Zikaden auf dem Vormarsch

Gegen Zikaden als Krankheitsüberträger scheint nichts zu helfen. Doch es gibt Hoffnung, den Rübenanbau in den betroffenen Regionen dennoch zu erhalten.

Sie hat sich von Südwesten ausgebreitet und ist auf inzwischen 40000 ha in Deutschland zu finden: die SBR-Krankheit, kurz für „Syndrome Basses Richesses“. Dieses „Syndrom verringerter Zuckergehalte“ verursacht (meist flächig) vergilbte Rübenfelder, verminderte Mengenerträge und um bis zu 40% verringerte Zuckergehalte. Es gefährdet den Rübenanbau massiv.

Von Zikaden übertragen

Die SBR-Krankheit wird hauptsächlich durch spezielle Bakterien (Proteobakterien) ausgelöst. Für eine erfolgreiche Infektion benötigen die Bakterien allerdings Überträger (Vektoren). Für SBR ist dies vor allem die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus). Im Gegensatz zu anderen Schadinsekten handelt es sich hierbei nicht um einen „neuen“ oder eingeschleppten Schädling. Die Zikadenart wurde schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts in der natürlichen Umgebung unserer Breiten beobachtet, z.B. an Schilf. Neu ist allerdings, dass sie die Zuckerrübe als bevorzugte Nahrungsquelle für sich entdeckt hat – das ist Teil einer evolutionären Entwicklung: Die Tiere, die sich auf die Zuckerrübe spezialisiert haben, besitzen einen selektiven Vorteil. Sie vermehren sich an ihrer Nahrungsquelle besser.

Ab dem Frühsommer fliegen die ausgewachsenen Zikaden in die Rüben. Dort saugen sie an den Stängeln und Blättern und übertragen dabei die SBR-Bakterien. Diese wiederum verstopfen allmählich die Leitbahnen in der Rübe, die für den Transport des Zuckers entscheidend sind. Erste Symptome sind schmale lanzettliche Herzblätter. Schneidet man die Rübe auf, sind im Rübenkörper verbräunte Leitbündel sichtbar. Die schwerwiegenden Folgen sieht man erst im Spätsommer: vergilbte Rübenflächen. Leidet der Bestand hingegen unter der verbreiteten Virösen Vergilbung, die durch Blattläuse übertragen wird, zeigen sich diese Vergilbungen nur nesterweise.

Auf Fruchtfolge spezialisiert

Dass die Schilf-Glasflügelzikade auch sehr erfolgreich an die Fruchtfolge Zuckerrübe/Winterweizen angepasst ist, erweist sich als weiterer evolutionärer Vorteil. Die erwachsenen Zikaden saugen im Sommer an den Rübenblättern und legen ihre Eier im Wurzelbereich ab. Sind die Jungstadien (Nymphen) geschlüpft, ernähren sie sich von den Rübenwurzeln. Der dann folgende Weizen auf der Fläche dient den im Boden befindlichen Nymphen als Winterwirt. Dort überwintern sie unterirdisch an den Wurzeln, die Adulten fliegen im Mai in die nächstgelegenen Rübenfelder.

Es ist eine Frage der Zeit, bis sich die klimatischen Bedingungen so geändert haben, dass sich Schilf-Glasflügelzikaden auch auf große Gebiete des europäischen Anbaus verbreiten. Bis dahin wird es gelingen müssen, alle nötigen Antworten zum optimalen Management der Zikaden zu kennen. Nur so lässt sich der Rübenanbau in den betroffenen Regionen auch langfristig sichern.

NIKIZ: Zusammen Mit der Praxis gegen Zikaden

Doch wie hält man nun Zikaden in Schach und bewältigt die Folgen der SBR-Erkrankung? Um diese Antworten zu erhalten, gehen Praxis, Beratung und Forschung in mehreren Projekten und Forschungsverbünden neue Wege. Zunächst hat sich 2019 das Projekt für Nachhaltiges Insekten- und Krankheitsmanagement im Zuckerrübenanbau der Zukunft (NIKIZ) entwickelt. Es ist Teil der Forschungsgemeinschaft Zuckerrübe Südwest (siehe Kasten auf Seite 62) und als Projekt der Europäischen Innovationspartnerschaft Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-Agri) mit ca. 1,5 Mio. € ausgestattet. Zudem fördern es die EU und das Land Rheinland-Pfalz, vertreten durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, im Rahmen des Entwicklungsprogramms EULLE.

Am Projekt beteiligt sind u.a. 15 landwirtschaftliche Betriebe. Sie prüfen unter der Leitung des...

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