Chemie im Garten

Ohne Fachwissen: Über 6.000 t Pflanzenschutzmittel in Privatgärten eingesetzt

Auf dem eigenen Grundstück nehmen es die Deutschen mit den Pflanzenschutzvorgaben nicht so genau: Der Absatz an Chemikalien steigt weiter. In Polen wird sich mit wirkungsvollen Mitteln eingedeckt.

Geht es um den Pflanzenschutzmitteleinsatz, steht die Landwirtschaft stets in der Kritik. Dabei setzen die Deutschen in ihren eigenen Gärten jährlich 6.200 t der Chemikalien ein. Laut einem Bericht im Magazin Stern gaben die Bundesbürger dafür 60 Mio. Euro aus.

Haus- und Schrebergärten machten in Deutschland eine Fläche von etwa 930.000 ha aus. Pro Hektar kämen rund 6,7 kg Chemie zum Einsatz, während es auf einem landwirtschaftlich genutzten Hektar nur 5,2 kg seien, schreibt der Stern weiter.

Seit 2012 sei der Absatz der chemischen Mittel um 1.675 t gestiegen. Das Magazin berichtet in diesem Zusammenhang von Großeinkäufen von Pflanzenschutzmitteln auf Polenmärkten. Hier gebe es Glyphosat und Co in wirkungsvollen Konzentrationen, heißt es. Und weiter schreibt das Blatt: „In Deutschland gelten für Glyphosat-Mischungen strenge Vorschriften. Wer etwa das Produkt "Garten Unkrautfrei Keeper" zu dicht an Wasserflächen oder der Kanalisation versprüht, riskiert ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. Hier bei Agrogobex ist Glyphosat in hoher Konzentration als "Roundup Flex 480" offenbar ein Renner. Hinter der Kasse stehen mehrere Kartons mit Ein-Liter-Flaschen.“ Eine Kundin erklärte, das Mittel für die Einfahrt und Wege zu benutzen.

Ebenfalls beliebt sei Acetamiprid, ein vollsystemisches Insektizid. Es zählt zu den Neonikotinoiden. Der Wirkstoff darf in Deutschland nicht in Obstbäume gesprüht werden. Im polnischen Subice werde es aber genau dafür empfohlen.

Falsch eingesetzt, kaum beraten, viel zu viel

Die Zahlen bestätigt auch die Aurelia Stiftung, die zusammen mit dem Stern recherchiert hat. Hobbygärtner würden Pestizide häufig falsch und ohne nötige Sachkenntnis einsetzen. Baumärkte kämen ihrer Informationspflicht nicht nach und in Onlineshops seien längst verbotene Mittel weiter problemlos erhältlich, heißt es von dort.

Rund die Hälfte der deutschen Haus- und Kleingärtner wende regelmäßig Pflanzenschutzmittel an, ohne über die nötige Sachkenntnis für die korrekte und sichere Anwendung der Mittel zu verfügen. Viele Freizeitgärtner könnten Pflanzenschädlinge und -krankheiten nicht voneinander unterscheiden. Sie setzten Pflanzenschutzmittel damit auf gut Glück ein - und das massenhaft.

Testkäufe in Baumärkten (darunter Hellweg, Bauhaus, Globus, Obi und Hornbach) und Gartencentern (Der Holländer) sowie bei diversen Online-Händlern (darunter eBay und Amazon) hätten grobe Defizite beim Verkauf und der Kundenberatung gezeigt. Die allgemeine Informationspflicht der Verkaufsstellen wurde fast immer missachtet, das anwesende Verkaufspersonal verfügte in keinem einzigen Fall über das nötige Fachwissen, um eine sachgerechte Beratung zu gewährleisten, so das Ergebnis der Stiftung. Auch auf Nachfrage habe es keinerlei Hinweise zum Anwenderschutz, zur Umweltverträglichkeit, Lagerung oder Entsorgung gegeben. Nur in Einzelfällen wurden den Testern umweltschonende Maßnahmen oder Mittel als Alternativen zu chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln vorgestellt. Im Gegenteil: Teilweise hätten die Verkäufer sogar ausdrücklich zum präventiven Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel geraten.

Auch Sicherheits- und Lagervorschriften wurden teilweise nicht eingehalten. In mehreren Verkaufsstellen standen hochgiftige Pflanzenschutzmittel in nicht verschlossenen Vitrinen und waren somit in Selbstbedienung erhältlich, was verboten ist, kritisieren die Umweltschützer weiter. Bei Online-Testkäufen hätten sie außerdem problemlos Mittel bestellen können, die ausschließlich für berufliche Anwender zugelassen sind (z. B. "Biscaya Spritzmittel" von Bayer mit der Zulassungsnummer 005918-00). Die Sachkunde wurde nicht abgefragt. Zudem habe man bei Online-Testkäufen längst verbotene Pflanzenschutzmittel (z. B. "Calypso Perfekt Gartenspray" von Bayer mit der Zulassungsnummer 006411-60) erhalten können. Auch auf Online-Markplätzen (u.a. eBay, eBay Kleinanzeigen) würden unkontrolliert Pflanzenschutzmittel (von Privatpersonen) verkauft.

Bundesregierung plant weitere Verschärfungen in der Düngeverordnung

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

Schreiben Sie Alfons Deter eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Wilhelm Grimm

Fachwissen ist überflüssig,

wie bei den Volksbegehren, Herr Söder !

von Sonja Rimböck

Und bei der Düngung ?

Wie sieht es den bei der Düngung der Privatflächen aus,wenn man das Sieht wie Sportplätze und Parkanlagen nur vor Dunkelgrüner Farbe strotzen.Das diese Flächen auch noch an Dränagen angeschlossen sind ist sowieso der Blanke Hohn ! Mann kann in Deutschland nur noch Feststellen das sich die Beamten und Kontoller wie die Borkenkäfer vermehren,aber nur eine Aufgabe haben die Minderheit der Bauern zu bekämpfen !!Der BV hat das schon lange Festgestellt und hat sich voll Angepasst !! Rimböck Alfons

von Egge Mansholt

Mein

Reden seit min. 10 Jahren. Das wollte aber bis jetzt keiner hören.

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen