Metastudie

Forscher verglichen Stabilität der Erträge aus konventionellem und ökologischem Landbau

Für die Landwirtschaft zählt nicht nur die Höhe des Ertrages, auch die Stabilität der Erträge über mehrere Jahre ist wichtig. Wie sich biologische und konventionelle Landwirtschaft in diesem Punkt unterscheiden, zeigt eine Meta-Analyse eines Teams der Technischen Universität München (TUM) und von Agroscope in Zürich.

Eine der größten Herausforderungen der heutigen Zeit ist es, die globale Nahrungsproduktion und -sicherheit zu verbessern. Biologische Landwirtschaft hat zum Ziel, durch den Verzicht auf Mineraldünger und synthetisch hergestellte Pestizide die negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur zu minimieren.

Darüber hinaus ist auch eine stabile landwirtschaftliche Produktion wichtig – auch bei aufgrund des Klimawandels zu erwartenden stärkeren Schwankungen. Doch bisher gibt es wenig Kenntnisse darüber, wie sich biologische und konventionelle Landwirtschaft in Bezug auf die jährlichen Ertragsschwankungen unterscheiden.

Samuel Knapp vom Lehrstuhl für Pflanzenernährung der TU München und Marcel van der Heijden vom schweizerischen Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung, Agroscope, untersuchten daher mit Hilfe einer Meta-Analyse in bereits publizierten Studien die jährliche Variation der Erträge.

Insgesamt verwendeten sie dafür 165 direkte Vergleiche aus 39 publizierten Studien. Wie erwartet, bestätigte die Analyse, dass biologische Bewirtschaftung geringere Erträge erbringt als konventionelle Landwirtschaft, im Mittel über alle Kulturen fielen sie um 16 Prozent niedriger aus.

Ähnliche Ertragsschwankung, aber unterschiedliche Ertragshöhe

Die Schwankungen der Erträge waren jedoch bei beiden Verfahren über die Jahre sehr ähnlich. „Das hört sich zwar beruhigend an, hat jedoch einen Haken“, sagt Samuel Knapp. „Weil die absoluten Ertragsschwankungen ähnlich sind, wirken sich die Schwankungen bei den geringeren Erträgen der Biolandwirtschaft stärker aus. Die sogenannte relative Ertragsstabilität ist im Biolandbau somit geringer“.

Die Unterschiede der Stabilität zwischen den beiden Anbausystemen lassen sich unter anderem auf eine höhere Düngung mit Stickstoff und Phosphor im konventionellen Anbau zurückführen. Biologisch arbeitende Betriebe können die Ertragsstabilität durch den Einsatz von Gründüngung und zeitliche Optimierung der Düngung verbessern.

Der Effekt einer reduzierten Bodenbearbeitung

In der gleichen Studie untersuchten die Forscher auch den Effekt reduzierter Bodenbearbeitung. Sie zeigt oft positive Effekte für die Bodenstruktur und Bodenlebewesen, führt aber auch zu geringfügig geringeren Erträgen.

Die beiden Wissenschaftler verglichen die Ertragsstabilität bei 367 paarweisen Langzeitvergleichen von reduzierter und konventioneller Bodenbearbeitung. Das Ergebnis: Der Unterschied im Ertrag war zwar messbar, betrug aber nur zwei Prozent. Bezüglich der Stabilität fanden die Wissenschaftler keine signifikanten Unterschiede.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Samuel Knapp

Erklärung Ertragsunterschied

Bezüglich des durchschnittlichen Ertragsunterschieds möchten wir klar stellen, dass sich die Auswertung auf weltweite Erhebungen bezieht. Von den insgesamt 165 direkten Vergleichen stammt der größte Teil aus den USA (109 Vergleiche) und 33 Vergleiche aus Europa. Es ist richtig, dass der Ertragsunterschied zwischen biologischer und konventioneller Bewirtschaftung in Deutschland deutlich größer ist. So beträgt laut einer Untersuchung von AMI der Unterschied beim Getreide 48%. (https://www.oekolandbau.de/haendler/marktinformationen/marktberichte/ertraege-im-biologischen-und-konventionellen-landbau/). In vielen anderen Regionen und Ländern wie z.B. den USA wird in der konventionellen Bewirtschaftung weniger intensiv mit Stickstoff gedüngt, was zu geringeren konventionellen Erträgen führt, und somit zu geringeren Ertragsunterschieden zwischen biologischer und konventioneller. Dies erklärt den durchschnittlichen Ertragsunterschied von 16% in dieser Untersuchung. Der Effekt der Stickstoff-Düngung wird auch in der Studie gezeigt, und zwar dass bei einem höheren Düngungsniveau in der konventionellen Variante die Ertragsunterschiede größer sind. Hieraus folgert auch die Empfehlung einer optimierten Stickstoff-Düngung im Biolandbau. Samuel Knapp (TU München) & Marcel van der Heijden (Agroscope, Zürich)

von Wilhelm Grimm

Nur 16% ??

Das kann auf den Durchschnitt nicht stimmen, nach meiner Erfahrung.

von Marion Wölfer

Welches Hauptziel hat man?

Hat man das Hauptziel einer Nahrungsmittelversorgung, dann dürfte es keine Biogasanlagen geben und weniger Tierhaltung. Unser Hauptziel ist es eine ausreichende Wirtschaftlichkeit mit der Landwirtschaft zu erzielen. Da bin ich ehrlich: Eine gesicherte Lebensmittelversorgung ist nur ein Nebenziel. Die veröffentlichten Vergleiche zeigen, dass Ökobetriebe in den letzten Jahren eine höhere Wirtschaftlichkeit hatten. Da ist es zweitrangig, dass Ernteschwankungen und Beihilfen höher sind. Wir sind Kombis.

von Gerhard Steffek

Bestätigung -

meiner bisherigen Ansicht und Erfahrung. Besonders bei uns im Alpenvorland hat sich das Problem der Bios voriges Jahr gezeigt. Wurde mir deutlich bei einem bekannten Demeterbetrieb. Dieser hatte seine Triticale bereits zum zweiten Schnitt ebenso ins Silo gefahren und nicht gedroschen, da ihm das Futter zu wenig wurde. Währenddessen konnte der Silomais anbauende Konvi bei uns die Situation getrost aussitzen, da der Mais das gewaltig kompensierte. Noch dazu befaßt sich jetzt auch das bayr. Landesamt für Landwirtschaft mit der ökologischen Landwirtschaft in seinen Sortenversuchen. In diesen zeigt sich das der Ertrag um ca. 30 % niedriger ist als in der fälschlicherweise "konventionell", aber "komischerweise" nach modernsten Erkenntnissen, Möglichkeiten und für den, bezogen auf den einzelnen Betrieb fatalerweise, sehr erfolgreich wirtschaftenden Landwirtschaft. Aber bereits eine um "nur" 16 % reduzierte Produktion würde Deutschland bei einer derzeit langfristig gesicherten Produktion 106 % auf unter 100 % drücken und somit zum Getreideimporteur machen. Da frage ich mich aber schon, was ist besser? 6 % mehr Überversorgung oder der Einkauf bei unseren Nachbar. Bedenkt man, daß die UN immer davon redet das die LW ertragreicher werden muß, da es derzeit mehr als 600 Mio. Menschen gibt die hungern, so ist die Argumentation über Bio und Konvi und die Vorgauckelung das Bio nachhaltiger und die Menschheit ernähren könnte mehr als perfide. Bis in die 50er Jahre hatten wir ja mehr oder weniger weltweit nur Biolandwirtschaft, aber auch gleichzeitig weltweit entsprechende Mangelversorgung und Hungersnöte.

von Rudolf Rößle

16 Prozent

liegen die Unterschiede vielleicht in Gunstlagen. In rauen und bodenpunktzahlarmen Gebieten sind sicherlich bis zu 30 % wahrscheinlich, da der Boden wenig liefern kann.

von Klaus Fiederling

Sandmann, lieber Sandmann....

Jetzt herrscht endlich Klarheit -wissenschaftlich belegt- warum im Biosektor zunehmend ungeahnte Mengen abrufbar sein werden, eine generell komfortable Nahrungsmittelsicherheit zu keinem Zeitpunkt überhaupt in Frage gestellt werden muss: - ZITAT „Wie erwartet, bestätigte die Analyse, dass biologische Bewirtschaftung geringere Erträge erbringt als konventionelle Landwirtschaft, im Mittel über alle Kulturen fielen sie um 16 Prozent niedriger aus.“ Ja(!), Glaube versetzt hier mithin tatsächlich rasch anwachsende Bioberge. Das von uns Bauern lange schon herbeigesehnte Ergebnis, dass schon morgen der Einsatz von unserem ganzen „Giftzeugs“ vollumfänglich verzichtbar ist; allenfalls schrumpfen unsere Biomüllberge, so what!? Die überaus mächtige Müllindustrie darf schließlich auch mal Federn lassen. Eine schallende Ohrfeige mithin aber auch für u.a. CEO Baumann/BAYER, BASF, Syngenta, Yara International & Co.. // Was mich allerdings etwas irritiert, wie finden jene Biobetriebe in den obigen Studien Berücksichtigung, die in ihrer Fruchtfolge mehrjährigen Klee integrieren? // Was die reduzierte Bodenbearbeitung angeht, sind vorstehende Erkenntnisse aufgrund der aktuellen Entwicklung in der LW künftig so ohnedies nicht mehr reproduzierbar, da die entsprechenden Möglichkeiten hierzu schlichtweg nicht mehr verfügbar sind.

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