Techniktrends

Dünger gezielt ausbringen – gleichmäßig verteilen

Auch in Einstiegsbaureihen heutiger Düngerstreuer gibt es optional elektronische Regelungen. Radarsensoren und Windmesser optimieren die Querverteilung. Pneumatikstreuer dosieren bis an die Grenze.

Bezogen auf den Kaufpreis und die Lebensdauer verarbeitet kaum eine Landmaschine so viel Werte wie ein Düngerstreuer. Neben der Schlagkraft haben die Firmen die Genauigkeit ihrer Streuer weiter verbessert. Denn nicht zuletzt durch die strengen Auflagen und den Gewässerschutz müssen die Düngerkörner genau da landen, wo sie hingehören.

Wichtige Entwicklungstrends der letzten Jahre setzen sich fort. Dabei kommt die genaue, geschwindigkeitsabhängige Ausbringung des Düngers zunehmend auch in den einfacheren Baureihen. Vorteil dieser Lösung ist der weite Geschwindigkeitsbereich: Langsamer am Vorgewende, schneller in der Bahn. Die Einsteigerstreuer gibt es auch weiterhin mit einfachen Terminals ohne Isobus. Hydraulische Schieber gibt es weiterhin.

Drehmoment hilft dosieren

Über das Drehmoment im Antriebsstrang der Scheiben lässt sich die Ausbringmenge überwachen und steuern. Kombinierte Systeme können teils das System über die Wiegeeinrichtung kalibrieren. Mit einem optionalen Neigungssensor kann das System auch Einflüsse bei Fahrten hangauf und bergab herausrechnen.

Ein weiteres, wichtiges Thema der letzten Jahre war die automatische Teilbreitenschaltung Section Control sowie die variable Ausbringmenge (Variable Rate). Bei Streuern, die Arbeitsbreiten von deutlich über 40 m erreichen, ist das eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Denn es geht um mehr als nur die halbseitige Abschaltung. Für die echte Teilbreitenschaltung muss der Bordrechner Verteilbreite und Ausbringmenge automatisch anpassen.

Die Konstrukteure lösen das z. B. bei ein­facheren Streuern lediglich über das Regeln der Dosieröffnung. Bei höher ausgestatteten Geräten kommt das Verstellen des Aufgabepunktes auf die Scheiben dazu. Geräte mit hydraulischem Antrieb können auch die Drehzahl der Scheiben anpassen. Einsteigergeräte schalten die Teilbreiten nur von außen nach innen ab, Profigeräte auch von innen nach außen.

Düngerstreuer

Die Firmen verbessern die Genauigkeit der Streuer weiter. (Bildquelle: Pressebild)

Wichtig bei reduzierter Ausbringmenge ist die Schonung des Düngers. Deshalb gibt es Ansätze, um die Intensität des Rührwerks an die Menge anzupassen, z. B. durch einen geregelten, elektrischen Antrieb.

Die Flugeigenschaften der Düngerkörner sind ganz entscheidend für die Verteilgenauigkeit. Die Qualität des Düngers wirkt sich deshalb direkt aus – vor allem bei den großen Arbeitsbreiten. Zur Überwachung der tatsächlichen Flugbahn hatten einige Hersteller in der Vergangenheit Messsysteme vorgestellt, die z. B. mit Radartechnik arbeiten.

Bisher haben sich diese Entwicklungen vor allem wegen des hohen Preises noch nicht in der Praxis verbreitet. Eine weitere Möglichkeit der Kontrolle ist der Einsatz von Streuschalen – der sinnvoll, aber vielen Praktikern schlichtweg zu aufwendig ist. Etwas einfacher ist eine Lösung, die mit farbigen Matten zusammen mit einer App per Bildauswertung die Auswertung übernehmen.

Windsensoren am Streuer können bis zu einer gewissen Windgeschwindigkeit die Querverteilung nachregeln. Der Jobrechner verarbeitet die Daten und steuert über den Aufgabepunkt sowie die Scheibendrehzahl gegen.

Düngerstreuer

Sensoren für die Neigung oder auch sensible Windmesser sollen die Ausbringung an die örtlichen Bedingungen besser anpassen können. (Bildquelle: Pressebild)

Comeback der Pneumatik

Die Randschärfe ist in den letzten ­Jahren immer wichtiger geworden. Das Problem: Man bringt ein Düngerkorn nicht dazu, genau vor der Grenze oder dem Graben senkrecht auf den Boden zu fallen. Deshalb muss man auch mit den verfügbaren Rand- und Grenzstreueinrichtungen ausreichend Abstand halten.

Genau bis zum Rand arbeiten pneumatische Düngerstreuer. Durch separat elektrisch angetriebene Dosiereinheiten für jede Teilbreite bringen diese Düngerstreuer sehr viel mehr Möglichkeiten bei der teilflächenspezifischen Düngung. Auch bei Mischdüngern mit Schwankungen in der Korngrößenverteilung ist die Ausbringgenauigkeit meist höher. Nachteil der Pneumatikstreuer: Passt die Anschlussfahrt nicht direkt, wirkt sich das voll auf die Pflanzen aus, es gibt einen harten Übergang.

Düngerstreuer

Bei der Abschlussdüngung lassen sich über Applikationskarten die Qualitäten gezielt steigern. (Bildquelle: Pressebild)

Es gibt zurzeit nur wenige Modelle auf dem Markt. Darunter seit kurzem auch wieder ein Pneumatikstreuer im Dreipunkt. Aber zurzeit arbeiten weitere Hersteller an solchen Streuern, besonders für Großbetriebe. Die Arbeitsbreiten bei den angebauten Streuer reichen von 18 bis 30m. Bei den gezogenen sind Gestängebreiten von 36 m möglich.

Abseits der Oberflächendüngung gibt es Entwicklungen, den Dünger direkt in den Boden einzubringen. Bei Sämaschinen oder auch bei Grubbern sind diese Lösungen lange bekannt. Neu ist er Ansatz, bei dem es um die exakte Platzierung von Depotdüngern in Reihenkulturen geht. Das Gerät arbeitet mit einem Fronttank plus Dosiereinheit und im Heck angebauten Injektionsscharen. Die Schare sind in Parallelogrammen aufgehängt und werden über nachlaufende Rollen in der Tiefe geführt. Die Schare injizieren das Düngeband in 20 cm Tiefe, die Rollen schließen den Spalt.

Düngerstreuer

Ein weiterer Hersteller entwickelt gerade große Pneumatikstreuer. (Bildquelle: Pressebild)


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