Schröder: "Wir brauchen grundlegend andere Haltungssysteme!"

[15.09.2012]


Thomas Schröder Thomas Schröder In der aktuellen top agrar-Ausgabe 10/2012 fordert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, ein grundlegend neues Tierschutzgesetz sowie Haltungssysteme, die sich nach den Tieren richten und nicht andersherum. Wir möchten nun gerne wissen, wie Sie zu dem Streitpunkt stehen. Bitte teilen Sie uns Ihre Meinung unten über die Kommentarfunktion mit. Wir freuen uns über konstruktive und faire Einträge...

Hier noch einmal der Brief von Thomas Schröder:

"Der Unterschied zwischen dem Anspruch des Grundgesetzes und der Wirklichkeit im Tierschutzgesetz ist eklatant. Eine Bestandsaufnahme zeigt: Viele landwirtschaftliche Nutztiere leiden unter der Zucht, den Haltungsformen und Manipulationen, bei Transporten und Schlachtung. Schwänze kupieren, Schnäbel kürzen sind heute die Regel, um die Tiere an die Systeme anzupassen. Nach dem Tierschutzgesetz ist das nur in Ausnahmefällen erlaubt. Hier muss sofort gehandelt werden. In tiergerechteren Haltungssystemen mit gutem Management wird schon jetzt auf nicht-kurative Eingriffe verzichtet. NEULAND ist dafür ein Beispiel.

Die Lage hat sich durch zunehmende Intensivierungen in der Tierhaltung verschärft. Deshalb brauchen wir dringend eine grundlegende Novellierung des Tierschutzgesetzes. Die von der Bundesregierung vorgelegten  Entwürfe sind unzureichend. Die dringlichen Tierschutzfragen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung bleiben unbeantwortet.

Die Frage der Wirtschaftlichkeit ist eine immens wichtige für die Landwirte und ihre Familien. Festzuhalten ist, dass immer mehr Betriebe - besonders Familienbetriebe – trotz hoher Subventionszahlungen aufgeben müssen. Ein Grund ist der Preisdruck, der durch immer größere Betriebseinheiten angetrieben wird und dem gerade die kleineren Betriebe nicht standhalten können.  „Wachsen oder weichen“ darf nicht mehr gelten. Auch deshalb  ist anderes Handeln notwendig. Der Anspruch der Öffentlichkeit  ist zudem gewachsen. Die Lösung ist daher nicht eine  „bessere“ PR-Arbeit, sondern wir brauchen grundlegende Änderungen der Haltungssysteme.

Es ist ein Irrglaube, den internationalen Wettbewerb über den Preis gewinnen zu können. Die deutschen Landwirte wären gut beraten, auf Prozessqualität zu setzen. Mehr (Tierschutz-)Qualität kann dann intensiver und von allen Beteiligten beworben werden. Dann kann daraus ein Wettbewerbsvorteil werden. Die  Bundesregierung betont gerne, wie vorbildlich der Tierschutz bei uns sei. Wer eine solche Führungsrolle beansprucht, muss diese national auch als Vorreiter belegen. Davon sind wir derzeit weit entfernt. Ein Weg zu mehr Tierschutz kann auch durch staatliche finanzielle Unterstützung begleitet werden.

Der Verbraucher wünscht nach eigenen Angaben mehr Tierschutz. Der Tierschutzbund  geht deshalb mit einem Tierschutzlabel voran, solange die politisch Verantwortlichen weiter im Nichtstun verharren. (www.tierschutzlabel.info)"

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"Wir brauchen ganz andere Ställe!" (12.9.2012)

Leserkommentare

6 Kommentar(e)
  • Nachhaltige Produktion in Wertschöpfungsketten

    [16.09.2012]

    wer ständig höhere Anforderungen an Produktionsstandards stellt muß bereit sein, in einer Wertschöpfungskette Preise umzusetzen, die auch dem Erzeuger ein ausreichendes Einkommen ermöglichen.Die Konsequenz sind sonst massive Betriebsaufgaben, wie wir dies derzeit in der Schweinehaltung erleben, vor allem bei kleineren Betrieben.Wenn NEULAND hier als positives Beispiel aufgeführt wird, ist festzustellen, dass NEULAND bisher aus der Nische auch nicht herasgekommen ist,was wohl daran liegt, dass Verbraucher nur in begrenztem Maß bereit sind, mehr für das Produkt zu bezahlen oder die Erzeuger für die Produktionsweise eben zu wenig erhalten

    von solarer

  • [15.09.2012]

    Die Politik sollte sich in einem klar sein: Deutschland ist keine Insel! Die Globalisierung macht auch vor der Landwirtschaft nicht halt. Und da müssen sich deutsche Politiker wie bei anderen Branchen auch einmal andersherum fragen, was Deutschland denn seinen Bauern bietet, damit sie weiter hier investieren. VW lässt schließlich auch in Polen produzieren, wenn es dort günstiger ist!

    von köten

  • Tierschutz...

    [15.09.2012]

    Ich möchte nicht den Tag erleben, wenn ich von einer behornten Kuh im Stall attackiert werde... Meine eigene körperliche Unversehrheit darf jawohl Priorität genießen vor dem Ziel, Tieren vermeidbares Leid zu ersparen. Alle Gurus, die jetzt fordern, man dürfe Tiere nicht an Haltungssysteme anpassen, werden wohl keine Verantwortung dafür übernehmen, wenn der erste Milchviehhalter Schaden nimmt. Außerdem stelle man sich mal die Haltung abferkelnder Sauen ohne Kastenstand vor.... Landwirtschaft nicht halt. Und da müssen sich deutsche Politiker wie bei anderen Branchen auch einmal andersherum fragen, was Deutschland denn seinen Bauern

    von köten

  • das Geld der anderen

    [15.09.2012]

    Es ist immer leicht, das Geld der anderen aufs Spiel zu setzen durch Forderungen, die man hinter nicht selbst finanziell verantworten muss. Wenn die Haltungsbedingungen sooo schlimm sind muss Herr Schröder sich fragen lassen, warum sein Verband es denn zugelassen hat dass all diese "furchtbaren Massentierhaltungsanlagen" gebaut worden sind? Wie konnte sich nur die Kastration von Ferkeln geschichtlich durchsetzen? Unsere Vorfahren müssen ja Unmenschen gewesen sein, ja die reinsten Tierquäler und nun kommt Herr Schröder und "befreit" die tiere..Mein Gott wo lebt der? Er könnte sich ja politisch auch mit Alterarmut, demographischen Wandel, Staatsverschuldung etc. beschäftigen. Aber er muss ja Spenden sammeln und skandlisieren

    von landfuerst

  • Für einen aktiven Landwirt

    [15.09.2012]

    der von seinen Schweinen auch ein Einkommen haben will, ist Tierschutz schon heute ein oberstes Gebot. Nur wer seine Haltungsbedingen soweit optiemiert hat, das Faktorenkrankheiten nicht auftreten und die Leistungen hoch sind kann überhaupt nur überleben. Geringe Medikamentenkosten, geringe Verluste und hohe Tierische Leistungen sind direkte Folge von Hervorragenden Haltungsbedingen weswegen ich weitere drastische verschärfungen nicht verstehen kann. Besonders wenn man bedenkt, dass grade hohe Haltungsauflagen den Strukturwandel weiter anheizen. Wer 150 Sauen hält, wird mit der Gruppenhaltung entweder massiv aufstocken müssen, oder aufhören.

    von a1260963

  • Grundsätzlich diskussionswürdig,

    [15.09.2012]

    das in Europa, spez. in Deutschland, allein schon mit derzeitigen Auflagen nicht zu Weltmarktpreisen produziert werden kann wird auch von vielen Landwirten so gesehen. Ebenso sind die beiden Labelstufen des Tierschutzbundes nicht unbedingt etwas neues bzw. nicht umzusetzbares(in einigen Markenfleischprogrammen schon heute Standard). Vor diesem Hintergrund kann man also mit dieser Gruppe ins Gespräch gehen. Es sollte aber zu einem gesamtgesellschftlichen Dialog kommen um eine grundsätzliche Richtung der EU Agrarpolitik zu definieren. Nur von einer Wahl zur nächsten, kann nicht Grundlage unternehmerischer Planung sein. In diesem Dialog sollte aber vordringlich thematisiert werden ob ca. 2-5% Drittlandexport Weltmarktpreise rechtfertigen.

    von bauerbruns

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