Studie

Noch großes Sparpotential beim Kraftstoffverbrauch in der Landtechnik

Verknüpfte Arbeitsprozesse, Digitalisierung, Leichtbau und ein exaktes Motormanagement können bis 2030 für Kraftstoffeinsparungen zwischen 35 % und 40 % im Vergleich zum Referenzjahr 1990 sorgen

In der landwirtschaftlichen Produktionskette bietet die Landtechnik noch erhebliches Potential zur Senkung der Klimaemissionen. Dies zeigt das groß angelegte Forschungsprojekt „Effiziente Kraftstoffnutzung in der Agrartechnik - EKoTech“ zur Kraftstoffeffizienz in der Agrartechnik, das der Fachverband Landtechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) vorgestellt hat.

Verbandsgeschäftsführer Dr. Bernd Scherer hatte zuvor festgestellt, dass Landmaschinen und Traktoren in Deutschland gerade einmal 0,7 % der CO2-Gesamtemissionen ausmachten. Dennoch sehe sich die Branche klar in der Verantwortung, einen qualifizierten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Laut Scherer hat die Landtechnikindustrie hinsichtlich der Motoreneffizienz an vielen Stellen bereits das Maximum des technisch Möglichen erreicht. Die Zukunft der Kraftstoffeinsparung werde daher in der Gesamtmaschinenoptimierung und vor allem im Produktionsprozess gesehen.

In dem vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekt ist es nach Angaben des VDMA einem Konsortium aus Industrie, Wissenschaft und Verbänden gelungen, herstellerübergreifend nachzuweisen, dass innovative Maschinen in Kombination mit intelligenter Prozesssteuerung und modernen Bedienkonzepten - bezogen auf den Ertrag - mit einer deutlich geringeren Menge an Diesel auskommen als herkömmliche Verfahren.

Arbeitsprozesse kombinieren

Wie der Vorsitzende des Projektkonsortiums, Dr. Eberhard Nacke, ausführte, können verknüpfte Arbeitsprozesse, die Digitalisierung, der Leichtbau und ein exaktes Motormanagement bis zum Jahr 2030 für Kraftstoffeinsparungen zwischen 35 % und 40 % im Vergleich zum Referenzjahr 1990 sorgen. Damit bewege sich die Landtechnikindustrie auf einem Effizienzpfad, der den klimapolitischen Vorgaben in Europa gerecht werde.

Im Rahmen des Projekts wurden laut VDMA 17 ausgewählte Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland und Europa unter die Lupe genommen und entlang ihrer Prozesskette für die Produktion von Weizen, Mais und Grünfutter untersucht. Außerdem seien mehr als 100 Experteninterviews durchgeführt und mehr als 2 500 Prüfberichte über den Einsatz von Agrartechnik ausgewertet worden, um Daten für ein mathematisches Simulationsmodell zur Treibstoffeinsparung zu gewinnen.

Hierbei habe sich unter anderem gezeigt, dass die Kombination von Grundbodenbearbeitung und Aussaat die besten Ergebnisse liefere. Alternative Kraftstoffe und Antriebe, Fahrassistenzsysteme sowie ein intelligentes Maschinen- und Datenmanagement böten zusätzliche Möglichkeiten für eine weitergehende Optimierung der landtechnischen CO2-Bilanz, heißt es in dem Projektbericht.

Anreize nötig

Damit innovative Technik- und Prozessideen möglichst bald in die breite Anwendung überführt werden können, hält der VDMA flankierende politische Maßnahmen auf Ebene der Europäischen Union für unverzichtbar. „Anreizeffekte gehören zu den erprobten Instrumenten, um umweltschonende Technologien marktfähig zu machen“, erklärte Scherer. Nach seinen Worten braucht die Landtechnikbranche jetzt vor allem Investitionsanreize für klimafreundliche Landmaschinen und Traktoren, eine konsequente CO2-Bepreisung und Technologieoffenheit, damit „sich die besten Ideen im Wettbewerb durchsetzen können“.

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