Seminar

Wo lohnt die Digitalisierung?

Das Horsch Seminar fand in diesem Jahr im März statt. Wir haben die wichtigsten Aussagen der Redner zusammengefasst. Es haben Wilfried Hartl (Bio Forschung Austria), Michael Horsch, Patrick Ole Noack (Hochschule Triesdorf), Max Stürzer (Landwirt) und Karl Heinz Mann (LBB Göttingen) Vorträge gehalten.

Jedes Jahr bietet Horsch ein Seminar für Landwirte an. Dabei gibt meist einen Themenschwerpunkt, um den sich mehrere Vorträge drehen. Die Überschrift des diesjährigen Seminars am 14. März war „Digitalisierung- Ein Kassensturz“. Zudem war der Zwischenfruchtanbau in einem weiteren Vortrag Thema. An dem Seminar kann jeder teilnehmen. Die Teilnahmegebühr betrug in diesem Jahr 30€. Wir stellen Ihnen die wichtigsten und interessantesten Aussagen vor.

Zwischenfrüchte richtig wählen

Dr. Wilfried Hartl erklärte anschaulich die Zwischenfruchtversuche aus Österreich. (Bildquelle: Florian Tastowe)

Als erster Redner stellte Wilfried Hartl die Ergebnisse seines Forschungsinstituts Bio Forschung aus Österreich vor. Dabei stellte er heraus, dass ein ordentlicher Ackerbau nicht ohne Tiere möglich sei. Dabei müssen aber nicht unbedingt Nutztiere den Dünger liefern. Es können auch die Bodenlebewesen Pflanzenreste in wieder verwertbare Nährstoffe für die Kulturpflanze umwandeln. Dazu muss aber der Zwischenfruchtanbau passen. Seit 1992 erproben die Forscher verschiedene Verfahren ganz ohne Dünger tierischer Herkunft, aber häufig mit Kompost. Eine ganz klare Aussage traf Wilfried Hartl zu Senf als Zwischenfrucht: „Senf nutzen die Menschen zur Desinfizierung. Den Boden möchten wir aber nicht desinfizieren. Der Boden braucht Bodenorganismen“.

Eine wichtige Erkenntnis war zudem, dass es kein Patentrezept für eine Zwischenfruchtmischung gibt. Für jeden Boden und der folgenden Frucht muss man die richtige Mischung auswählen. Besonders sollten auch tiefwurzelnde Pflanzen in der Mischung enthalten sein, um Poren im Boden zu bilden. Maschinen können kein Porenvolumen bilden, war eine der Aussagen von Wilfried Hartl.

Alles digitalisieren?

Patrick Ole Noack gab eine Übersicht über die digitalen Technologien. (Bildquelle: Florian Tastowe)

Michael Horsch brachte dann einen Impulsvortrag und Einstieg in die Digitalisierung. Dabei ging er zuerst nicht auf die digitalen Technologien ein, sondern sprach über die Rahmenbedingungen­–sowie politisch als auch gesellschaftlich. Michael Horsch sprach dabei Themen wie Glyphosat, rückgängiger Zuckerkonsum, Volkbegehren Bienensterben, Erreichung der technischen Grenzen im Maschinenbau und pfluglosen Ackerbau an.

Beim Thema Digitalisierung machte Michael Horsch schon zu Anfang Eingeständnisse. „Es ist nicht alles zielführend gewesen, was wir verkauft haben“, gab er zu, „Es macht keinen Sinn, Maschinen mit zu vielen Sensoren auszustatten, wenn sie dadurch anfälliger für Reparaturen werden und die Einsatzbereitschaft sinkt.“ Erfolgreiche digitale Lösungen sind meistens die, die von Praktikern entwickelt worden seien. Von dem Prescription Farming (Landwirtschaft nach Rezept) hält der Firmenteilhaber nur wenig. Der Landwirt muss nach seinen Erfahrungen und Wissen handeln, nicht wie irgendein Programm es vorgibt. In Betriebsauswertungen von Ackerbaubetrieben sei zu sehen, dass der betriebswirtschaftliche Erfolg nicht im Zusammenhang mit dem Digitalisierungsgrad des Betriebes steht. In der Tierhaltung sehe das aber anders aus.

Der Säwagen kann auf dem Feld autonom arbeiten. Ein Lkw bringt ihm zum Acker. (Bildquelle: Florian Tastowe)

Michael Horsch sieht die Digitalisierung besonders wichtig für die Rückverfolgbarkeit von Produkten. Man könnte dem Kunden zeigen, dass das Produkt aus Deutschland kommt und nicht importiert wurde. Weiter Chance ist die Automatisierung von Prozessen. Das kann dem Landwirt Zeit sparen für die eigentliche Arbeit. Dem Bonitieren der Böden und Pflanzen. Der Unternehmer stellte dafür seine Vision autonomer Fahrzeuge auf dem Feld vor: Bei einfachen Arbeitsgängen erledigt ein Großer Roboter auf dem Feld die Aussaat, Bodenbearbeitung oder den Pflanzenschutz. Ein Lkw bringt diesen Roboter mit zum Feld und stellt nötige Saatgut oder Spritzmittel zur Verfügung. Das Mähdreschen sieht Michael Horsch nicht für eine vollständige Automatisierung geeignet. Hier gibt es zu viele äußere Störungen, die nur ein Mensch beheben kann.

Digitale Bandbreite

Landwirt Max Stürzer erzählte über seine Erfahrungen im Ackerbau, insbesondere bei der teilflächenspezifischen Bewirtschaftung. (Bildquelle: Florian Tastowe)

Patrick Ole Noack von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf gab anschließend einen Überblick über die unterschiedlichen digitalen Produkte auf dem Markt.

Momentan haben sich besonders Lenksysteme und Teilbreitenschaltungen im Markt etabliert. Diese Systeme sind recht leicht zu verstehen und ihre Auswirkungen schnell zu sehen. Auch Isobus-Geräte setzen sich momentan weiter durch. Auch hier ist der Nutzen zu sehen: kein weiterer Bildschirm, kein Kabel verlegen, Einbindung von GPS-Signal und Schlepperparameter.

Als weiteren Punkt erklärte Ole Noak die Teilflächenspezifische Bewirtschaftung. Damals auf kleinen Betrieben konnte der Drescher-Fahrer direkt sagen, wo das Getreide gut stand. Im nächsten Frühjahr wusste er so, wo er mehr Dünger streuen konnte. Da die Flächenausstattungen der Betriebe immer größer wird und meist nicht mehr der Landwirt selbst auf der Maschine sitzt, fehlen solche Erkenntnisse. Diese versuchen digitale Helfer wieder zu generieren.

Das geschieht z.B. mit Messungen der elektrischen Leitfähigkeit, Ertragskarten, satellitengestützte Biomassekarten, Bodenproben und N-Sensoren. Eine hohe Effizienzsteigerung sprach der Professor der Gewannebewirtschaftung zu, bei der mehrere Landwirte ihre Äcker zusammenlegen. Durch die digitale Vermessung und Abwicklung der Kosten pro Fläche könnte später jeder Landwirt genau entlohnt werden. Aufgrund der geringeren Kosten und gegebenenfalls höheren Erträge, würde der Gewinn steigen.

Was ist wirklich in der Praxis?

Karl Heinz Mann betrachtet die Digitalisierung vor allem aus der betriebswirtschaftlichen Sicht. (Bildquelle: Florian Tastowe)

Landwirt Max Stürzer betreibt hauptsächlich Ackerbau. Er beschäftigte sich schon früh mit Ertragskarten und der positionsbestimmten Boden Beprobung. Sein Vater erstellte schon 1982 erste Nährstoffkarten. Ertragskarten kamen 1998 hinzu. Diese waren aber sehr schwer zu deuten. Für den Landwirt ist der Boden der Schlüssel zur Deutung der Unterschiede. Er begann deshalb die Unterschiede des Bodens mit einer Messung der elektrischen Leitfähigkeit herauszufinden. Mit diesen Karten konnte er seine Ausbringmengen der Spritze steuern. Mehr ging zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Mit der Einführung von Lenksystemen und Isobus-Steuerungen vereinfachte sich auch die teilflächenspezifische Bewirtschaftung. Seit 2010 fährt Stürzer nur noch auf vorher geplanten Spuren. Das bringt ihm eine große Zeitersparnis und weniger Fahrspuren im Acker.

Nicht alles lohnt sich

Karl Heinz Mann von der LBB Göttingen verband die neuen Technologien mit Zahlen aus der Beratung. Auch er stellte heraus, dass der betriebswirtschaftliche Erfolg nicht mit den digitalen Systemen auf dem Betrieb zusammenhängt. Für den N-Sensor gibt es beispielsweise keine verlässlichen Daten, ob diese einen Mehrwert haben. Es fehlen hier unabhängige Vergleiche. In den Betriebsauswertungen ist seiner Aussage darüber kein Unterschied zu sehen. Auf größeren Ackerbaubetrieben hingegen lohnt z.B. ein Lenksystem und Maschinensteuerungen für Spritzen und Düngerstreuer. Ein Flottenmanagement ist aber nur noch für Großbetriebe und Lohnunternehmer interessant.

Karl Heinz Mann sieht besonders in der Vereinfachung der Büroarbeit mit Hilfe von Ackerschlagkarteien großes Potential. Hier könnte sich der Arbeitszeitbedarf zumindest langfristig senken lassen.

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Artikel geschrieben von

Florian Tastowe

Redakteur Landtechnik

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