Debatte um Schutzstatus-Aufweichung

Tirol: Demo für Wolfsabschüsse

Die Schadrisse werden immer mehr, die Almbauern sind verzweifelt. Um auf das Wolfsproblem aufmerksam zu machen, organisierte der Bauernbund eine Demo samt Mahnmarsch durch Innsbruck. In der Nacht davor fand ein Massaker unter Schafen auf einer Tiroler Alm statt.

Dutzende Schafsrisse in den vergangenen Wochen führten bereits im Vorfeld der Demonstration zu einer aufgeheizten Debatte über den Umgang mit Wolf und Bär auf den Almen. Die Situation habe „ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr hingenommen werden kann“, hieß es vom Bauernbund, der zur Demonstration aufgerufen hatte.

Die Demonstration startete am Samstag mit Kundgebungen am Innsbrucker Landhausplatz. Anschließend gab es einen Mahnmarsch durch die Innsbrucker Innenstadt. Angemeldet wurde die Demonstration für 500 Personen. Laut Polizei nahmen 2.200 Menschen daran teil, laut Veranstaltern waren es rund 3.000, berichtete der ORF Tirol.

Die Demonstration richtete sich vor allem an die Stadtbevölkerung. Mit der Demo sollte laut Bauernbund der Druck erhöht und die Aufklärung der nichtbäuerlichen Bevölkerung verstärkt werden.

Schafe nur einer Woche auf der Alm

Fast wie auf Bestellung wütete höchstwahrscheinlich ein Wolf auf der Rotwandalm in Westendorf. 16 gerissene Schafe, davon fünf die notgeschlachtet werden mussten und weitere drei schwer verletzte Tiere, die mittels Hubschrauber ins Tal geflogen wurden und 12 noch vermisste Tiere – so die traurige Bilanz.

„Wir haben uns natürlich sofort auf den Weg gemacht, um die Alm abzusuchen. Insgesamt ca. 20 Schafbauern und freiwillige Helfer entdeckten dann nach und nach das Massaker, das mit allergrößter Wahrscheinlichkeit ein Wolf angerichtet hat“, schilderte Peter Pirchl, Ortsbauernobmann aus Westendorf.

Die Westendorfer Schafbauern setzten den einzig möglichen Schritt, um ihre Schafe zu schützen und trieben den Rest der ursprünglich 170 Schafe umfassenden Herde ins Tal – nur eine Woche nachdem sie sie hinaufgebracht haben. „Wir stellen uns natürlich alle die Frage, wie es jetzt weitergehen kann. Unsere Alm ist extrem exponiert und steil und damit definitiv nicht für Herdenschutz geeignet. Wenn wir zurück auf die Alm sollen, muss der Wolf weg. Sonst, so fürchte ich stark, sperren die Bauern ihre Stalltüren bald ganz zu“, schließt Pirchl.

Tirol will Wolf-Problem nun aktiver angehen

Betroffen von der Nachricht über das massive Rissgeschehen und dem damit verbundene Almabtrieb war auch LK-Präsident und Obamnn des Vereins Alm ohne Wolf Josef Hechenberger: „Fast 20 Risse in nur einer Nacht. Wenn man hier nicht vom Angriff eines Problemwolfs sprechen kann, dann weiß ich auch nicht mehr. Und dennoch sind wir nach wie vor machtlos. Dabei ist eines klar: Mit jedem Tag, wo wir mitunter genau für solche Situationen keine praxistaugliche Lösung, sprich die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen schnellen und unbürokratischen Abschuss haben, verlieren wir bäuerliche Betriebe, verlieren wir gepflegte Alm- und Weideflächen. Und zwar nicht nur für ein paar Monate oder Jahre – bis auch die Wolfsromantiker einsehen, dass es Abschüsse braucht – sondern für immer. Denn ist die Stalltüre erst einmal zu und die Almfläche verbuscht, gibt es nur in den allerwenigsten Fällen einen Weg zurück“, fand Hechenberger klare Worte.

Bekanntlich hat die schwarz-grüne Landesregierung angekündigt, den Umgang mit großen Beutegreifern in Tirol neu regeln zu wollen. Das Tiroler Jagdgesetz und das Almschutzgesetz sollen mittels Dringlichkeitsantrag geändert werden.

Um eine fachliche Entscheidungsgrundlage zu erhalten, soll zudem das gesamte Tiroler Almgebiet auf seine Eignung für Herdenschutzmaßnahmen hin überprüft und entsprechend kategorisiert werden.

Parlament: Wolfsthema erneut vertagt

Auch im Parlament sind Wolf, Bär und Co. Dauerthema. Während der ehemalige Salzburger LK-Präsident und Abg.z.NR Franz Leonhard Eßl letzte Woche im Landwirtschaftsausschuss die genaue Definition des Terminus "Problemwolf" einforderte - und die Regierungsfraktionen ÖVP und Grüne das Wolfsthema daraufhin erneut vertagten -, dürfte ÖVP-Klubobmann August Wöginger den Ernst der Lage eher begriffen haben. Dieser forderte tags darauf in der Kronen Zeitung ultimativ: "Der Wolf muss weg!"

Auch ÖVP-Agrarsprecher und Abg.z.NR DI Georg Strasser sprach sich für Wolfsentnahmen in jenen Gebieten aus, wo dies notwendig erscheint. Eine Koexistenz zwischen dem großen Beutegreifer Wolf und der Almwirtschaft sei nur dann machbar, wenn Problemwölfe rasch entnommen werden dürfen, heißt es in seiner schriftlichen Aussendung.

Endlich Nägel mit Köpfen sehen will die FPÖ. „Seit zwei Jahren bringen wir im Parlament Anträge zur Reduktion des Schutzstatus des Wolfes ein, aber diese Anträge wurden immer wieder von der ÖVP abgelehnt. Am kommenden Mittwoch werden wir im Nationalrat eine weitere Nagelprobe für die ÖVP machen und werden unseren Antrag zur ‚Änderung des Wolfschutzstatus‘ durch die Rückstufung von Anhang 4 auf Anhang 5 in der FFH-Richtlinie‘ wieder einbringent“, kündigten deren Tourismussprecher Mag. Gerald Hauser und Agrarsprecher Peter Schmiedlechner an.


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