OVID will keine Belebung des Körnerleguminosenanbaus

[04.06.2012]


Sojafeld Sojafeld: Deutschland soll nach Ansicht einiger Politiker weg von der Sojaabhängigkeit. Die Ölsaatenindustrie steht einer Förderung und Ausweitung des Anbaus von Körnerleguminosen in Deutschland und der Europäischen Union sehr kritisch gegenüber. In einem Positionspapier zur Eiweißstrategie gibt der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) zu bedenken, dass einheimische Körnerleguminosen aufgrund fehlender ökonomischer Attraktivität nur einen marginalen Beitrag zur Versorgung mit Proteinfuttermitteln leisteten.

Sie seien trotz tierernährerischer Wertschätzung in ihrer Eiweißwertigkeit Raps- und Sojaschrot unterlegen. Eine Steigerung der Erzeugung von Körnerleguminosen müsste aufgrund begrenzter Flächen zu Lasten europäischer Hochertragskulturen gehen, wozu insbesondere Weizen und Raps zählten. Für diese Kulturen stelle Europa als vorzügliche Gunstlage die wichtigste Anbauregion mit den weltweit höchsten Flächenerträgen dar.

Soja als Eiweißfuttermittel durch Körnerleguminosen wie Futtererbsen, Ackerbohnen oder Lupinen zu ersetzen, sei weder ökonomisch sinnvoll noch ökologisch nachhaltig, resümierte der OVID-Vorsitzende Wilhelm F. Thywissen. Soja- und Rapsschrot seien in Deutschland und Europa die zwei wichtigsten Säulen der Proteinversorgung in der Tierernährung.
 
Mit dem Positionspapier reagiert OVID unter anderem auf eine vom Grünen-Europaabgeordneten Martin Häusling in Auftrag gegebene und 2011 veröffentlichte Studie mit dem Titel „Artenvielfalt statt Sojawahn“. Diese stelle eine umfassende Kritik an der Dominanz von Soja in der Fütterung dar. Dabei würden vor allem eine Renaissance des heimischen Leguminosenanbaus und gleichzeitig eine deutliche Abkehr von gängigen Verzehrsgewohnheiten durch eine radikale Minderung des Fleischkonsums gefordert, kritisiert OVID. (AgE)

Leserkommentare

1 Kommentar(e)
  • Abhängigkeiten müssen verringert werden - Leguminosenanbau ist ein Baustein für mehr Unabhängigkeit

    [04.06.2012]

    Die Industrie darf wohl ihre Wünsche äußern. Nur uns Bauern und Bürgern steht es zu über die Politik Einfluß auf solche Abhängigkeitsstrategien der Konzerne zu nehmen. Eine Selbstversorgung der Bevölkerung ist halt für Konzerne und Politik (Steuern) schlecht. Ansonsten dasselbe wie bei dezentral produzierten Strom, der muß eingespeist werden. Selbst gepresstes Rapsöl direkt zu tanken wurde auch unterbunden, es muß zugemischt werden, usw. Wir leben heute in einer Welt des Konzernkommunismus. Ein für die Bürger und Bauern funktionierender freier Markt sieht anders aus. Fakt: 1992 wurde im Blair-House-Abkommen zwischen EU und USA vereinbart, dass in der EU nicht mehr als eine Million Tonnen Sojaschrotäquivalente produziert werden darf.

    von helmut_ehrlicher

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Interessante Produkte


traktorpool