Bundesregierung stur beim EU-Haushalt

[29.06.2012]


Ilse Aigner Ilse Aigner am Donnerstag vor der Presse Die Bundesregierung hält weiter strikt daran fest, dass der von der Kommission vorgeschlagene EU-Haushaltsrahmen 2020 zu hoch bemessen ist. Berlin will hier niedrigere Haushaltsansätze, um als Nettozahler weniger Geld nach Brüssel überweisen zu müssen. „Das geht, ohne beim Geld für die EU-Agrarpolitik kürzen zu müssen“, betonte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner gestern beim Bauerntag in Fürstenfeldbruck. Man müsse nur die geplanten hohen Steigerungen in anderen Haushaltsbereichen begrenzen. Explizit nannte die Ministerin den Forschungsbereich, der nach den Plänen der Kommission wesentlich mehr Mittel bekommen soll, als in der aktuellen Förderperiode bis 2013.

Indes scheint Berlin in dieser Frage einen wichtigen Verbündeten verloren zu haben. Die neue französische Regierung ist wesentlich offener für die Brüsseler Vorschläge als die Sarkozy-Regierung es war. Offenbar befürchtet Paris ansonsten auch Kürzungen im Agrarbereich. „Wir können in der EU nicht weniger für die Landwirtschaft tun, wenn gleichzeitig Brasilien, China und Russland ihre Aktivitäten intensivieren“, sagte Eric Allain, Generaldirektor im französischen Landwirtschaftsministerium.

Auch DBV-Präsident Joachim Rukwied machte deutlich, dass für ihn die Stabilität des EU-Agrarhaushalts in der 1. und 2. Säule oberste Priorität hat. Er kritisierte die Aussagen der Bundesregierung, dass der EU-Haushalt 1,0 % des Bruttoinlandsprodukts nicht überschreiten dürfe und dies auch nicht verhandelbar sei. „Das können wir nicht akzeptieren, denn das würde den gesamten EU-Haushalt mit seinen wachsenden Aufgaben in eine Schieflage zu Lasten der Landwirtschaft bringen.“

In den anderen zentralen Fragen der Agrarreform wie Greening, Kappung und Bürokratieabbau steht die Ministerin dagegen eng an der Seite des Bauernverbands. Sie warte auf neue Vorschläge der Kommission, sagte Aigner. „Ich höre immer, die Kommission sei beim Greening flexibel und wolle Ausnahmeregelungen vorschlagen. Offiziell auf den Tisch gelegt hat sie aber noch nichts. (lsp)  

Leserkommentare

1 Kommentar(e)
  • Aigner: "Ich höre immer, die Kommission sei beim Greening flexibel und wolle Ausnahmeregelungen vorschlagen."

    [29.06.2012]

    Die Vorschläge waren ja auch als Diskussionsgrundlage gedacht. Aigner und der DBV als neu geführter "Einheitsverband" sperren sich aber gegen jede Diskussion und lehnen immer nur alles rundweg ab. Wieso machen die nicht mal Vorschläge zur Flexiblität und für Ausnahmeregelungen, die auf den EU-Vorschlägen aufbauen? Das ist Aigners größtes Problem: sie schiebt die Schuld immer auf andere. Wie auch bei GVO, wo nun die Bundesländer entscheiden sollen, obwohl Aigner als Bundeslandwirtschafts- und Verbraucherministerin einen deutlichen Auftrag von 83% der Bevölkerung sowie von allen landwirtschaftlichen Interessenvertretungen erhalten hat, die grüne Gentechnik ablehnen. Frau Aigner muss sich schon selbst einbringen und mal etwas Rückgrat zeigen!

    von detmarkleensang

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