"Europa muss dringend mehr produzieren!"

[22.08.2011]


Paolo de Castro Angesichts steigender Ansprüche an Biomasse und Nahrung vom Acker fordert der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses im Europaparlament, Paolo de Castro, den Blickwinkel in der Agrarpolitik der EU neben der Qualität wieder verstärkt auf die zu produzierende Menge zu legen. „Auf den internationalen Märkten wird es künftig möglicherweise nicht mehr genügend Lebensmittel geben“, warnte der ehemalige Landwirtschaftsminister Italiens gegenüber dem Pressedienst Agra Europe. Die Importabhängigkeit Europas von zahlreichen Rohstoffen auf den Agrarmärkten sieht er daher als Schwäche.

Im Sinne kräftiger Produktionssteigerungen befürwortet der Agrarwissenschaftler, der einst an der Universität von Bologna lehrte, mehr Offenheit der Europäer gegenüber dem Fortschritt, nicht zuletzt gegenüber der Grünen Gentechnik. Dass er selbst als Agrarminister Italiens vor rund zehn Jahren ein Moratorium gegen die Gentechnik durchsetzte, begründet das Mitglied der Fraktion der Sozialisten im Europaparlament damit, dass seinerzeit der Markt von großen Konzernen beherrscht gewesen sei. Heute hingegen könnten auch Mittelständler mit neuen Biotechnologie-Produkten an den Markt kommen.

US-Agrarpolitik begrüßt

Wegen der erwarteten verstärkten Preisschwankungen an den Märkten befürwortet de Castro künftig neue agrarpolitische Instrumente, so zum Risikomanagement der Landwirte. Der Italiener ist ein Befürworter bestimmter Elemente der US-Agrarpolitik, so der antizyklischen Zahlungen, die greifen, wenn die Marktpreise niedrig sind. Im europäischen Kontext hält er solche Instrumente für sinnvoll, um die Flucht von Bauern aus der Agrarproduktion zu verhindern.

Einen ersten Ansatz für solche Instrumente sieht er in dem für 2014 bis 2020 geplanten Marktkrisenmechanismus zugunsten der Landwirtschaft, der mit 3,5 Mrd. Euro ausgestattet sein soll, also 500 Mio Euro pro Jahr. Für die Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) warnt er vor neuer Bürokratie und kündigt an, auch künftig solle es nur eine, europaweit geltende, Cross-Compliance-Regelung geben. (AgE)
 

Leserkommentare

7 Kommentar(e)
  • Wozu mehr produzieren?

    [23.08.2011]

    30 % der Nahrungmittel in Europa werden weggeworfen, Nahrungsmittel die überwiegend intensiv produziert wurden mit einem Aufwand von 11 fossilen Kallorien für 1 Nahrungskallorie (Weltagrarbericht). Dass die Gentechnik kein problemlöser ist, sondern im Gegenteil mehr Probleme schafft, wie z. B. multiresistente Unkräuter stört Herrn de Castro anscheinend nicht - oder ist es ihm egal? Das vordringlichsrte Ziel der Agro-Konzerne ist Saatgut so zu verändern dass es nur noch einmal keimt, also kein Nachbau mehr möglich ist. Wie hilf- phantasie- und einfallslos solche Politiker wie Herr Paolo de Castro doch sind!

    von kellerhof

  • Überlegt handeln,kritisch sein , nicht alle Versprechen glauben

    [22.08.2011]

    Da spricht mal wieder jemand der nicht gut informiert ist. Wenn der Herr Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses mal über den großen Teich sehen würde , wüßte er das die Agro-Gentechnik von Monsanto und Co. nicht das hält was seit 16 Jahren immer wieder versprochen wird.Wir täten in Europa gut daran uns nicht von diesen Versprechen einlullen zu lassen.

    von paulin

  • gezielte Provokation

    [22.08.2011]

    ich möchte jetzt einmal, zugegeben sehr provokativ , behaupten: Wir Bauern könnten für den Doppelzenter Weizen 50 € bekommen oder noch mehr, dass würde nichts daran ändern, dass es erfolgreiche und weniger erfolgreiche Betriebe gibt. Die Pachten würden steigen, die Landmaschinenindustrie würde sehr gut verdienen und alle anderen im vor, neben und nachgelagerten Wirtschaftsbereich auch. Der Durchschnittslandwirt wird wahrscheinlich nur minimal seinen Lebensstandart steigern können. Wenn dem so wäre, könnte man auch nicht mit geringen Mengen und höheren Preisen für mehr Lebensstandart der Bauern argumentieren. Zugegeben sehr provokativ, aber wir Bauern sind halt keine Kaufleute.

    von landfuerst

  • Augenwischerei

    [22.08.2011]

    Vor 10 Jahren wurde die grüne Gentechnik von großen Konzernen beherrscht und jetzt plötzlich könnte auch der Mittelstand punkten? Was will dieser Herr mit seiner Augenwischerei? Nur weil geschickt einige "kleinunternehmen aufgebaút wurden? Die unter dem Vorwand, irgendwelche Forschungen zu betreiben ohne allerdings Forschungsergebnisse zu liefern, gewaltige Subventionen abgreifen. Und sie gehören genauso zu den altbekannten Seilschaften, die auch vor 10 Jahren bereits bestanden und massiv versuchen, die EU für sich zu vereinnahmen.

    von Doris Peitinger

  • Der völlig falsche Weg - leider,

    [22.08.2011]

    denn wir Landwirte bekommen nur dann angemessene Preise für unsere Produkte, wenn die Menge, die wir herstellen, knapp gehalten wird. Der Aufruf von Paolo de Castro ist wieder nur eine Maßnahme, die dazu führen soll, durch hohe Produktionsmengen die Preise für die Verbraucher niedrig zu halten.

    von fendt924#001

  • [22.08.2011]

    Absolut korrekt.Deswegen: Weg frei für GVO!!

    von schwoldi

  • [22.08.2011]

    Gutmenschen wie Herr Remmel und und andere interessiert der Hunger in der Welt doch nicht. Sie wollen lieber Ökolandbau fördern, bei dem suboptimal mit den Ressourcen umgegangen wird. Nach dem Motto: Rettet die Frösche in Deutschland, was gehen uns die Hungernden im Rest der Welt an? Es bedarf einer Grundsatzdiskussion, ob wir uns Extensivierungen langfristig noch moralisch und ethisch leisten können. Vor allem wenn wir auf Atomernergie verzichten wollen, was ja keiner ernsthaft in Abrede stellt.

    von landfuerst

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