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7 Meinungen von Experten zu Lieferengpässen in der Landtechnik

Immer wieder hört man von Lieferengpässen und steigenden Preisen. Wir haben uns bei mehreren Landtechnikherstellern und einem Händler umgehört, wie sie die aktuelle Situation erleben.




Inhaltsverzeichnis




BvL: „Wir wollen weiter termingerecht liefern“

„Wir stehen noch mitten in der Krise. Nicht nur der Krieg, auch die Coronalage machen uns weiter zu schaffen“, beschreibt Bernard van ­Lengerich die aktuelle Situation. „Eine Beruhigung sehen wir erst, wenn wir wieder zuverlässig Komponenten beschaffen können. Auch wenn wir den größten Anteil der Preiserhöhungen sicherlich hinter uns haben, können wir weitere Preisanpassungen aufgrund der steigenden Energiepreise und der Lohnsteigerung nicht ausschließen.“

„Vor allem Stahl ist extrem teuer. Einige Sorten und Formate sind knapp geworden. Absichern können wir den Stahlpreis nicht, lediglich frei zur Verfügung stehende Mengen vorkaufen“, so van Lengerich. Aber auch weitere Komponenten seien knapp. Die Terminverfolgung nehme mittlerweile einen wesentlichen Teil der Arbeit der Einkaufsabteilung ein. „Weil verzögerte Lieferungen den Produktionsablauf ­stören, versuchen wir mit hohen Lagerbeständen entgegenzuwirken“, beschreibt van Lengerich seine Strategie.

Die Preissteigerungen muss auch BvL an seine Kunden weitergeben. Doch Bernard van Lengerich sagt stolz: „Wir können dem Kunden beim Verkauf einen konkreten Preis nennen. So fällt dem Käufer die Entscheidung auch einfacher. Das Risiko kurzfristiger Preisänderungen tragen wir selbst.“ Auch die Lieferfähigkeit und Pünktlichkeit sei ihm sehr wichtig. „Fehlen aber Kom­ponenten, schaffen wir es nicht dagegen zu arbeiten“, fügt van Lengerich an. Der Wegfall des Russlandgeschäfts macht dem Unternehmer weniger Sorgen: „Umsatz ist nicht alles. Wichtiger ist es, dass das Leid der Bevölkerung ein Ende nimmt.“

Im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage in Europa betont van Lengerich: „Wir müssen uns in Europa wieder mehr selbst versorgen, denn alles was man in seiner eigenen Hand hat, kann einem niemand nehmen. Wir bei BvL sind froh, einen großen Teil der Wertschöpfungskette selbst in der Hand zu haben. Unsere Kernkompetenzen wie den Behälter- und Mischschneckenbau behalten wir. Zulieferer kommen meist aus der Region.“

Bei der Frage nach etwaigen Mitnahmeeffekten hat van Lengerich eine klare Position: „Wir können und wollen nur tatsächlich höhere Kosten weiter geben. Kurzfristige Mitnahmeeffekte helfen nicht weiter, sich nachhaltig und langfristig zu etablieren. Wenn wir die Situation ausnutzen würden, kommt es langfristig wie ein Boomerang zurück.“

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Claas: „Die lange Liste von Fehlteilen ändert sich täglich“

„Die Lieferketten sind schon seit 2020 und den ersten pandemiebedingten Lockdowns angespannt. Jetzt haben wir allerdings eine Eskalationsstufe erreicht, die wir so bisher noch nicht gekannt haben“, fasst Matthias Mumme, Leiter Fachpresse bei Claas, die aktuelle Situation zusammen. Die Auftragsbücher seien in nahezu allen Produktbereichen prall gefüllt, teilweise sogar auf Rekordniveau – aber es fehlt immer wieder plötzlich an Bauteilen, insbesondere an Elektronikkomponenten. Deshalb ist Mumme zufolge vor allem die Mähdrescherproduktion eine Herausforderung: Lexion und Co. brauchten mit Abstand die meisten Sensoren und Mikrochips, aber auch Sitze und Hydraulikmotoren sind knapp.

Zwar gebe es auch bei Traktoren, Feldhäckslern und Futtererntetechnik Engpässe, diese würden sich aber nicht so gravierend auswirken. „Die Liste an Fehlteilen ändert sich von Tag zu Tag, die Produktion angesichts dieser kaum zu beeinflussenden Situation so gut es geht am Laufen zu halten, ist ein Kraftakt“, erklärt Mumme. Trotz früh eingeleiteter Gegenmaßnahmen rollen viele Maschinen nicht auslieferungsfähig aus den Hallen: „Der Anteil von Nachrüstmaschinen steigt seit ­Wochen. Für die zeit- und kostenintensiven Nachrüstungen haben wir Kräfte aus verschiedenen Bereichen und von unseren Vertriebspartnern in Harsewinkel zusammengezogen“, so Mumme. „Weitere Nachrüst­arbeiten erfolgen, falls erforderlich und möglich, direkt bei unseren ­Vertriebspartnern.“

Die Ersatzteilversorgung sieht Mumme derzeit nicht gefährdet. Claas habe schon vor Monaten damit begonnen, kritische Bauteile nur noch im konkreten Bedarfsfall abzugeben. „Das sind rein prophylaktische und zur Ernte durchaus übliche Maßnahmen, mit denen wir verhindern, dass diese Teile an einem Ort im Lager verstauben, während sie woanders gebraucht werden und Mähdrescher im schlimmsten Fall stillstehen“, so Mumme. Grundsätzlich verweist der Hersteller auf seine hervorragende Ersatzteilelogistik, der man auch in der kommenden Ernte gerecht werden wolle.

Vereinzelt von Landwirten geäußerte Vorwürfe bezüglich Mitnahmeeffekten weist Claas entschieden zurück. „Die Kosten für Bauteile sind in den letzten Monaten kontinuierlich gestiegen, in Einzelfällen um mehr als das Hundertfache“, so Mumme weiter....

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