Kupierverzicht: Das kommt auf Sie zu Premium

Mit dem „Nationalen Aktionsplan Kupierverzicht“ soll das vorsorgliche Kupieren von Ferkelschwänzen in Deutschland eingeschränkt werden. top agrar erklärt, was Sie jetzt beachten müssen.

Schwanzbeißen ist seit Jahrzehnten ein hartnäckiges Problem in der Schweinehaltung, gegen das sowohl konventionell als auch ökologisch wirtschaftende Betriebe bislang kein Patentrezept gefunden haben. In Deutschland und anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) werden deshalb die meisten Ferkelschwänze vorsorglich gekürzt.

Rechtlicher Hintergrund

Diese Praxis verstößt jedoch gegen geltendes Tierschutzrecht. Denn das routinemäßige Kupieren der Ferkelschwänze zur Verhinderung von Schwanzbeißen ist durch EU-Recht seit 1991 verboten (RL 2008/120/EG des Rates). Das Kupieren von Ferkelschwänzen ist in der EU nur im Einzelfall erlaubt und auch nur dann, wenn trotz anderer Maßnahmen gegen Schwanzbeißen die Unerlässlichkeit des Kupierens dargelegt wird.

Auf nationaler Ebene sind diese Vorgaben im Tierschutzgesetz (TierSchG) geregelt. Demnach ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen verboten. Das Verbot gilt jedoch nicht, wenn der Eingriff im Einzelfall für die vorgesehene Nutzung des Tieres zu dessen Schutz oder zum Schutz anderer Tiere unerlässlich ist (TierSchG §5 und 6). Dann dürfen bei unter vier Tage alten Ferkeln die Schwänze ohne Betäubung gekürzt werden. Davon macht die Mehrheit der Landwirte Gebrauch. Die Unerlässlichkeit dieses Eingriffs muss der zuständigen Behörde jedoch glaubhaft dargelegt werden. In der Regel bestätigte bisher der Tierarzt, dass der Betrieb die Mindestanforderungen einhält, Maßnahmen zur Optimierung umsetzt und das Kupieren somit zurzeit unerlässlich ist.

EU will Änderungen

Die bisherige Vorgehensweise soll nun auf Druck der EU-Kommission geändert werden. Die Mitgliedstaaten sollen beim Verzicht auf das Schwanzkupieren endlich vorankommen. Die Kommission will prüfen, ob Anpassungsbedarf bei der Umsetzung von EU-Recht in nationales Recht besteht und hat neben Italien, Spanien, Dänemark und den Niederlanden auch Deutschland im Februar 2018 im Rahmen eines Audits überprüft. Ergebnis: Die bereits ergriffenen Maßnahmen der Länder sind nicht ausreichend. Seitdem verschärft die Kommission den Druck auf die Mitgliedsländer und fordert sie auf, Aktionspläne vorzulegen. Die deutschen Agrarminister der Bundesländer haben daraufhin im Januar 2018 den „Nationalen Aktionsplan Kupierverzicht“ auf den Weg gebracht.

Der Aktionsplan gilt für alle Produktionsstufen und betrifft Ferkelerzeuger, Aufzüchter und Mäster gleichermaßen. Ziel ist es, den Anteil unkupierter Schweine schrittweise zu erhöhen. Der Aktionsplan soll zudem Rechtssicherheit für die Landwirte und Behörden schaffen, unter welchen Bedingungen das Kupieren weiterhin zulässig ist. Die konkrete Umsetzung des Aktionsplans liegt bei den einzelnen Bundesländern. In etwa zwei Jahren soll der Aktionsplan evaluiert werden.

Ab Juli deutschlandweit

Ab dem 1. Juli 2019 tritt der Aktionsplan Kupierverzicht deutschlandweit in Kraft. Dann gilt: Bis zum 1. Juli 2019 müssen Schweinehalter eine sogenannte Tierhaltererklärung vorhalten und bei ihrem zuständigen Veterinäramt abgeben. Betriebe, die weiter kupieren (Ferkelerzeuger) oder das Kupieren wegen Schwanzbeißproblemen im eigenen ...

Weiterlesen mit PREMIUM
Jetzt 30 Tage gratis testen
Mehr erfahren

Umzingelt von Öko: Konventionelle Bauern leiden unter Käferinvasion

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Caroline Jücker

Volontärin Schweinehaltung

Schreiben Sie Caroline Jücker eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen