Brandenburg

Bauernbund: "Regierung lenkt vom Ausverkauf der Landwirtschaft ab"

Der Flächenausverkauf an Investoren geht in Ostedeutschland unvermindert weiter, beklagt der Bauernbund Brandenburg. Den Versprechen der Regierung glaubt er nicht.

Als "Schaumschlägerei" hat der Bauernbund Brandenburg die Ankündigung des Staatssekretärs im Bundeslandwirtschaftsministerium Onko Aeikens bezeichnet, dem Ausverkauf der ostdeutschen Landwirtschaft mit Änderungen im Bodenrecht begegnen zu wollen.

"Erstens sind die rechtlichen Spielräume beim Grundstücksverkehr äußerst gering und zweitens kündigt Aeikens das schon an, seit er Staatssektretär in Sachsen-Anhalt war, ohne dass sich etwas geändert hätte", beklagt Bauernbund-Vorstand Jens Gerloff, Landwirt aus Teetz in der Prignitz: "Langsam gewinnt man den Eindruck, die Bundesregierung wolle mit ihrer Fokussierung auf das Bodenrecht nur davon ablenken, dass sie mit den Direktzahlungen ein hochwirksames Mittel in der Hand hätte, um überregionale Investoren auszubremsen." Der Bauernbund fordert seit langem, die Direktzahlungen zu kappen und daran zu koppeln, dass sich die Betriebe im Eigentum ortsansässiger Landwirte befinden.

Allein in der Prignitz wurden in diesem Jahr bereits zwei jeweils etwa 2000 Hektar große Agrargenossenschaften an Industrielle und Spekulanten verkauft, weiß Gerloff zu berichten: "Der Run auf die Flächen geht unvermindert weiter. So lange die Agrarpolitik den Einstieg des Kapitals in ostdeutsche Agrarbetriebe bis zum letzten Hektar finanziell absichert, werden Höchstpreise geboten und die Bauern vor Ort kommen nicht zum Zuge."

Dass der Bauernverband diese Politik unterstütze, sei ein Armutszeugnis und zeige einmal mehr, in wessen Interesse er handelt. Gerloff: "Der Bauernbund vertritt jedenfalls diejenigen, die Landwirtschaft auch in Zukunft betreiben, und nicht diejenigen, die Landwirtschaft meistbietend verkaufen wollen."

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Karlheinz Gruber

@Bothe

bei Ihnen halte ich, was die Betriebe und Größen geht mit. Wir haben uns von Seiten der LDW Schule damals noch die LPGs angeschaut, ich habe beste Kontakte nach Canada uns USA, ebenso nach Ungarn und Rumänien. Und wenn Sie Großbetriebe so lieben, dann empfehle ich die in Südrumänien. Da haben sogar schon Betriebsleiter aus den neuen Bundesländern große Augen bekommen....

von Christian Bothe

Grossbetrieb

@Gruber,rechnen muss es sich und am Ende muss Gewinn in der industriellen Pflanzen-und Tierproduktion stehen, um auch ohne Subventionen wirtschaften zu können. Alles andere macht perspektivisch nicht viel Sinn, um die Menschheit ernähren zu können. Als ehemaliger VEG Direktor konnte ich die Umgestaltung der LW begleiten,war mehrfach in Wisconsin und die Grossflächenwirtschaft hat mich schon immer fasziniert ,auch wenn‘s den Milchfarmern momentan nicht so gut geht...

von Karlheinz Gruber

Herr Bothe,

ich stimme dem zu und warte auf den nächsten Artikel. Es wird die Zeit zeigen, wer mit welcher "Modernität" am Pulse der Natur liegt. Manche denken halt, modern und Groß ist das beste. Ich habe schon viele neue Errungenschaften kommen und wieder gehen sehen. Auch die LPGs der DDR.... Und viel Glück den (Konzern)Großbetrieben beim Vorverkauf der derzeitigen Ernte, weil sonst das Kapital fehlt....

von Christian Bothe

Kleinbetrieb usw.

@Gruber,ich denke wir sollten den Disput beenden, weil es die anderen Leser vielleicht langweilt. Ihre überholte Auffassungen als Bayer kann ich nicht teilen, weil sie der modernen nachhaltigen Entwicklung der LW widerspricht und nicht zukunftsweisend ist.

von Karlheinz Gruber

Herr Bothe

Zerschlagung ist kein Witz und keine Aussage. Bei uns in Bayern tägliche Realität. Wenn keiner da ist (und in unserer Größe interessiert sich kein Konzern) dann wird der Hof aufgeteilt und die Leute kaufen einzelne Flächen. Warum sollte denn das im Osten nicht genau so gehen? Vorkaufsrecht für am Ort sitzende. Geht im Osten Europas auch (Rumänien, Ungarn, usw...) Die stehen zu Ihren dort ansässigen Landwirten!! Glauben Sie, die Großbetriebe haben ein besonderes Vorrecht? Weil Konzerne im Hintergrund stehen können, die nicht wissen wohin mit den eingesparten Steuern? Ich diskutiere mit Ihnen nicht mehr über die sogenannten guten Bilanzen. Sehr viele Betriebe im Osten haben die Ernte im Frühjahr schon verkauft, bevor sie geerntet wurde, nur um an Kapital zu kommen. Warum, wenn es so gut läuft, werden eigentlich die großen so (verhältnismäßig oft) weiterverkauft? Warum sperren sie sich gegen eine Kappung? Warum ist die BVVG noch größter Grundbesitzer, wenn alles glatt abgewickelt wurde? Sie werden auch bald lernen müssen, daß die Größe nicht mit der Artenvielfalt korreliert. Da gebe ich sogar als kleiner Landwirt den Grünen Recht. Mehr Knicks (Hecken) verhindern die Bodenerosion(Bilder die Medien vor ein paar Jahren brachten), mehr Feldraine erhöhen die Artenvielfalt, usw....Leider sind dies unumstößliche Tatsachen, die wir als Landwirt auch sehen müssen und sollten. Ich kenne den Osten, aber Sie mich nicht. Das ist Ihr Problem. Ob sie die Meinung der Bayern nachvollziehen können oder nicht, ist mir genau so Wurscht als anderes herum. Größe hat nur bedingt Vorteile. Und wenn dann nur Ökonomisch und damit sehr kurz gedacht. Weil wenn die Ökologie leidet, geht der Betrieb und wir alle den Bach runter. Ihre Einstellung bringt uns alle um! Und wenn es Probleme gibt, dann quadriert sich der Nachteil. Und, das werden Sie auch noch lernen, die Deutsche Bevölkerung will es halt nicht. Punkt. Wurde uns jetzt per VB aufs Auge gedrückt. Und bei Ihnen kommt es halt etwas später....Und was Verbandsvorsitzende sagen... Ganz klar, persönliche Meinung. Meine Meinung, die auch die Großbetriebe betrifft. WEG MIT DER BÖRSE. Handel nach Fakten. Dann haben wir Bauern wieder eine Chance. Und zwar eine Reelle!!!

von Christian Bothe

Kleinbetriebe zukunftsfähig

@Gruber,Zerschlagung von Großbetrieben, das ist doch wohl ein Witz,H.Gruber.Sie sollten sich mal mehr im Osten umschauen und die Meinung der Bayern dazu kann ich als ehemaliger Vertriebsmanager auch für Franken nicht nachvollziehen.Im Übrigen hat der Präsident des Genossenschaftsverbandes neulich klar die ökonomischen Vorteile der AGs an Hand der positiven Bilanzen ausgewertet! Für mich haben nur Großbetriebe sowohl in konventioneller als auch im ökologischer Bewirtschaftung eine realistische Zukunft.

von Karlheinz Gruber

Herr Bothe

ich gebe Ihnen soweit Recht, als daß die Konzerne die Mittel haben, evtl. solche Betriebe zu bewirtschaften. Aber mit einem Blick auf die Zeit, finden sich doch etliche Parallen in der Geschichte. Die Feudalherrschaft. Und nun die Kapitalherrschaft. Und die Feudalherrschaft endete in blutigen Aufständen. Und wer Energie, Wasser und Nahrungsmittel hat, der Regiert. Energie haben wir 4 große Konzerne in der BRD. Das Wasser wird verstärkt auch versucht zu Privatisieren. Und wenn man sich die Macht der derzeitigen Wasserversorger anschaut, dann weiß man in der Ldw. wo die Fahrt hingehen wird. Auch darf nicht übersehen werden, daß mit der Automatisierung (die vor allem in den Großbetrieben stattfindet/ Roboter...) immer weniger Arbeitsplätze erforderlich sind. Und die wird kommen. Somit fällt dieses Argument schneller hinten runter. Und der Verbraucher hat bei uns in Bayern mit dem Volksbegehren unterschrieben, daß er keine großen will. Klingt auch jetzt in der BRD immer mehr an wie Pläne für neue VBs zeigen. Er will kleinstrukturiert wie sich die Umfragen lesen. Wirtschaftlichkeit steht weit hinten. Und die Umwandung von LPG s und anderen hat eben nicht so funktioniert. Viele sind in den Gerichtsverfahren nach Käufen auf der Strecke geblieben und die BVVG ist die Nachfolgerin, weil es eben noch nicht alle Flächen zurück zum ursprünglichen Eigentümer geschafft hat. Und ob die Verbraucher Ökobetriebe mit mehreren Tausenden Hektar und Tieren haben wollen, bezweifle ich doch sehr stark. Sonst könnten wir die konv. Ldw. gleich so weitermachen. Da wird ja auch immer die Größe mit angegeben. Als Massentierhalter usw... Wenn nun aber solche Großbetriebe zerschlagen würden, dann hätten viele an der Existenzrößengrenze wirtschaftenden Betriebe die Möglichkeit in den gesunden Haupterwerb zu wachsen. Dass !! sichert Arbeitsplätze!!! Denn 10 kleinere Betriebe sind auch 10 - 20 Arbeitsplätze. Das hätte auch sehr viele Ökonomische und auch ökologische Vorteile. Nicht die Riesenbetriebe. Das Thema Wirtschaftlichkeit von denen haben wir erst vor etlichen Wochen durchdiskutiert.

von Rudolf Rößle

Firmensitze

sind im Ausland noch legal erlaubt und Steuersparmodelle. So bleibt genug Geld übrig für Geldanlagen jeder Art. Mit einem Saugrüssel könnten diese "Reichen " locker alles EU- Land kaufen, wenn Ihnen danach ist und es juristisch durchgesetzt wird.

von Hermann Kamm

@ Bothe

eins darf nicht vergessen werden! und das ist das Volk. Früher waren es leibeigene, heute Agrarsklaven der Großinvestoren. Mal sehen, wie lange der Krug zum Brunnen geht bis er zerbricht.

von Christian Bothe

2.Kommentar

Trotz der vielen „Daumen nach unten“,so ist es und das wird Aeikens auch so darstellen.Alles andere ist Wunschdenken.Wer von meinen Mitkommentatoren kann die BVVG Preise oder 2000ha Betriebe kaufen oder pachten? Seien wir doch mal ehrlich, das können nur starke AGs und Investoren.Ein Bsp. ist Bio-Dennree,der einen 4000ha Betrieb mit ~1000MK gekauft hat und auch LW betreibt! Der Staat wird sich auch da raushalten, weil wir nun mal kapitalistisch Wirtschaften und Gewinnmaximierung auch in der LW an vorderster Stelle steht und nichts anderes, da können Klimatologen,Grüne,NGOs und wie sie sich alle momentan präsentieren „auf und nieder hüpfen.“

von Martin Schmidt

Es geht auch einfacher!

Das wäre eine sehr einfache Geschichte die Agrarsubventionen auf null zu setzen. Teilweise wird etwas Sozialbrache entstehen und als Rückzugsort für die Natur fungieren. Ich glaube es gibt wichtigere Baustellen als die Subventionen für die Landwirtschaft.

von Christian Bothe

Grossinvestoren

Ein schwieriges Problem, was Gerloff da anspricht. Die Frage ist doch ob der Bauernbund und dessen Mitglieder die finanzielle Kraft gehabt hätten jeweils 2000ha LN übernehmen und effektiv bewirtschaften zu können, erstmal unabhängig von den Konditionen. Wichtig ist doch das mit der Kraft der Investoren industrielle LW nachhaltig und effektiv betrieben wird und Arbeitsplätze in den ländlichen Regionen erhalten bleiben. Man sollte das also nicht nur negativ bewerten,Fördermittel hin und her. Hauptsache es wird LW betrieben ob ökologisch oder konventionell und nicht mit diesen Flächen spekuliert, meine ich. Die Umwandlung von LPG und VEG Eigentum hat ja auch funktioniert und wenn es sich nicht betriebswirtschaftlich rechnet, muss man zum Betriebserhalt andere Wege gehen, meine ich.

von Renke Renken

Die Feudal-Herren

müssen aber gut aufpassen, daß der gemeine Mob ihnen nicht irgendwann an den Kragen geht.

von Heinrich Roettger

Ackerland in Bauernhand!

Nehmen wir den Staatssekretär beim Wort. Am 14.6.19 kommt Herr Aikens zum Agrarpolitischen Tag zur NPZ nach Malchow/Poel. Im Agrarforum um 10.15 Uhr können wir ihm auf den Zahn fühlen und Stärke demonstrieren. Ich erwarte auch eine klare Haltung zum "Eigentum in Bauernhand" vom deutschen Bauernverband!

von Torsten Kremershof

Umgekehrter Trend

Bauernland in Junker Hand !!! Oder wie ein Staat Beihilfe zur Steuerhinterziehung leistet . Zur Zeit findet der größte Raubzug in der Geschichte des Kapitals statt. Umverteilung von unten nach oben ! Die Zukunft gehört den Feudal-Herren.

von Renke Renken

Ein Umdenken

in unserem Land wird erst stattfinden, wenn Hunger über das Volk reinbricht. Zur Zeit geht es nur um Geld und die Großkapitalisten müssen und wollen bedient werden

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