Welche Früchte folgen?

Weite Fruchtfolgen haben Vorteile, sind aber nicht immer leicht zu gestalten. Der Beitrag gibt einen Überblick und nimmt Sie mit in die Kulturen.

Fachwissen Pflanzenbau

Teil 17 von 24

▶Fruchtfolgen gestalten

Unsere Autoren

Dr. Ute Kropf, Fachhochschule Kiel und Prof. Dr. Hansgeorg Schönberger, N.U. Agrar GmbH

Der regelmäßige Wechsel zwischen Blattfrucht und Halmfrucht, Sommer- und Winterkultur galt einmal als „Goldene Regel“ der Fruchtfolgegestaltung (siehe Teil 15 in Ausgabe 4/2022). Heute gewinnt sie wieder an Bedeutung, denn die Probleme im Ackerbau nehmen zu. Langjährig spezialisierte Fruchtfolgen mit nur zwei oder drei Früchten geraten an ihre Grenzen:

  • In winterungsbetonten Fruchtfolgen setzt sich zunehmend Ackerfuchsschwanz durch.
  • In eng benachbarten Winterrapsbeständen nehmen die Schädlinge im Herbst seit dem Wegfall der Neonikotinoid-Beizen überhand. Das gilt auch für Virusvektoren in Rüben und Kartoffeln.
  • In reinen Ackerbaubetrieben fehlen organische Dünger aus der Viehhaltung. In der Folge werden die Mikroorganismen im Boden träge und schränken ihre Tätigkeit ein.
  • Die phytosanitären Vorteile des Feldfutterbaus sind in den letzten Jahrzehnten entfallen.
  • Die Resistenzentwicklung von Unkräutern, Schädlingen und Krankheiten gegen Pflanzenschutzmittel nimmt zu und der Wegfall von Pflanzenschutzwirkstoffen beschleunigt sich.

Daher rückt die Fruchtfolgegestaltung künftig noch mehr in den Fokus. Das gilt umso mehr, wenn auch Sortenresistenzen z.B. gegen Mehltau oder Roste zu wackeln beginnen.

Fruchtfolge als Lösung?

Nicht der einzige aber ein wichtiger Baustein werden noch weitere gestellte Fruchtfolgen sein (siehe Kommentar auf Seite 77). Bei der Wahl der Kulturenfolge spielt deren Anfälligkeit für Krankheiten und Schaderregern eine zentrale Rolle.

Während Sojabohnen, Roggen, Weißklee und – bei guter ackerbaulicher Praxis (Humusersatz) – auch Silomais als selbstverträglich gelten und einmalig nacheinander angebaut werden können, erfordern fast allen anderen Kulturen einen mehr oder weniger langen Anbauabstand. Nur so vermeiden Sie, bodenbürtige Schadorganismen anzuhäufen. Eine Reihe von Krankheiten und Schädlingen bleibt aber nicht auf die Arten innerhalb einer Familie begrenzt. So werden z.B. neben Kreuzblütlern (Raps, Senf, Kohl) auch Korbblütler (Sonnenblumen) und Leguminosen (v.a. Ackerbohnen, Soja) von Sklerotinia befallen.

Neben zu geringen Anbauabständen spielen auch mildere und kürzer werdende Winter eine Rolle. In Zusammenhang mit dem bis dato politisch vorgegebenen Zwischenfruchtanbau verlängern sie die Vegetationszeit und schaffen die bekannte Grüne Brücke für Krankheiten und Schädlinge. Dass Zwischenfrüchte in der phytosanitären Wirkung wie Hauptfrüchte einzustufen sind und sich damit die Anbauabstände für die Hauptfrüchte verlängern, ist aus dem Ökolandbau bekannt.

Hinzu kommt: Nicht jede Kultur wächst auf jedem Standort. Das schränkt die Artenwahl vor allem auf den kühleren norddeutschen Standorten oder auf sehr leichten (Roggen-)Standorten stark ein.

Nachfolgend stellen wir vor, welche Anbaupausen man für verschiedene Kulturen einhalten sollte und erklären die Gründe dafür. Unter der Zusatzinfo „Fruchtfolgen“ ab Seite 78 finden Sie einige Vorschläge für ertragsstabilere Fruchtfolgen. ▶

Getreide

Anteile begrenzen

Bislang dominieren Getreidearten viele Fruchtfolgen. Roggen kann durch sein hohes allelopathisches Potenzial auf leichten Standorten mehrjährig in Selbstfolge stehen – vorausgesetzt, das Bodenleben wird durch regelmäßige organische Düngung in Gang gehalten. Andernfalls beenden über kurz oder lang wandernde Nematoden, Mosaikvirosen oder der Besatz mit Mutterkorn diesen Monoanbau.

Alle anderen Getreidearten (außer Hafer und Mais) sollten zusammen maximal 60% einer Fruchtfolge ausmachen. Nur so lassen sich Schwarzbeinigkeit, Typhula, Verzwergungs- bzw. Mosaikvirosen und Ungräser in Schach halten. Zudem beschränkt man damit den Anteil an Ernterückständen mit weitem C:N-Verhältnis (vorübergehend verringerte N-Mineralisation).

Neben Weizen – Durum und Dinkel sind ebenso zu beurteilen – hat der Anbau unterschiedlicher Arten Vorteile: Hybridgerste verlängert das Saatfenster der Wintergerste in die zweite Oktoberdekade und kann auch nach früh räumendem Mais stehen. Hybridroggen ist die ertragreichste und -stabilste Kultur (Körner- und GPS-Nutzung) auch auf besseren Standorten bis 60 Bodenpunkte. Sommerhafer gilt als Gesundungsfrucht, sollte aber dennoch zu sich selbst und zu anderen Sommergetreidearten vier Jahre Anbauabstand haben. Dies vermeidet, dass Zystennematoden (Heterodera avenae) aufkommen. Auf wintermilden Standorten nutzt Winterhafer die Winterniederschläge besser aus.

Vorsicht gilt auf Standorten, die mit Typhula-Sklerotien durchsetzt oder durch vektorübertragene Verzwergungsvirosen gefährdet sind: Verzichten Sie in diesen Fällen möglichst auf Gräserkomponenten in der Zwischenfrucht!

Durchaus selbstverträglich sind Silomais und Energiemais bei guter Bewirtschaftungspraxis und Rückführung organischer Dünger. Bei Körnermais und CCM werden dagegen die großen Ernterückstandsmengen und der Fusariumbefall zum Problem. In Süddeutschland begrenzen Maiszünsler und Maiswurzelbohrer den Fruchtfolgeanteil von Körnermais auf höchstens 50%.

Raps

Keine Kreuzblütler als Zwischenfrüchte!

Kreuzblütler wie Raps, Kohlarten, Senf oder Ölrettich sind anfällig gegenüber Kohlhernie, Sklerotinia und Verticillium. Kohlhernie und Verticillium können im Boden viele Jahre überdauern und sich auch an kreuzblütigen Unkräutern (z.B. Ackersenf, Hirtentäschel, Hederich, Rauken) vermehren. Zwischenfruchtmischungen enthalten oft Senf, Ölrettich oder Meliorationsrettich. Im Raps- und Kohlanbau sind diese Mischungen tabu.

Korbblütler wie Sonnenblume, Ramtillkraut,...

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