[29.08.2012]
Verbraucherzentrale Hamburg
Die Verbraucherzentrale Hamburg hat einen Praxistest zu Fleisch- und Wurstverpackungen zum Anlass genommen, die konventionelle Tierhaltung ohne einen einzigen Nachweis mit heftigen Vorurteilen anzugreifen.
Hintergrund ist ein Test der Hamburger Verbraucherschützer, bei dem sie 18 Verpackungen von Fleischwaren mit der Realität auf den Herkunftsbetrieben vergleichen wollten. Viele Wurst- und Fleischhersteller bilden demnach auf ihren Verpackungen eine ländliche Idylle oder einen Bauernhof ab. Woher das Fleisch jedoch wirklich stammt, sehe der Verbraucher meist nicht, so die Kritik.
So fanden sich auf 83 % der untersuchten Verpackungen grüne Wiesen, auf 56 % waren Fachwerkhäuser abgebildet. Dazu seien bei der überwiegenden Anzahl der Produkte Begriffe wie „Bauer“, „Hof“ oder „Land“ Bestandteil des Marken- und Produktnamens.
Auf keiner einzigen Produktverpackung hätten die Verbraucherschützer dagegen nach eigenen Angaben konkrete Aussagen zu den tatsächlichen Haltungsbedingungen der Tiere gefunden. Die Herkunft des Fleisches hin zu einem bestimmten Landwirt sei nicht möglich gewesen. Auf anschließende Nachfrage hätten 55 % der Hersteller nicht, 28 % nur ausweichend geantwortet. Lediglich 17 % der angeschriebenen Produzenten hätten Informationen herausgegeben.
Den Schluss, den die Verbraucherzentrale dann aber aus dem Test – und ihren fehlenden Informationen – zieht, könnte auch ein ideologisch gefärbter Tierschutzverein verfasst haben: Für die Tester steht nämlich fest, dass „das Fleisch fast immer aus anonymen Agrarfabriken“ stammt. Und weiter heißt es wörtlich: „Die hier gehaltenen Tiere sind in der Regel eingeschränkt in ihrem Platzangebot, haben keinen Auslauf und werden häufig unter massivem Antibiotikaeinsatz in kürzester Zeit auf einen hohen Fleischertrag getrimmt. Massenhaftes Leiden gehört zum schlimmen Alltag unserer Nutztiere.“
Ohne sich über die tatsächlichen Lieferbetriebe informiert zu haben, wiederholt die Verbraucherzentrale platte Vorurteile und veröffentlicht diese als Praxistest. Vollends unglaubwürdig macht sich die Verbraucherzentrale bei ihrer anschließenden politischen Forderung nach einer Neuausrichtung der Tierhaltung sowie umfangreichen Kaufempfehlungen für Produkte der bekannten Ökoverbände. In einer Broschüre gibt sie zudem Tipps, wie der Verbraucher Fleisch und Wurst aus tiergerechter Haltung erkennt und was man unter dem Begriff versteht: Konventionell schlecht, Öko gut!
Mittlerweile sieht die Verbraucherzentrale ihre Aussagen auch differenzierter und stellt klar, dass die Aktion nicht die Tierhalter angreifen, sondern auf die Notwendigkeit einer transparenten Kennzeichnung hinweisen sollte. "Es ist uns bewusst, dass es bereits viele positive Schritte in Richtung einer tiergerechteren Haltung gibt, leider erfährt der Verbraucher auf dem Etikett nichts davon sondern wird generell mit einer ländlichen Idylle abgespeist", so Silke Schwartau von der Fachabteilung Ernährung der Verbraucherzentrale. Ein drittes Marktsegment, neben Bio- und Intensivhaltung, wäre ihrer Meinung nach aber ein wichtiger Schritt in die Zukunft.
AbL
Lob kommt dagegen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Sie rief den Bauernverband sowie die Schweine- und Geflügelhalter-Verbände auf, endlich ihre unkritischen Verknüpfungen mit den Schlachtkonzernen zu beenden und die unübersehbaren Chancen der neuen gesellschaftlichen Bewegung für eine artgerechte Tierhaltung in „Bauernhöfen statt Agrarfabriken“ aktiv nutzen. Viele Bauern seien es leid, dass der gute Ruf ihres Berufsstands von Agrarindustriellen, Fleisch- und Handelskonzernen für deren Produkt-Vermarktung ausgenutzt werde. In einer Situation ruinöser Erzeugerpreise, die durch die systematische Überproduktion aus "Agrarfabriken" und Schlachtkonzernen und durch Dumping-Angebote des Handels systematisch gedrückt würden, empfänden es viele Bauernfamilien als Hohn, wenn Billig-Angebote gar mit der Marke „Bauernglück“ angeboten würden. (ad)
Schorlemer Stiftung,
Kto.-Nr. 1700349035,
BLZ 380 601 86
Volksbank Bonn Rhein-Sieg eG
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Leserkommentare
[29.08.2012]
Die Verbraucherzentrale wirft einige Dinge durcheinander! Erstens sind wir Landwirte/Erzeuger nicht für deren Werbebildchen und Werbeaussagen verantwortlich. Diese sind auch nicht mit uns abgestimmt! Zweitens sind wir bis dato gefordert möglichst billig zu produzieren, dann aber sind notwendige Mehrerlöse, wie user10 schon schreibt, nicht zu erzielen. Das die Realität anders aussieht, als uns diverse Werbung vor Augen führen will, weiß jeder der seinen Verstand nutzt. Die Idylle liefern nwir Erzeuger gerne mit - wenn die Preise stimmen. Die Verbraucherzentrale sollte sich daher erst mal mit den Rahmenbedingungen in der Produktion vertraut machen, bevor sie derartigen Schmarren veröffentlicht.
von preuße
Im Hamsterrad
[29.08.2012]
Ich bin - auch auf Grund der öffentlichen Diskussion - gerade dabei einen neuen Schweinemaststall, so zu planen, dass hohe Anforderungen an das Tierwohl erfüllt werden (kein Bio!)Das bisherige Fazit: Ich brauche mindestens fünf, wenn nicht zehn Euro Mehrerlös pro Schwein um die höheren Stallkosten, Arbeitskosten und schlechtere Futterverwertung aufzufangen. Das aber ist in unserem derzeitigen System nicht möglich.
von user10
Wir sind selbst Schuld
[29.08.2012]
Jahrzehnte lang haben sich die Verbände weggeduckt. Jeder durfte behaupten was er wollte. Auch mich hat man einmal im NET persönlich aufgrund meiner tierhaltung mit falschen aussagen an den Pranger gestellt. Als ich mich an die Zentralen unserer Interssenverbände wandte bekam ich von allen zu hören: Ach lassen sie die doch schreiben...die nimmt doch keiner ernst....wenn sie sich wehren wird es nur noch schlimmer.....Aus einen dieser Pseudointressenverbände bin ich schon ausgetreten und den anderen werde ich auch bald kein Geld mehr geben. Ich habe nichts gegen öffentliche Diskussionen und zu verstecken habe ich auch nicht, aber sich heute über etwas zu beklagen was man selbst mitverursacht hat ist schon pervers..ach ja die Zuschüsse..
von landfuerst
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