Zulassung

Immer weniger Wirkstoffe schaffen die Hürden

Die Pflanzenschutzregulierung verliert den modernen Ackerbau aus dem Blick. Die Situation in Deutschland verschärft sich deutlich.

Die immer weiter reichenden Verschärfungen im Zulassungsverfahren auf europäischer und nationaler Ebene bereiten große Sorgen. Im Rahmen der Syngenta-Pressekonferenz nahmen Peter Hefner, Leiter Nachhaltigkeit und Dr. Günther Peters, Leiter Produktzulassung, dazu Stellung. Europa sorge mit seiner extrem konservativen Anwendung des Vorsorgeprinzips bereits heute dafür, dass die Entwicklung neuer Wirkstoffe immer mehr abwandere. „Aktuell werden wegen der hohen Regulierung nur noch rund 16 % der Wirkstoffe mit dem Fokus Europa entwickelt", zeigte sich Peters besorgt. Zusätzlich würden neue Prüfrichtlinien der EU, die künftig zur Anwendung kommen, dafür sorgen, dass vor allem bei Insektiziden und Herbiziden immer weniger Wirkstoffe die Hürden schaffen.

Verschärfte Situation in Deutschland

In Deutschland sorgen laut Peters strukturelle Defizite in der Zulassungsbearbeitung und die Zuordnung der Zulassungsbehörden zu unterschiedlichen Ministerien unverändert für Erschwernisse. Deutschland beschreitet entgegen den Vorschriften der europäischen Zulassungsverordnung Sonderwege. So würden europäische Zulassungsentscheidungen noch einmal überprüft und sogar neue Risikobewertungen eingeführt. Dadurch werde die praktische Wirksamkeit des zonalen Zulassungsverfahrens, das als Vereinfachung gedacht war, beeinträchtigt. Als Beispiele nannte er die geplante Windauflage, die für alle Saatgutbehandlungsmittel eingeführt wird und neue Biodiversitätsauflagen. Landwirte werden bei der Anwendung von als biodiversitätsschädigend eingestuften Mitteln ab dem 1. Januar 2020 gezwungen, auf der gesamten Betriebsfläche 10% Ausgleichsflächen nachzuweisen.

Forderung nach aktiver Nutzenkommunikation der Behörden

Für Peters ist die sich zuspitzende Situation bei Pflanzenschutzmitteln die Folge einer einseitigen Risikokommunikation. „Wir sind der Auffassung, dass die Fachbehörden auch den Nutzen aktiv nach außen darstellen könnten“, sagte Peters. Im Julius-Kühn-Institut sei dafür die gesamte Expertise vorhanden. „Ansonsten ist die ausgewogene Bewertung von Technologien vor allem für die Öffentlichkeit kaum möglich", so der Zulassungsleiter abschließend. Es sei dann Aufgabe der Politik, die Ansprüche von Landwirtschaft und Umweltschutz klug miteinander zu vereinen.

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Artikel geschrieben von

Matthias Bröker

Redakteur Ackerbau/Grünland

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Konsequenzen

Die Landwirtschaft wird nicht abgeschafft aber zwangsökologisiert. Bisher fehlen nur die Käufer für die ganzen Produkte. Einer der Hauptprobleme ist aber die Wettbewerbsverzerrung innerhalb eines "Binnenmarkt EU".

von Walter Rothenbacher

Die Fruchtfolge

kann nur Bauland heißen. Die Industrie muß sich erweitern es geht ja hier um Arbeitsplätze. Die Lebensmittel kauft man gesünder aus dem Ausland.

von Hans Nagl

Alternative.

Eine weitere Fruchtfolge.

von Willy Toft

Die eine oder andere Frucht wird verschwinden, weil so nicht mehr anbaubar!

Wann kehrt hier endlich mal wieder Vernunft ein! Die Landwirtschaft steht in Deutschland jetzt schon an der Wand, was müssen die Betriebe noch alles ertragen, Alternativen gibt es noch nicht, und kann auch nicht von der Wirtschaft erzwungen werden. Die Dekadenz greift ständig mehr um sich!

von Georg Scheer

Die Landwirtschaft in Deutschland soll abgeschafft werden.

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