Ein Schlag – drei Ernteverfahren Premium

Wir haben unter identischen Bedingungen die Häckselkette, den Ladewagen und die Presswickel-Kombi verglichen. Die Fragen: Welche Leistung, welche Qualität, welche Kosten – und sind Wickelballen vielleicht günstiger als ein Fahrsilo?

Das Gras hat den optimalen Schnittzeitpunkt erreicht und muss unter die Folie – aber welches Ernteverfahren ist das beste: Häcksler, Ladewagen, Press-Wickel- Kombination? Welche Leistungen lassen sich damit jeweils erreichen, wie wirkt sich das Verfahren später auf die Futterqualität aus, wo liegen die Kosten sowie weitere Vor- und Nachteile? Und – ganz aktuell – kann die Ballensilage Fahrsilos ersetzen, die aufgrund der verschärften Gesetzgebung neu gebaut werden müssten?

Drei Ketten, eine Fläche

Für unseren Systemvergleich haben wir – unseres Wissens nach erstmals in einem Test – alle drei Grassilage-Verfahren unter identischen Bedingungen eingesetzt: Ein Schlag, ein Tag, ein Betrieb. Bei allen Erntearbeiten ermittelten wir Zeiten und Leistungen. Getrennt nach Verfahren lagerte das Futter in zwei Silos bzw. in Wickelballen am selben Ort. Nach zwei Monaten haben wir Futterproben gezogen und nach dem höchstmöglichen Standard von der Lufa untersuchen lassen.

Der aufwendige Systemvergleich fand auf dem Betrieb der Familie Cordes im emsländischen Haselünne statt (540 Kühe plus Nachzucht, 230 ha Futterfläche). Die Maschinen stellten uns das Lohnunternehmen Brüggen (Herzlake) und Krone zur Verfügung. Wie immer bei unseren Systemvergleichen setzten wir möglichst auf die Maschinen einer Marke, um Herstellerunterschiede auszublenden. Die Maschinen wurden von den Mitarbeitern beider Unternehmen gefahren. Die Fahrer hatten den Auftrag, praxisüblich, mit dem Fokus auf Qualität, zu arbeiten.

Für den Test stand uns ein Schlag (lS) mit rund 18 ha zur Verfügung. Die Feld-Hof-Entfernung betrug 3,2 km. Der mehrjährige Feldgrasbestand war durch die späten Fröste leicht lückig, der Aufwuchs mittel. Durch die Auswertung unserer Versuche haben wir einen Gesamtertrag von rund 124 t bzw. 6,9 t/ha FM ermittelt. Die Trockensubstanz lag zum Start der Ernte bei 39,5 % und zum Ende hin bei hohen 49 %.

Mähzeitpunkt war der 2. Mai 2018 ab ca. 9 Uhr mit der betriebseigenen Tripple-Kombination inklusive Aufbereiter. Die Witterung: 6 bis 16 °C, bewölkt, trocken und leichter Wind. Am gleichen Tag hat der Betrieb das Gras ab ca. 13 Uhr das erste Mal gezettet. Der zweite Zettgang lief am Folgetag ab ca. 11 Uhr. Anschließend zog das Lohnunternehmen Brüggen das Gras mit einem Vierkreiselschwader von 12 m zu einem 1,20 m breiten Mittelschwad zusammen. Wichtig waren uns möglichst gleichmäßige Schwaden. Die Presswickel-Kombi hat Vorgewende und Bereiche am Waldrand vorab geräumt. Diese Ballen gingen natürlich nicht in unsere Qualitätsauswertung ein. Um etwa 15 Uhr war die Zielfeuchte erreicht und diese drei Ernteketten gingen an den Start:

  • Häcksler: Krone BiG X 700, 3 m Pickup, 27 mm theoretische Häcksellänge. Transport mit einem Doppelzweckwagen ZX 450 GD mit 43 m3 und drei Dosierwalzen.
  • Ladewagen: ZX 430 GD hinter Fendt Vario 936. Ladevolumen 43 m3, drei Dosierwalzen und 48 Messer (37 mm theoretische Schnittlänge).
  • Press-Wickel-Kombi: LU Brüggen mit einer Comprima CF155 XC X-treme hinter einem John Deere 6250R. Ballendurchmesser 1,25 m, 17 Messer, 64 mm theoretische Schnittlänge, 2,5 Lagen Netz, 6 Lagen Folie.
  • Walzschlepper: LU Brüggen mit einem John Deere 8320R und Reck Siloverteiler Jumbo, Zwillingsbereifung sowie 15 t Einsatzgewicht.

Die Ernteketten haben jeweils jedes dritte Schwad aufgenommen. Ganz bewusst haben wir nur einen Häckseltransportwagen und einen Ladewagen eingesetzt. Wenn die Transporter auf der Straße bzw. dem Betrieb unterwegs waren, musste die Presswickel-Kombi stoppen, sobald sie ihren Rückstand eingeholt hatte. Das Erntegut sollte sich in der Trockensubstanz nicht zu stark unterscheiden. Zusätzlich haben wir pro Stunde zwei Proben aus den aktuellen Schwaden gezogen. Alle Proben wurden durch die Lufa Nord-West in Oldenburg nach dem höchstmöglichen Standard analysiert.

Gutes Gras

Das Gras wies zum Erntezeitpunkt einen Energiegehalt von 6,6 bis 7,0 MJ/kg NEL, einen Rohproteingehalt von 14,8 bis 16,5 % sowie einen Rohfaseranteil von 21 bis 23,5 % auf – also sehr gutes Ausgangsmaterial. Die Ergebnisse dieser Analysen fasst Übersicht 1 zusammen.

Jede Erntekette wurde von einem Mitglied des Testteams begleitet. Der Mitfahrer erfasste alle Prozesszeiten (Ernten, Vorgewende, Transport, Abladen usw.). Damit ließ sich die Verfahrensleistung mit und ohne Straßentransporte auswerten. Zum Ermitteln der Erntegewichte stand uns auf dem Betrieb eine geeichte Brückenwaage zur Verfügung.

Das Gras vom Häcksler und vom Ladewagen haben wir in zwei parallelen Mieten einsiliert. Der Fahrer des Walzschleppers legte den Haufen so an, dass die Transportfahrzeuge in zwei Überfahrten eine gleichmäßige Schicht ausbringen konnten. Die Rundballen wurden auf dem Schlag...

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Redaktion Betriebsleitung, Geld, Steuern, Recht

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Diskussionen zum Artikel

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von Siegfried Mantel

Schade um den Vergleich

Wenn man so einen Vergleich fährt, müsste man schon auch eine Spitzenpresse verwenden sonstigen das ganze von der Futterqualität wenn man in der Beurteilung schreibt das die Schnittlänge ein Problem ist dann müsste man eigentlich eine Göweil G1F125 verwenden dann hätte man 30 Messern und keine 17 wie in der Steinzeit, denn die alte RP 220 Profi von billiger hatte ja schon 23 Messer, und wenn man einen richtigen Ladewagen dazu nehmen will dann muss man schon einen Pöttinger wählen um eine entsprechend qualitative Ladeleistung zu haben. Alles in allem ist aber ganz klar wenn man jetzt noch eine wesentlich bessere Rundballenpresse einsetzt dann ist dem letzten hoffentlich klar der Pi mal Daumen zwischen 150 und 200 Kühen melkt, das alles andere als Pressen, Schwachsinn ist, vor allen Dingen dann wenn man noch Luzerne verarbeiten will was für den Profi Milchviehhalter von absoluter Notwendigkeit ist. Weiterer Faktor ist zu berücksichtigen das sind die Lehren eines Betriebes mit 250 Kühen bei mir in der Nähe, dass dann wenn man eben nicht alles Schnur eben hat, sondern Berg und Tal, d. h. Südhänge, Nordhänge und Tallagen, dann spielt der weitere Vorteil für die Presse der Schnittzeitpunkt, weil man dann relativ gelassen die Qualitäten zu unterschiedlichen Terminen ernten kann, ohne geringen Stress, man muss davon ausgehen dass Deutschland zu zwei Dritteln aus Hügeln und Bergen besteht und die norddeutsche Tiefebene nicht das Maß der Dinge darstellt, so viel würde ich mir von objektiver Betrachtung der Dinge erwarten dass ein Journalist und ein Testteam diese Dinge auch werdet.

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