UBA/Landvolk

Experten warnen vor Verteilungsproblem beim Wasser

Das Umweltbundesamt und der Bauernverband Niedersachsen warnen vor möglichen Konflikten um die Wasserverteilung in Deutschland. Noch gebe es genügend Wasser, aber der Grundwasserstand sinkt.

Das Umweltbundesamt hat in der vergangenen Woche gewarnt, dass es bald auch in Deutschland Konflikte um die Nutzung von Wasser geben könnte. Die kommunalen Wasserversorger warnten, dass Landwirtschaft und Industrie immer mehr Wasser nachfragen werden. Sie fordern, der Versorgung mit Trinkwasser weiter den Vorrang zu geben.

Zwar steht Deutschland keine Wasserknappheit bevor. In den vergangenen beiden Jahren habe es aber zu wenig geregnet, die Grundwasserstände hätten sich noch nicht erholt, berichten u.a. dpa udn Spiegel Online. Auch die Bewässerungslandwirtschaft habe in Deutschland erst einen Anteil von 2,7 %, weiß das UBA. Nach Ansicht des Amtes dürfte sie aber deutschlandweit tendenziell zunehmen, was allerdings regional sehr unterschiedlich geschehe, zitieren die Medien.

"Landwirte nehmen das Wasser für die Felder teils aus dem Grundwasser", sagt Jörg Rechenberg, Wasserexperte beim Umweltbundesamt (UBA) gegenüber der Presse. Es werde mehr bewässert, die Konkurrenz nehme zu. "Aus unserer Sicht muss aber die Trinkwasserversorgung Vorrang haben. Das ist nicht überall gewährleistet", sagte Specht, der auch Geschäftsführer des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands ist. Die gesamte Politik müsse die Trinkwasserversorgung sichern. "Wir merken gerade, dass unsere Aufgabe zu selbstverständlich wahrgenommen wird: Wasser läuft ja einfach immer aus dem Hahn."

Das UBA hat laut den Zeitungen noch keine aktuellen Daten zur Grundwassermenge 2018. "Aber es ist zu befürchten, dass sich die Grundwasserpegel noch nicht wieder auf den Stand vor 2018 aufgefüllt haben", wird Rechenberg zitiert. Flächendeckend wisse man auch nicht, wie sich diese Pegel im Fall von drei dürren Sommern hintereinander mit zusätzlich wenig Niederschlag im Winter entwickeln würden. "Das hatten wir in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten so noch nicht."

Landvolk: Trinkwasser sparsamer einsetzen

Auch der Landvolkverband Niedersachsen rechnet angesichts des Klimawandels zukünftig mit größeren Verteilungsproblemen beim Wasser. In manchen Regionen falle nur wenig Niederschlag. Das habe Auswirkungen auf den Grundwasserstand, sagte Landvolk-Vizepräsident Holger Hennies am Freitag gegenüber dem NDR. Daneben gebe es auch häufiger Starkregen, die auf der Oberfläche abfließen und die Grundwasservorräte nicht ausreichend auffüllen. Es müsse darum gehen, möglichst viel Regenwasser für die Grundwasserneubildung zu nutzen und auch andere Speicher- und Verteilungslösungen zu suchen, so Hennies.

Klar sei aber auch, dass die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser Vorrang habe. Die Wassernutzung der Landwirtschaft zur Nahrungsmittelerzeugung müsse ebenfalls eine höhere Priorität erhalten. Alle Wasserverbraucher sollten Trinkwasser sparsamer einsetzen und für möglichst viele Zwecke Betriebs- oder Regenwasser nutzen.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Johann Grillmeier

Schmelzwasser - Wasserrückhaltebecken

Nicht überall wird Grundwasser für die Bewässerung eingesetzt. "Überflüssiges" Wasser aus den Wintermonaten wird gespeichert und steht bei Bedarf zur Verfügung. Hier gäbe es in Tallagen (das Wasser fließt leider nicht bergauf) noch mehr Möglichkeiten zur Speicherung. Leider sind Konflikte mit dem Naturschutz vorprogrammiert - die Urproduktion von Lebensmitteln hat noch nicht Vorrang ..... noch nicht!

von Wilhelm Grimm

Wir haben Trinkwasser reichlich,

aber das UBA und die Wasserwerke machen bereits die nächste Sau gegen die Landwirtschaft hässlich.

von Werner Kriegl

Trinkwasser

Vorrang für Trinkwasser - hört sich ja richtig gut an. Aber wieviel Wasser wird den getrunken? 1%? Das meiste wandert doch direkt in die Toilette...

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