Schweineschlachter: Die Verfolger holen auf Premium

Der größte Schlachter Deutschlands stagniert bei den Schlachtzahlen, zeigt das ISN-Schlachthofranking. Die Verfolger des Tönnies-Konzerns holen im Kampf um den Rohstoff Schwein leicht auf, weiß ISN-Marktexperte Matthias Quaing.

Die Übernahme von Tican durch Tönnies, der Großbrand in Paderborn, die Insolvenz von Vogler und der Exportboom nach China sind nur einige der Themen, die die Schlachtbranche 2016 bewegten.

Ein weiterer Trend: Angesichts der dramatischen Rückgänge bei den deutschen Ferkelerzeugern und zahlreicher Herausforderungen, wie dem Verzicht auf die betäubungslose Ferkelkastration, sorgen sich Schlachtunternehmen zunehmend um den Rohstoff. Der Wettbewerb hat sich verschärft, dennoch konnten fast alle Unternehmen der „Top Ten“ ihre Schlachtungen steigern. Die Konzentration der Branche nimmt zu, wie das ISN-Schlachthofranking 2016 zeigt (siehe Übers. 1).

Tönnies wächst nur im Ausland:

Der Investitionsdrang des Marktführers war auch 2016 ungebrochen. Während jedoch in Deutschland mit 16,2 Mio. Schweinen erstmals in der Firmengeschichte die Schlachtungen nicht gesteigert werden konnten, stand mit der Übernahme von Tican eine weitere Internationalisierung im Fokus. Und für 2017 hat Tönnies angekündigt, die ausländischen Aktivitäten, insbesondere in Spanien und Russland, noch weiter voranzubringen:

  • In Spanien wurde bereits 2015 ein kleinerer Schlachtstandort gekauft, der nach Konzernangaben als Keimzelle für weiteres Wachstum dienen soll.
  • In Russland sei die vierzehnte Schweinemastanlage im Bau, was den Betrieb eines eigenen Fleischwerkes rechtfertige, so Tönnies.

In Deutschland hingegen seien die Zeiten des großen Wachstums vor-bei, hörte man sehr ungewohnte Worte vom Inhaber des größten deutschen Schlachtkonzerns. Hier stehen nach Unternehmensangaben Investitionen in das Umwelt- und Energiemanagement auf dem Programm. In Rheda und Sögel wurden zum Beispiel Blockheizkraftwerke installiert, um einen gewichtigen Anteil des benötigten Stroms selbst zu erzeugen.

Neben der Kostensenkung ist die weitere Automatisierung der Schlachtung Ziel von Tönnies. Arbeit sei zukünftig nicht mehr bezahlbar, so Tönnies auf der Jahrespressekonferenz in Rheda. Ein weiterer Grund dürfte die anhaltende Kritik an den Arbeitsbedingungen in der Fleischbranche sein.

Ungewöhnlich klingen auch die Stimmen zur Ebermast. Das Marktpotenzial sei mit aktuell 50000 Eberschlachtungen pro Woche weitgehend ausgereizt. Und das, obwohl einige große Discounter und Supermärkte in Deutschland seit Jahresbeginn auf kastrierte bzw. unbetäubt kastrierte Tiere für ihr Frischfleischangebot verzichten.

Bei einem stetig wachsenden Exportanteil dürfte der Vertrieb von Eberfleisch künftig an Grenzen stoßen, weshalb Tönnies für eine praktikable Kastrations-Lösung plädiert, z.B. eine Lokalanästhesie. Die Impfung gegen Ebergeruch ist für Tönnies keine Alternative. „Warum sollen wir das ...

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