Technikneuheiten

Hersteller wollen Bandspritzung in Reihenkulturen wieder populär machen

Die Behandlung von Bändern in Reihenkulturen ist an sich nicht neu. Aber jetzt rüsten einige Firmen ihre Anhängespritzen für diesen Einsatz auf. Wir haben uns über diese Lösungen informiert.

Bei der Bandspritzung konzentriert sich die Behandlung auf die Reihen. Damit lässt sich je nach Reihenabstand und Kultur die Hälfte der Aufwandmenge im Vergleich zur Flächenspritzung einsparen.

Trotzdem ist die Bandspritzung vor mehr als 20 Jahren aus der Mode gekommen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich:

  • Bandspritzen in Kombination mit Hackgeräten: Die Einsatzzeitpunkte passen schlecht zusammen. Beim Hacken soll es am besten sonnig und windig sein, beim Spritzen bedeckt und windstill.
  • Schlagkraft: Klassische Solo-Bandspritzgeräte bieten im Vergleich zu den heutigen Feldspritzen deutlich weniger Flächenleistung und Komfort. Eine Doppelmechanisierung mit zwei Geräten mit großer Arbeitsbreite ist oft nicht sinnvoll. Dazu kommt der zusätzliche Aufwand für die Geräteprüfung.

Ein neuer Ansatz ist deshalb, Anhängespritzen oder Selbstfahrer für die Reihenbehandlung aufzurüsten. Auf der Agritechnica stellten z. B. Amazone, Dammann und Horsch-Leeb dazu Lösungen vor. Wir haben uns mit diesen Firmen sowie mit dem Düsenspezialisten Lechler und mit dem Experten für Pflanzenschutztechnik der LWK NRW, Harald Kramer, über das Thema unterhalten.

Spritzen und Hacken

Ein klassischer Einsatzbereich der Bandspritzung ist die Unkrautbekämpfung in Reihenkulturen – Herbizid in der Reihe, mechanische Maßnahmen zwischen den Reihen. Es gibt zudem Ansätze, auch Insektizide, z. B. in Rüben oder Pflanzkartoffeln, oder Fungizide auf die Reihen zu konzentrieren – vor allem bei frühen Behandlungen.

Der Effekt liegt auf der Hand: Anstatt das Mittel flächig auszubringen und gerade in den jungen Beständen zwangsläufig auch den unbewachsenen Boden zu treffen, konzentriert sich die Behandlung nur auf die Kulturpflanzen. Die mögliche Mitteleinsparung hängt dann von dem Reihenabstand ab.

Amazone z. B. gibt eine mögliche Einsparung bei 50-cm-Reihen von 40 bis 50 %, bei 75er-Abstand von 50 bis 65 % an. Diese Einsparungen sind ein wichtiges Element, die erwarteten Vorgaben zur Reduktion des Pflanzenschutzmittel-Einsatzes zu erreichen.

Die Lösungen der Firmen bieten teils die Möglichkeit, ohne große Umbauten zwischen Flächen- und Bandbehandlung zu wechseln, was besonders bei der Unkrautbekämpfung mehr Flexibilität bringt: Sind die Einsatzbedingungen für den Hackeneinsatz günstig, arbeitet man auf dem Großteil der Fläche mechanisch.

In schwierigen Jahren behandelt man die gesamte Fläche. Auch in Keilen, wo die Hacke passen muss, wechselt der Fahrer auf die flächige Behandlung. Damit sich der Effekt zur Reduktion des Mitteleinsatzes in der Bilanz niederschlägt, sollten nicht einzelne Jahre, sondern längere Zeiträume (z. B. fünf Jahre) bilanziert werden.

Automatisch umschalten

Für den einfachen Wechsel zwischen Band- und Flächenspritzung sind Mehrfachdüsen- Stöcke notwendig – oder die Spritze wird mit einer zweiten Bandspritzleitung ausgestattet. Unter anderem Amazone setzt auf die vierfachen, automatisch geschalteten Mehrfachdüsenstöcke AmaSelect, bei denen dann z. B. ein oder zwei Ausgänge mit Bandspritzdüsen bestückt werden.

Am Rechner kann der Fahrer zwischen Flächen- und Reihenapplikation wechseln. Vorher muss er im Programm natürlich die jeweiligen Düsen, die Reihenabstände und die Ausbringhöhe hinterlegen.

Interessant ist auch die Integration der Bandspritzung in das Befüllmenü. Das Programm rechnet auch für die Bandspritzung die notwendige Füllmenge pro ha hoch. Die Anforderungen an die Düse unterscheiden sich deutlich von der Flächenspritzung, bei der sich die Düsen deutlich überlappen. Also einfach die entsprechenden Düsen zwischen den Reihen abschalten und so Bänder behandeln, funktioniert nicht.

Eine Bandspritzdüse hat im Vergleich zur Flächendüse einen deutlich kleineren Winkel und bringt über ihre gesamte Breite die gleiche Menge aus. Der übliche Winkel liegt 30 ° bis 40 °. Bei einem Gestängeabstand von +– 40 cm über den Bestand ist das Band dann bei 30 ° z. B. 20 bis 25 cm breit. Damit ergibt sich an beiden Seiten eine leichte Überlappung mit den Hackwerkzeugen.

Damit die Bandbreite passt, ist eine präzise Höhenführung des Gestänges wichtig. Ist das Gestänge zu hoch, wird der Ausbringbereich breiter, die Konzentration nimmt ab. Ein zu niedriger Abstand macht das Band schmaler. Es trifft dann vielleicht nicht mehr und die Konzentration auf der Fläche steigt.

Die bisherigen Bandspritzdüsen sind windempfindlich – es gelten die entsprechenden Abstandsauflagen. Wind erhöht nicht nur die Abdrift, sondern geht auch auf Kosten der Zielgenauigkeit. Lechler arbeitet derzeit an einer neuen Düsenbaureihe speziell für den Bandeinsatz. Der Hersteller strebt für die schmalwinkligen, driftstabilen Bandspritzdüsen eine JKI-Anerkennung inklusive der Abdriftminderung in hohen Klassen an.

Aber nicht nur in puncto Ausbringhöhe ist die Bandspritzung Präzisionsarbeit. Die Düse muss natürlich genau über der Reihe arbeiten. 50 und 75 cm Reihenabstand lassen sich über einen Düsenabstand von 25 cm abdecken. Horsch-Leeb bietet diesen Abstand ohnehin als optionale Ausstattung an. Amazone hat bei AmaSelect Row ein Anbauteil für den Vierfach-Düsenstock entwickelt.

Der sogenannte Verlagerungssatz wird an zwei der vier Düsenpositionen angeschlossen und verlegt den Abgabepunkt jeweils 25 cm nach links und nach rechts. Bei 50 cm Abstand der Düsenstöcke ergibt das dann einen möglichen 25-cm-Abstand der Bandspritzdüsen. Der Computer steuert für die entsprechenden Reihen-Abstände die jeweiligen Düsen an. Gleichzeitig bleibt mit den anderen Düsen die Flächenspritzung möglich.

Etwas umständlicher wird es bei dem klassischen 45er- Abstand der Rüben. Hier gibt es teils spezielle Umbausätze zum Verlegen der Düsen. Teils entscheiden sich die Betriebe auch – aus mehreren Gründen – auf einen 50er-Abstand zu wechseln. Darauf muss dann natürlich auch die Hack- und Erntetechnik abgestimmt sein.

Kamerasystem

Ein Kamerasystem oder RTK verschiebt das Gestänge und hält die Düse so über der Reihe. (Bildquelle: Pressebild)

Automatisch lenken

Der richtige Reihenabstand garantiert nicht automatisch, dass die Spritzen ihre Bandspritzdüsen exakt mittig über die Reihen führen. Schon 10 cm daneben ist zu viel. Ein Ansatz ist, die aufgezeichneten RTKSpuren vom Drillen auch beim Spritzen zu nutzen. Wenn die Antenne dabei auf dem Schlepper sitzt, ist der Abstand bis zur Düse groß. Vor allem am Hang oder in Kurven kann es dann zu Abweichungen kommen. Hier sind aktive Systeme im Vorteil.

Dammann hat auf der Agritechnica 2019 die „Reihenspezifische Düsenpositionierung RSD“ vorgestellt. Kern ist eine Seitenverschiebung des Gestänges. Zum Start der Arbeit werden die Düsen manuell genau über den Reihen positioniert. Bei der Arbeit steuern entweder ein Kamerasystem aktiv, bzw. das RTK über die aufgezeichneten Spuren vom Drillen das Gestänge und gleichen so Abweichungen aus. Das System steht laut Dammann kurz vor der Markteinführung, letzte Tests laufen aktuell.

Auch von Horsch-Leeb kommt ein Ansatz, die Spritze wie eine Präzisionshacke per Kamera- System zu steuern. Der hydraulische Steuerimpuls geht dann nicht an einen Verschieberahmen, sondern regelt die Achsschenkellenkung der Feldspritze. Keine Frage, mit der Bandspritzung lassen sich erhebliche Aufwandmengen einsparen. Einfacher und günstiger wird der Spritzeneinsatz dadurch allerdings nicht.


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