Agrarbündnis Bayern greift Bauernverband an
[08.02.2012]
Bäuerlicher Hof (Foto: www.agrarbuendnis.de)
Als unhaltbare Polemik und Blockadepolitik bezeichnet das Agrarbündnis Bayern die Aussagen des bayerischen Bauernverbandes, dass intensive Bewirtschaftung und Agrarexporte aus Europa nötig sind, um den Hunger in der Welt zu verringern.
„Die Landwirtschaft muss nicht intensiver werden, sondern wieder bäuerlicher und damit nachhaltiger und tier- und standortgerechter“, so Hubert Weiger, Landesvorsitzender beim Bund Naturschutz, zur Argumentation des Bauernverbandes, die er als „Attacke auf die Gesetzesvorschläge der EU-Kommission“ versteht. Nach wie vor habe Europa ein Agrarhandelsdefizit und nehme mehr Flächen in armen Ländern für Futtermittelanbau und Energiepflanzenimporte in Anspruch, als es in Form von Lebensmittellieferungen wieder zurückgibt.
„Menschen leiden deshalb an Hunger und Mangelernährung, weil ihnen der Zugang zu Ressourcen fehlt. So können sie weder selbst genügend produzieren, noch sich Nahrungsmittel kaufen“, ergänzt Marlies Olberz von der Menschenrechtsorganisation FIAN.
Dem pflichtet auch Angela Müller von der kirchlichen Organisation Mission EineWelt bei: „Wir haben genug! Die weltweite Getreidemenge würde für 12 Mrd. Menschen reichen, doch es wird nur knapp die Hälfte direkt verzehrt. Der Rest wird als Futtermittel, Energie- oder Industrierohstoff verwendet.“ Ihrer Meinung nach kann die Ernährung der Hungernden vor Ort durch die bäuerliche Bevölkerung funktionieren.
AbL
Der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) liegt besonders eine leistungsgerechte Bezahlung bäuerlicher Arbeit am Herzen. „Bäuerliche Betriebe erzeugen regionale Lebensmittel, bewahren ökologisch wertvolle Landschaften, bauen tiergerechte Ställe, erhalten geschlossene Nährstoffkreisläufe und lebenswerte Bauerndörfer“, so Josef Schmid von der AbL. Diese Leistungen für die Gesellschaft könnten nur durch die Arbeit von Bäuerinnen und Bauern erbracht werden. Eine weitere Industrialisierung der Landwirtschaft ersetze Menschen durch Maschinen, erzeuge anonyme Massenware, maschinengerechte Agrarsteppen, verursache Futtermittelimporte, Massentierhaltung, Belastung des Grundwassers und letztendlich sterbende Dörfer und Schlafsiedlungen, so der Landwirt.
Manfred Gilch vom BDM spricht sich für eine Umorientierung der gesamten Agrarpolitik aus. Anstatt immer weiter auf die weltweite Wettbewerbsfähigkeit durch kostengünstigste Produktionsverfahren zu setzen, sollte die Agrarpolitik Werte wie Nachhaltigkeit und Vitalität der ländlichen Räume an erste Stelle setzen.
Die vom Bauernverband erhobenen Vorwürfe, die EU fordere Flächenstilllegung, bewerten die im Agrarbündnis zusammengeschlossenen Organisationen ganz klar als Verfälschung der Kommissionsvorschläge. „Wir brauchen ökologische Vorrangflächen, den Schutz unserer Wiesen und Weiden und einen Stopp von Monokulturen, um ein weiteres Bienen- und Insektensterben aufzuhalten, und die bayerische Kulturlandschaft in Ihrer Vielfalt auch für die Gesellschaft zu erhalten“, so BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner abschließend. (ad)
Leserkommentare
Aus der Kirche austreten
[08.02.2012]
Wenn man den Unsinn so liest, die kirchliche Unterorganisationen im Landwirtschaftsbereich so von sich geben, muss sich auch als Bauer echt überlegen, aus diesem Verein auszutreten. Kirchliche Unterorganisationen murksen seit Jahrzehnten mit Milliarden an Spenden- und Steuergeldern erfolglos in der Entwicklungshilfe herum. Heute hungern nicht weniger, sondern mehr Menschen, trotz der supertollen Kirchenvertreter, die da in den Entwicklungsländern herumspazieren. Also die bekommen von mir ganz sicher kein Geld mehr! Bei den heutigen Rohstoffpreisen müssten die Bauern in diesen Ländern eigentlich sehr gut produzieren und auch Geld verdienen können. Aber wie war es schön früher in der Absprache Staat/Kirche: Halt du sie dumm, ich halt sie arm!
von agroalf
[08.02.2012]
Nehmen wir mal an wir führen es so durch wie das sog.Agrarbündinis fordert.Das führt zu einem weiteren Kampf um Fläche.Der Selbstversorgungsgrad gehrt auf 100% event.sogar darunter zurück.Das führt wieder zu Importen aus der EU bzw.aus Drittländern.In diesem Länder führt es zu massiven Preissteigerungen,große Teile der Bevölkerung kann sich die Lebensmittel nicht mehr leisten was unweigerlich zu Hungersnöten führt.Lassen wir die Produktionsmethoden wie sie sie sind.Runter mit dem Nawarrobonus,weg mit Flächenzahlungen.Nur ein Abbau der Flächenzahlungen.nur so kommen wir aus dem Dilemma raus. An BDM ihr seits nur noch der landwirtscahftliche Arm der Grünen.Ihr vertritts nur noch Bio-Landwirte.Schämts Euch.
von werni
[08.02.2012]
Mein Gott, das is ja mal wieder die volle Breitseite Schwachsinn. Wieso klick ich eigentlich noch auf solche Artikel...
von chrisman#001
Durch Blockadehaltung wurde Bauernverband angreifbar
[08.02.2012]
Wo ist das Problem, wenn aus den eigenen Reihen berechtigte Kritik kommt? Die GAP Reform ist noch zu beeinflussen. Tun wirs doch. Blockieren aus Ideologichen Gründen geht nicht, lieber Bauernverband. Deshalb ist Kritik schon gerechtfertigt!
von Realist79
Die "Wahrheit"...
[08.02.2012]
... liegt wohl irgendwo dazwischen. Weder ökonomische noch ökologische Spinnerei sind zielführend. Was fehlt sind Vernunft und gesunder Menschenverstand.
von sebontch
Wer von freiem Markt redet sollte wissen wie er wirklich funktioniert, Subventionen verfälschen alles
[08.02.2012]
Natürlich ist unsere Agrarpolitik komplette Planwirtschaft. Nur was wir gerade erleben ist die Steigerung der politischen Planwirtschaft, hin zu einer Konzernplanwirtschaft. Diejenigen die vom freiem Markt reden sind dieselben Leute, die sich z.B. dafür einsetzen einem Herrn Rothkötter über 6 Mio. EUR Fördermittel für einen neuen Geflügelschlachthof hintenreinzupusten oder einem Theo Müller eine Molkerei schenken. Was hat das mit freiem Markt zu tun? Subventionen gehören in einem freien Markt allesamt weg. Nichts anderes ist es mit der Quotenabschaffung, wo politische Planwirtschaft nun ebenfalls zum Mengendiktat der Molkereikonzerne verkommt nach dem Motto: „Wir nehmen alle Milch auf“ ihr dummen Bauern habt dafür die Kosten zu tragen.
von helmut_ehrlicher
Unschlüssiges
[08.02.2012]
auch in den Kommentaren hier. Der eine beklagt eine (nicht weiter begründete bzw erklärte) Gefahr der Planwirtschaft, der nächste schlägt genau das vor. Planwirtschaft durch Geburtenkontrolle, in dem die Kirche endlich das Thema Verhütung aufgreifen soll. Dabei fallen beide genau in diese unhaltbare Polemik, die in dem Artikel angeklagt wird. Denn sachliche Argumente scheinen sie nicht zu haben, sonst könnte man ganz ruhig und sachlich eine andere Darstellung schildern. Tut man aber nicht. Das Bild zum Artikel ist da übrigens auch nicht hilfreich. Das soll also laut Bild-Untertitel ein "Bäuerlicher Hof" sein? Milchkannen draussen an der Wand und die Holzleiter zum fensterln vor der Tür? Ein Bärendienst für unsere Landwirtschaft! Dankeschön!
von detmarkleensang
Genau meine Meinung!
[08.02.2012]
Selten sowas in sich unschlüssiges gelesen. Aber leider glaubt´s die breite Masse. Und dass die Kirche einmal mehr quer schiesst ist Hohn und Spott. Die sollen mal vor der eigenen Haustüre kehren (Verhütung usw.) Das würde helfen gegen Hunger in der Welt.
von lerche
Blödsinn
[08.02.2012]
Das ist ja die Aufforderung zurück zur real existierenden Planwirtschaft, die übrigens im Osten in verschiedenen Ländern gescheitert ist. Wer will denn bitteschön festlegen welche externen Leistungen so bezahlt werden, dass Betriebe in der Produktion bleiben deren Kosten deutlich zu hoch und deren Ressourcenmanagement suboptimal ist. Schaut man sich die Gewinnunterschiede zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Betrieben an, dann kann doch wirklich niemand behaupten dass es Sinn macht alle in der Produktion zu halten. Tiergerechte Ställe? Gerade kleine Sauenhalter werden doch bis zum 1.1.2013 aufgeben weil sie die Gruppenhaltung kostenmäßig nicht stemmen können..Die Anbindehaltung bei den Kühen wird auch abgeschschafft werden.....
von landfuerst
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