Weltpremiere

Steyr zeigt auf Agritechnica Studie zum Traktor von morgen

Welche Anforderungen muss ein Traktor künftig erfüllen? Das neue Steyr Konzept zeigt mögliche Antworten auf, wie einen Hybridantrieb, also ein Verbrenner mit E-Motoren kombiniert, funktioniert.

Auf der Agritechnica hat die österreichische Traktorenmarke Steyr in Kooperation mit der Konzernschwester FPT Industrial erstmalig eine umfassende Projektstudie zur Zukunft im Traktorenbau präsentiert. Die Ingenieure haben hierzu den Steyr Konzept entwickelt, der innovative Technologien in bisher einzigartiger Weise miteinander verbindet und so ein umweltschonendes, aber gleichzeitig effizientes und vor allem funktionales Traktorkonzept bietet.

Herzstück ist ein modularer Hybrid-Elektro-Antrieb, bestehend aus einem Verbrennungsmotor, einem Generator und mehreren Elektromotoren, die individuell angesteuert werden können und dadurch Energie dorthin liefern, wo diese gerade benötigt wird. Beim Konzepttraktor setzt Steyr auf einen leistungsfähigen 4-Zylinder FPT Diesel-Motor. Durch die Auswahl dieser Komponenten wird ein kompaktes Fahrzeugdesign realisiert und eine optimale Übersicht ermöglicht.

Die Fahrzeugarchitektur erlaubt smarte Lösungen wie Allradlenkung oder ein fortschrittliches Federungskonzept. Dem Landwirt sollen sich dadurch in Zukunft zahlreiche Vorteile, wie erhöhter Fahrkomfort, mehr Flexibilität und Einsatzmöglichkeiten, sowie eine unerreichte Performance auf dem Feld und auf der Straße bieten, erklärt die Firma.

Hybrid Technologie

Alle Elektromotoren sind im Steyr Konzept so miteinander vernetzt, dass die Kraft immer dort eingesetzt wird, wo sie entsprechend der Einsatzsituation benötigt wird. Ein eTorque-Boost, gespeist aus einer zentralen Batterie, liefert bei Leistungsspitzen zusätzlich Energie. Resultat dieses Systems sei ein hocheffizienter Elektro-Stufenlos-Antrieb, heißt es. Ein mechanisches Getriebe sowie hydraulische Komponenten im Antriebsstrang würden somit überflüssig. Dies sorge für weniger bewegte Teile, einen optimalen Energiefluss sowie geringere Kraft- und Energieverluste.

Traktorhydraulik und Zapfwelle werden elektrisch angetrieben, Letztere erlaubt sowohl variable Drehzahlen als auch reversieren. Für elektrifizierte Anbaugeräte stehen 700V und 48V Anschlüsse zur Verfügung. Ein weiterer Vorteil der Elektromotoren ist die Möglichkeit der Rückgewinnung und Speicherung von Energie, beispielsweise bei Bergabfahrten. Das Laden an der Steckdose ist ebenfalls möglich, erklärten die Mitarbeiter auf der Agritechnica.

Elektrische Radnabenmotoren für Einzelradantrieb

Der intelligente Allradantrieb des Konzepttraktors sorge für optimale Leistungsübertragung, heißt es weiter. Je nach Bedarf werden die vier Elektro-Radnabenmotoren mit Energie von der Batterie oder dem Generator versorgt. Die individuelle Ansteuerung würde so eine hohe Traktion und präzises Lenkverhalten ermöglichen.

Steyr Konzept (Bildquelle: Deter)

Doppelte Null-Emission-Fahrt

Im rein elektrischen Betrieb sei mit dem Steyr Konzept eine Null-Emission-Fahrt möglich, sowohl in Bezug auf Abgas- als auch auf Lärmbelastung. Ob landwirtschaftlich oder kommunal, der Traktor könne in umweltsensiblen Bereichen, wie etwa innerorts, nahe von Wohngebieten sowie in Stallanlagen oder Gewächshäusern problemlos eingesetzt werden.

Das besondere Fahrverhalten soll sich deutlich durch das sofort verfügbare Drehmoment ändern und zeige sich in einem direkten Ansprechverhalten. Eine Verlagerung des Schwerpunktes näher zum Boden sorge dabei für mehr Stabilität, während Allrad-Lenkung und individuelle Radgeschwindigkeiten einen engeren Wendekreis erlauben. Die geringe Geräuschbelastung und die Einzelrad-Federung des Fahrzeugs brächten zusätzlichen Komfort. Das neue Kabinenkonzept, mit großzügigen Glasflächen und integrierten Kameras, schafft gute Rundumsicht und somit mehr Sicherheit.

Funktionsschema (Bildquelle: Deter)

Precision Farming neu gedacht

Auch in Bezug auf die Precision Farming Ausstattung soll der Steyr Konzept neue Lösungsansätze zeigen. Eine mit Pflanzen-Sensoren ausgestattete Drohne, die beim Feldeinsatz dem Traktor voranfliegt, liefert Daten in Echtzeit.

Erstmalig kommt bei diesem Konzepttraktor ein digitales Farm-Office zum Einsatz, dass Farm Management vom Traktor aus zulässt und sich über ein integriertes Display in der rechten Seitenscheibe bedienen lässt. Ein nach vorne gerichtetes Head-Up-Display projiziert alle wichtigen Fahrzeuginformationen in das Sichtfeld des Fahrers.

Das neue Antriebskonzept Cursor X von Fiat Power Train (FPT) kann so angepasst werden, dass es für jede Kundenanwendung geeignet ist, unabhängig davon, ob diese auf der Verbrennung von Erdgas oder der Erzeugung von elektrischer Energie durch Brennstoffzellen-Technologie oder Batterie-Technologie setzt. (Bildquelle: Deter)

Das neue Antriebskonzept ist genauso groß wie ein herkömmlicher Verbrennungsmotor, verfügt aber über einen modularen Aufbau. Dadurch werden die Montage, der Einbau und die Wartung vereinfacht und eine volle Skalierbarkeit ermöglicht. Dank seiner Modularität kann der neue Antrieb mit verschiedenen Motoren von FPT Industrial kombiniert werden und genügt den unterschiedlichsten Leistungsanforderungen. Darüber hinaus können Antrieb und Motor auch als Komplettlösung oder aber als Bausatz geliefert werden. (Bildquelle: Deter)

Impulse für die nächsten Traktoren-Generationen

„Mit der präsentierten Studie blickt Steyr in die Zukunft des Traktorenbaus. Der Steyr Konzept erlaubt uns technische Möglichkeiten neu zu denken, um Komfort, Effizienz und Nachhaltigkeit auf neue Weise miteinander zu vereinen", sagt Christian Huber, Vize Präsident Globales Traktor Produktmanagement.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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