„Wir brauchen das Grünland“ Premium

Für die Biodiversität ist Grünland unentbehrlich. Wie auch artenreiche Flächen besser geschützt werden können, erklärt Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).

Frau Prof. Dr. Jessel, wie steht es um das Grünland in Deutschland?

Jessel: Nach den uns vorliegenden Zahlen konnte der Schwund der Dauergrünlandflächen bundesweit weitgehend gestoppt oder zumindest deutlich verlangsamt werden. Regional schwanken diese Entwicklungen aber teilweise erheblich. Insgesamt gingen von 1993 bis 2013 ca. 630000 ha Grünland verloren. Große Verluste gab es bis 2013 etwa in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, später auch in Teilen Brandenburgs und der Eifel. Doch ab 2015 nahm die Fläche gerade in Schleswig-Holstein wieder leicht zu. Genaue Verluste lassen sich flächendeckend und dabei regional differenziert vermutlich erst ermitteln, wenn die Fernerkennung weiter fortgeschritten ist. Derzeit führen Analysemodelle und unterschiedliche Beobachtungsansätze zu verschiedenen Ergebnissen und decken die Flächendynamiken nicht umfassend ab.

Wie entwickelt sich die Qualität der Flächen?

Jessel: Es ist vor allem die anhaltende qualitative Verschlechterung des Grünlands, die uns Sorge bereitet. Verschiedene Erhebungen zeigen uns eindeutig, dass immer mehr Grünlandflächen immer weniger Tier- und Pflanzenarten aufweisen. Die Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen belegt, dass mittlerweile 83% der Grünlandlebensräume gefährdet oder von Vernichtung bedroht sind! Der High Nature Value Farmland-Indikator, also das Monitoring der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert, bestätigt dies: Zwischen 2009 und 2016 gingen gut 85200 ha Grünland mit einem hohen Naturwert verloren. Von diesen Verlusten sind nicht nur eher extensiv bewirtschaftete Flächen betroffen, sondern massiv auch mittlere Standorte mit blütenreichen Mähwiesen. Auffällig ist dabei: Flächen auf Grenzertragsstandorten werden häufig aufgegeben, während vor allem in typisch grünlandgeprägten Regionen Flächen intensiver genutzt werden.

Wie steht es um die nationale Grünlandstrategie, die Sie im ersten Grünlandreport des BfN 2014 forderten?

Jessel: Diese ist nach wie vor notwendig. Die Rufe nach einer Grünlandstrategie des wissenschaftlichen Beirats des Bundeslandwirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2013 wurden in den eigenen Reihen bis heute nicht gehört. Wir stehen einem Dialogprozess und einer engen ressortübergreifenden Zusammenarbeit offen ...

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Artikel geschrieben von

Friederike Mund

Redakteurin Ackerbau/Grünland

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