Züchtung

Bauern ist die Lust auf den Rapsanbau vergangen

Die Erträge beim Raps waren zuletzt enttäuschend. Hinzu kommen fehlende Neonicotiniod-Beizen und vermehrter Schädlingsdruck sowie Pilze aus den Greeningflächen. Die Züchter arbeiten an Lösungen.

Der Rapsanbau ist aufgrund der vielerorts eher enttäuschenden Erträge der letzten drei Jahre in die Kritik geraten. Allerdings sind niedrige Erträge kein Phänomen, das nur den Raps betrifft. Auch die Weizenerträge sind in den letzten Jahren witterungsbedingt gesunken, sagt Holger Milk, Leiter Marketing und Vertrieb Mais und Ölpflanzen bei RAGT. Als Probleme listete er bei einer Presseveranstaltung in Frickenhausen auf:

  • Wegfall der Neonicotiniod-Beizen führt zu einer verstärkten Zunahme des Schädlingsdruckes mit Kohlfliegen, Blattläusen oder Erdfloh
  • Zunahme von bodenbürtigen Pilze wie Kohlhernie und Verticillium
  • Greening: Zwischenfrüchten fungieren als „grüne Brücke“ für Schadorganismen Wetterextreme: z. B. Frost und kühle Temperaturen zur Blüte

Einbruch der Erträge (Bildquelle: RAGT)

Anbaufläche in Deutschland (Bildquelle: RAGT)

Zur Lösung empfahl der Berater, auf längere Anbaupausen wie etwa vier Jahre zu setzen. Auch die Einplanung einer Sommerung vermeide einseitige Winterungsfolgen. Eine mögliche Fruchtfolge könnte sein –Raps –Getreide –Sommerung (z.B. Mais) –Getreide –Getreide. Empfehlenswert sei auch die Wahl TuYV-toleranter Rapssorten. Schnellwüchsige Hybridsorten könne man auch 1 bis 2 Wochen später aussäen. Ratsam sei dabei der Einsatz von Kalkstickstoff vor der Aussaat (200 bis 250 kg/ha –DüV-Konform). Auch auf Feldhygienemaßnahmen sollte man achten.

  • Verticillium: Wurzel so schnell wie möglich aus dem Boden grubbern
  • Sklerotinia: Stoppel Mulchen, um Sklerotien (Dauerkörper) freizulegen

TuYV-Toleranz & TuYV-Resistenz

Die TuYV-Infektionsrate nimmt laut Milk aufgrund verschiedener Faktoren in den Hauptanbaugebieten zu.

  • Warme Herbsttemperaturen und milde Winter begünstigen die Infektion
  • Verbot der Neonikotinoiden-Beizung
  • Greening-Maßnahmen: mehr Wirtspflanzen über längere Zeiten für die Blattlaus

Die Firma RAGT selektiere daher bewusst nach Sorten, die eine hohe Toleranz gegenüber Blattlausübertragenden Virosen aufweisen. Selbst auf stark infizierten Standorten würden die Sorten im direkten Vergleich zu Sorten mit einem TuYV-Resistenzgen keinerlei Ertragsdefizite zeigen. Neben TuYV-toleranten Sorten stünden bereits erste TuYV-resistente Sorten in der Pipeline, so Milk.

Vorteile des Rapsanbaus

Aus ackerbaulicher Sicht spricht nach wie vor sehr viel für den Anbau von Raps:

  • Raps ist eine frühräumende Blattfrucht, die den rechtzeitigen Anbau von Getreide im Herbst erlaubt
  • Raps ist eine Blattfrucht für Grenzbedingungen (Temperatur, Bodengüte)
  • Raps hat eine hohe Nährstoffbindung im Herbst, dadurch wird die Auswaschung aus dem Boden vermindert (N, K auf sandigen Böden)
  • Raps hinterlässt einen hohen Nährstoffpool (N, K, Mg, Bor) für die Folgefrucht bei guter Bodenstruktur
  • Der Anbau von Raps erlaubt die Bekämpfung von Gräsern mit Propyzamid (geringes Resistenzrisiko)
  • Raps als frühblühende Kultur dient als Bienenfutter
  • Raps ist ein GVO-freies Futtermittel für die Milchviehhaltung

RAGT-Produkte

Es gibt mit den Produkten Scenic Gold und Vibrance OSR neue fungizide Beizmittel, die sich im Zulassungsverfahren befinden bzw. bereits in europäischen Nachbarländern registriert sind. Daneben steht mit Integral Pro ein biofungizides und mit Lumiposa ein insektizides Saatgutbehandlungsmittel zur Verfügung.

RAGT biete dem Landwirt mit den Rapshybriden Trezzor, Attletick, Muzzical und Arazzo hervorragende Sorten, die größtenteils mehrjährig in den Landessortenversuchen geprüft sind und empfohlen werden, warb Berater Milk am Donnerstag weiter. Gerade Trezzor zeichne sich durch eine sehr hohe Ertrags- und Umweltstabilität aus. Und derzeit befänden sich die ersten vielversprechenden TuYV-resistenten Sorten, u. a. die Sorte Cadran, in den offiziellen Prüfungen.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Klaus Fiederling

Pfingsten 2019 ist schon fast Geschichte u. noch immer warten viele auf die geistige Erleuchtung.

...Wie lange Kalkstickstoff in obig angedachtem Einsatz auf unseren Äckern sodann noch erlaubt sein wird, bleibt mehr als fraglich. Wenn‘s von heute auf morgen auf sämtlichen Feldern zum Einsatz kommt, wird dieser zum einen rasant mit dem Prädikat „unbezahlbar“ geadelt, zum nächsten ein solcher sofort auf der Abschussliste unserer sogenannten Umweltschützer stehen. Wetten? - Aber ehrlicherweise sollte eine dahingehende Sorgfalt für den Anwender -und genau für eben diesen- selbst auch verpflichtend sein und bleiben. // Satellitenaufnahmen des Nationalen Wetterdienstes San Diego enttarnten dieser Tage auf einem Wolkenradarfilm dem Vernehmen nach zum großen Erstaunen selbst unserer Wetterpropheten einen 130 km langen und ebenso breiten Schwarm von Marienkäfern, unseren Blattlausjägern. Es existieren mithin Phänomene, die solche Populationen von Insekten aufbauen, die ihrerseits wiederum nur von Insekten leben und existieren. - Wir müssen uns daher selbstkritisch der Frage stellen, was alles in den vergangenen zwei Dekaden erheblich aus dem Lot gelaufen ist, demgemäß nicht alle unserer Eingriffe in die biologischen Gleichgewichte immer als korrekt zu bezeichnen sind. Hier bedarf es vordringlich schleunigst eines Korrektivs. // Im Raiffeisen-Erntebarometer / Dürrejahr 2018 verzeichnete man beim Weizen im übrigen Durchschnittserträge von um die 75 dt/ha; das Statistische Bundesamt kommt nun dagegen auf doch erheblich reduzierte 66,8 dt/ha. Wem nun sollen wir Bauern Glauben schenken!? Man vermittelt uns Bauern in einer von „Agrarexperten“ gestützten Kommunikation nach wie vor jährliche Ertragssteigerungen, angesiedelt bei um die 1-2%. Genau diese Aussagen korrelieren selbstredend fortwährend auch mit dem jeweiligen desaströsen Erzeugerpreisniveau über sämtliche Produkte hinweg an der MATIF, ansonsten müssten unsere Getreidepreise längst stabil jenseits der 20-Euro-Marke, die Rapspreise über 40,00 €/dt im Verlauf registriert werden. - Und wo stagnieren selbige tatsächlich? - Auf unterstem Niveau, schämt euch!!! // Hätten wir aus Raps in den vergangenen Jahren alternative Kunststoffe hergestellt, könnte heute eine Vielzahl deutscher Verbraucher ein weitaus besseres Gewissen haben. In unseren Weltmeeren wären wohl durchaus geringere Mengen vom Plastikmüll-Weltmeister Deutschland verklappt worden -einer Nation mit weltweiter Leuchtturmfunktion mittels seiner sorgfältigst ausgeklügelten „Sortiersysteme“- der auch jeden Deutschen Verbraucher postwendend wenig einladend als Frischfisch fatalerweise bis auf unsere eigenen Teller verfolgt. // Selbst jetzt noch werden unsere Omega-3- und Omega-6-Alternativen vom Acker agrarpolitisch erbärmlichst vernachlässigt; man straft jene Praktiker sogar vernichtend ab, die sich bereits mit diesem Anbau in der Praxis ernsthaft intensiv befassen; eine Vermarktung ist dato nahezu erfolglos. - Ob man DAS nun hören möchte oder auch nicht, genau eben solche Alternativen zum Rapsanbau werden wir allerdings künftig dringend benötigen...!

von Josef Doll

Rückläufige Erträge

Aber höhere Pachten und Kaufpreise könne die Bauern tragen nein man muß Sie sogar der allgemeinen Preisentwicklung folgend ( Top-Agrar hats geschrieben ) jedes Jahr erhöhen !!! Die Banken vergeben viel Geld weil - Der Zins niedrig ist und die Bank sogar Geld verliert wenn Sie es nicht als Kredite geben kann . -- Die Kaufpreise wegen dem vielen billigen Geld immer höher werden . ---- Und was passiert wenn die Rot-Grün-Rote Regierung vielleicht schon nächstes Jahr 2-4 % Vermögessteuer plus 10 % Bürgersteuer auf Pachten und Mieten erhebt --- Die Million Freibetrag wird uns da wohl nicht ( einmal den kleinen ) helfen --- Vielleicht am Thema vorbei aber es kann Real werden ---- Die rückläufige Erträge sind / werden Systemrelevant werden -- Fröhliches Investieren und das Bäuerliche hoffen ----- das es besser wird ---- und hoffen dass es meinen Nachbarn vor mir trifft -- Was vielleicht schon Millionen vor " mir" gedacht haben

von Heinz Hahn

Hoch lebe das Palmöl...

Trotz geringer Erträge ist der Erzeugerpreis von Raps seit Jahren nicht gut... Da muss man sich nicht wundern, dass die Anbaufläche schwindet.

von Erwin Schmidbauer

Das Goldene Zeitalter des Rapsanbaues geht zu Ende

Für die Rapsanbauer waren die letzten 30 bis 40 Jahre die beste Zeit, vorher war Raps nur eine kleine Nischenkultur und so wie es scheint, wird es sich aus verschiedensten Gründen wieder dorthin entwickeln.

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