[11.05.2011]
Aigner warnte jedoch gleichzeitig vor überhöhten Erwartungen. Zwar gebe es bei vielen Erzeugerpreisen einen stabilen Trend nach oben, gleichzeitig aber seien an den Agrarmärkten starke Preisschwankungen zu verzeichnen. Zudem sei damit zu rechnen, dass die Produktionskosten der Unternehmen aufgrund der höheren Futtermittelkosten und des hohen Ölpreises steigen. "Damit wird am Ende der Einkommenseffekt nicht so hoch ausfallen wie wir uns das wünschen", sagte Aigner. Auch die durch anhaltende Trockenheit getrübten Ernteprognosen bereiten vielen Landwirten Sorgen.
Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte in Deutschland waren nach einem kontinuierlichen Anstieg 2009 um rund 27 % zurückgegangen. Für 2010 zeichnet sich nach vorläufigen Schätzungen aber wieder ein deutlicher Anstieg von 20 % ab. Je nach betriebswirtschaftlicher Ausrichtung und Produktionskapazitäten gab es jedoch deutliche Unterschiede: Die Ackerbaubetriebe mussten nach dem Spitzenjahr 2008/09 im Wirtschaftsjahr 2009/10 aufgrund stark gesunkener Getreidepreise einen Gewinnrückgang von fast 25 % hinnehmen. Die Milchbetriebe verzeichneten bisher nicht gekannte Einkommensschwankungen mit aktuell positiver Tendenz.
Im Jahr 2010 gab es in Deutschland nach den vorläufigen Ergebnissen der Landwirtschaftszählung rund 300.700 landwirtschaftliche Betriebe. Im Vergleich zur vorangegangenen Agrarstrukturerhebung 2007 ging die Zahl der Betriebe um rund 20.900 zurück. Das entspricht einer jährlichen Abnahmerate von 2,2 %. In Deutschland waren damit im Jahr 2010 rund 1,1 Mio. Menschen haupt- oder nebenberuflich in der Landwirtschaft tätig. Gegenüber 2007 ist ihre Zahl weiter zurückgegangen, die jährliche Abnahmerate lag jedoch bei weniger als 2 % und damit etwas niedriger als im Durchschnitt früherer Jahre.
Zusammen mit den vor- und nachgelagerten Bereichen hat die Landwirtschaft in Deutschland 2009 eine Bruttowertschöpfung von rund 140 Mrd. Euro erzielt, das sind rund 6,5 % der Wertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche. Der deutsche Agrarexport hat 2010 nach dem Einschnitt durch die Finanzkrise sein langfristiges Wachstum fortgesetzt. Jeden vierten Euro erlöst die Ernährungswirtschaft auf Auslandsmärkten.
Der DBV begrüßt, dass die Bundesregierung mit dem Agrarbericht die zunehmende Bedeutung der betrieblichen Risikoabsicherung anerkennt, da infolge der Reformen der EU-Agrarpolitik die Preisschwankungen auf den Agrarmärkten deutlich zugenommen haben. Zwar weise der Agrarbericht auf funktionsfähige Warenterminmärkte hin, doch findet die Einführung von Instrumenten wie einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage keine Erwähnung.
In der nationalen Politik will die Bundesregierung die Agrarsozialpolitik weiter verbessern und „zukunftsfest machen“. Dies unterstützt der DBV uneingeschränkt. Als Schritt in die richtige Richtung wertet der DBV auch die Ankündigung der Bundesregierung, die von der Wirtschaft für 2018 angestrebte Beendigung der „Ferkelkastration“ auf EU-Ebene im Rahmen einer „europäischen Partnerschaft“ zu unterstützen. Doch bei den tierschutzpolitischen Vorhaben der Bundesregierung sei der angekündigte „Ausstieg aus der Kleingruppenhaltung“ nicht der richtige Weg.
(ad)
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