„Liebe Bauern, klopft bei den Konzernen an!“ Premium

Der Siemens-Konzern verkauft in seinen Betriebsrestaurants erfolgreich das Tierwohl-Fleisch vom Hof Marklewitz. Christof Strobl und Veronika Jentsch vom Siemens Restaurant Services Nord raten Bauern, offensiver auf Großunternehmen zuzugehen.

Der Siemens-Konzern setzt in seinen norddeutschen Betriebsrestaurants verstärkt auf Tierwohl-Fleisch. Warum?

Strobl: Als Industriekonzern legen wir bei unseren Gasturbinen, der Automatisierungstechnik, der Industrie-Schalttechnik usw. größten Wert auf höchste Qualität. Zudem versuchen wir unsere Produkte immer weiter zu verbessern. Genauso halten wir es beim Thema Essen. Wir wollen unseren 117000 Mitarbeitern in Deutschland qualitativ hochwertige Lebensmittel anbieten. Das gilt für Obst und Gemüse genauso wie für Fisch und Fleisch.

Was zählt für Sie noch, wenn es um die Nahrungsmittelversorgung der Mitarbeiter geht?

Strobl: Für uns sind auch die Themen Rückverfolgbarkeit und Nachhaltigkeit wichtig. Zudem spielt das Thema Regionalität eine immer größere Rolle. Beim Besuch der Siemens-Betriebsrestaurants achten immer mehr Gäste bewusst darauf, dass Lebensmittel nicht mehr tausende Kilometer weit transportiert werden.

Das Schweinefleisch kaufen Sie seit über einem Jahr vom Hof Marklewitz aus Lüchow in Niedersachsen. Wieso gerade von dort?

Jentsch: Die Zusammenarbeit ist eher zufällig entstanden. Im Rahmen der Berichterstattung über das top agrar-Projekt ‚Starke Bauern. Starkes Image.‘ sind wir auf den Tierwohl-Schweinestall von Diana Marklewitz aufmerksam geworden. Uns hat die Art und Weise, wie die junge Landwirtin ihre Schweine mästet, von Anfang an sehr gut gefallen. Wir haben dann Kontakt zu ihr aufgenommen und uns den Stall und den Hof vor Ort angesehen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass der Betrieb quasi mitten zwischen unseren norddeutschen Produktionsstandorten liegt. Die Transportwege sind daher überschaubar.

Was hat Sie als Laie an dem Stallkonzept besonders beeindruckt?

Strobl: Zuallererst, dass Diana Marklewitz ihren Schweinen deutlich mehr Platz, einen Außenauslauf und Stroh anbietet. Überzeugt hat mich auch, dass sie regional erzeugtes Getreide verfüttert und nur GVO-freie Eiweißkomponenten wie Raps, Erbsen und Bohnen einsetzt.

Jentsch: Fasziniert hat mich vor allem, dass die ganze Familie hundertprozentig hinter dem Projekt Tierwohl-Stall steht. Trotz einiger Vorbehalte von Berufskollegen stehen sie zu ihrer Haltungsform. Das Beispiel vom Hof Marklewitz zeigt, dass Bauern sehr wohl bereit sind für Veränderungen und neue Wege gehen, wenn sie darin eine Zukunftsperspektive sehen.

Diana Marklewitz produziert nach keinem Labelstandard. Stört Sie das?

Strobl: Nein, überhaupt nicht. Für uns war immer klar, dass wir gemeinsam festlegen, welche Tierwohl-Vorgaben der Betrieb umsetzen muss. Es macht doch überhaupt keinen Sinn, wenn wir Abnehmer den Bauern Auflagen machen, die am Ende kaum zu erfüllen und teuer sind und an denen die Landwirte keinen Spaß haben.

Worauf wir bei der Festlegung von Haltungsvorgaben allerdings achten, ist die Tatsache, dass wir unseren Gästen zeigen können, wie man mehr Tierwohl in der Praxis umsetzt. In diesem Zusammenhang spielt vor allem der Auslauf mit Stroheinstreu eine Rolle.

Wie klappt die Zusammenarbeit zwischen der Bauernfamilie Marklewitz und dem Industriekonzern Siemens?

Jentsch: Spitze, wir haben keinerlei Berührungsängste. Wir tauschen uns regelmäßig aus, besprechen neue Ideen und Probleme und überlegen, wo wir noch nachbessern können.

Die Zusammenarbeit ...

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Artikel geschrieben von

Marcus Arden

Redakteur Schweinehaltung

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