß von Kupplungen und Zugösen. Verschleiß entsteht durch Dauerbelastung oder auch einzelner Überlastung. Wenn der Gülletanker bis zu den Achsen im Schlamm steckt und jeder Schlepper aus der Nachbarschaft beim Rausziehen hilft, kommt die Kupplung teils an ihre Grenze. Wir stellen Ihnen deshalb hier auch die wichtigsten Verschleißgrenzen vor.

Einfach kuppeln mit Bolzen und Ösen

Nach wie vor sind in Deutschland fast 100 % der Schlepper mit einer höhenverstellbaren Bolzenkupplung unterwegs. Bei den landwirtschaftlichen Zugmäulern gibt es zwei wichtige Unterschiede:

  • Kupplungen ohne und mit automatischer Verriegelung plus Fernbedienung (650 bis 900 €, alle Preise o. MwSt.). Kupplungen ohne Automatik sollten sich – z. B. durch einen verlängerten Griff – auch vom Sitz aus bedienen lassen.
  • Kupplungen mit zylindrischen Bolzen (meist „30er-Bolzen“ genannt, aber je nach Hersteller in der Praxis 30 bis 32 mm dick) oder mit balligem Bol-zen („38er-Bolzen“, tatsächlich 36 bis 38 mm). Die balligen Bolzen reduzieren das Spiel zwischen Öse und Bolzen deutlich. Der Verschleiß von Öse und Kupplung sinkt, der Komfort steigt – also eine eindeutige Empfehlung für diesen...