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Überträger des Schmallenbergvirus identifiziert; Rus stoppt Lebendvieh-Importe

Gnitze Belgische Wissenschaftler haben den Überträger des Schmallenberg-Virus entdeckt. Wie der Spiegel berichtet, sind es die gleichen Mücken, die auch die Blauzungenkrankheit verbreitet haben. Der Erreger sei in den Gnitzen-Arten Culicoides obsoletus, C. dewulfi und C. pulicaris nachgewiesen worden

Das Virus gehört zur Gattung der Orthobunyaviren. Andere Erreger aus dieser Gruppe wie Shamonda und Akabane - oder auch der Blauzungenerreger - werden ebenfalls von Stechmücken übertragen.

In Deutschland wurde der Schmallenberg-Erreger nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) inzwischen in 980 Betrieben nachgewiesen (Siehe Karte rechts). Die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit EFSA prognostiziert laut EU-Kommission einen Rückgang der Ansteckungen bei Wiederkäuern, schreibt der Spiegel weiter. Zu erwarten sei aber, dass die Zahl der missgebildeten Kälber infolge des Virus zunächst noch steigt. Man müsse dieses Virus genau so wie andere behandeln, zusätzliche EU-Veterinärmaßnahmen seien nicht nötig.

Schmallenberg-Virus in der EU beschäftigt immer mehr Drittstaaten

Rinder Bislang 15 Drittstaaten haben wegen des Schmallenberg-Virus Handelsbeschränkungen für Zuchtmaterial und lebende Wiederkäuer aus der Europäischen Union eingeführt. Darunter ergriff allerdings lediglich Russland Maßnahmen, die von der EU als unverhältnismäßig angesehen werden.

Russland kündigte bekanntlich an, ab Dienstag dieser Woche die Einfuhr von lebenden Rindern, Schafen und Ziegen sowie Schweinen zu verbieten - obwohl Schweine nach dem derzeitigen Stand gar nicht anfällig für den Erreger sind. EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli selbst unterstrich diesen Umstand noch einmal in einem Brief an die russische Regierung.

Nach Einschätzung von EU-Diplomaten schiebt Moskau das Virusgeschehen als Begründung nur vor. Kommissionsbeamte waren Mitte vergangener Woche nach Russland gereist, um das Inkrafttreten des Importstopps noch abzuwenden - dem Vernehmen nach erfolglos. Bei den übrigen Staaten handelt es sich unter anderem um Ägypten, Algerien, Argentinien, Brasilien, Japan, Kanada, Mexiko, Marokko, die Ukraine und die USA. Die Vereinigten Staaten importieren derzeit ohnehin keine lebenden Rinder aus der EU, haben aber den Import von Sperma und Embryonen, die nach dem 1. Juni gesammelt wurden, verboten.

Derweil musste sich die EU-Kommission deutliche Kritik insbesondere von deutschen Abgeordneten gefallen lassen. In der Aussprache bekräftigten die agrarpolitischen Sprecher der Christdemokraten und der Grünen, Albert Deß und Martin Häusling, die Forderung nach einer EU-weiten Meldepflicht für Schmallenberg-Fälle. Die Bauern würden alleine gelassen, beklagte Häusling. Wenn nicht bald eine Anzeigepflicht komme, könnten die Landwirte keine Entschädigung aus EU-Töpfen erhalten. (ad/AgE)