Kommentar

Tierschutzbund: Kein vernünftiger Grund fürs Kükentöten

Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig entscheidet heute in einem Revisionsverfahren, ob für das Kükentöten ein „vernünftiger Grund“ vorliegt. „Wirtschaftliche Interessen können niemals ein vernünftiger Grund für das millionenfache Töten von Tieren sein“, kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, das aktuelle Verfahren.

Beim Bundesverwaltungsgericht Leipzig verhandeln die Richter heute darüber, ob die Praxis des Kükentötens gegen das Tierschutzgesetz verstößt oder nicht. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte das Vorgehen untersagt. Mehrere Brütereien klagten dagegen und setzten sich in der Vorinstanz vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster durch. Zu der heutigen Verhandlung und den Alternativen zur Kükentötung durch eine Geschlechtererkennung im Ei kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes:

„Wirtschaftliche Interessen können niemals ein vernünftiger Grund für das millionenfache Töten von Tieren sein, die dann nicht einmal als Nahrungsmittel genutzt werden können.“, sagt Thomas Schröder, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Wir setzen daher darauf, dass das Bundesverwaltungsgericht Leipzig wirtschaftliche Interessen nicht als vernünftigen Grund anerkennt und die Rechtmäßigkeit des Erlasses Nordrhein-Westfalens bestätigt. Jedes andere Urteil wäre ein ethischer Skandal und würde von der großen Mehrheit der Gesellschaft nicht akzeptiert.“, so Schröder weiter.

Klientelpolitik zum ökonomischen Vorteil der Tiernutzer

Die Branche habe Jahrzehnte lang Zeit, etwas zu ändern, blieb aber untätig - und bekäme dafür offenbar Rückendeckung durch die Regierung. Sollte das Töten weiter erlaubt bleiben, dann gehe jedes einzelne getötete Küken ab dem Tag auf das persönliche Schuldkonto der jetzigen Bundesministerin und im Besonderen auch der Bundeskanzlerin, die sich seit ihrem Amtsantritt mit keiner von ihr eingesetzten Bundesregierung um eine grundlegende Lösung gekümmert habe, so der Präsident.

Die Alternative der Geschlechtsbestimmung im Ei sei nur eine technische „Lösung“, die das eigentliche Problem, nämlich die extrem spezialisierte Zucht auf Legeleistung bei den Hühnern und die damit verbundenen Tierschutzprobleme, nicht angehe. Schon längst hätte die Bundesregierung den Weg zur Rückkehr zu Zweinutzungshühnern ebnen können, ist sich Schröder sicher. „Stattdessen wird an einem kaputten Haltungssystem herumrepariert. Das nenne ich Klientelpolitik zum ökonomischen Vorteil der Tiernutzer. Nachhaltige, glaubhafte Tierschutzpolitik geht anders.“, sagt Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Geschlechtsbestimmung im Ei nur Übergangslösung

Die Geschlechtsbestimmung im Ei sei nur dann als Übergangslösung akzeptabel, sofern ein Schmerzempfinden des Embryos sicher ausgeschlossen werden kann. Das sei bei der von Julia Klöckner vorgeschlagenen „SELEGGT-Methode“ nicht der Fall, da Eier hierfür bereits acht bis zehn Tage bebrütet werden. Die spektroskopische Methode dagegen setze bereits früher an. „Statt mit aller Kraft diese Art der Geschlechtererkennung zügig zur Serienreife zu bringen, haben es REWE und Eierbranchenvertreter mit Versprechungen geschafft, die Bundesminister zu überreden, weiter Geld und Zeit in die aus Tierschutzsicht schlechtere Übergangslösung zu investieren.“ So Schröder weiter.

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Artikel geschrieben von

Christina Lenfers

Redakteurin top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerhard Steffek

Motzen -

kann jeder. Wieso versucht der Tierschutzbund es nicht eine adäquate Lösung zu finden? Außerdem soll dieser nur still sein. Ist er nicht genauso für eine Ausbreitung des Wolfes? Was ist da mit dem Tierleid der gerissenen Tiere? Da ficht es ihn nicht an.

von Stefan Lehr

@Matzat

Oder Hahn mit Kondom. Waere evtl. eine neue Marktluecke. Bitte nicht ernst nehmen. Aber das Verhalten der Tierschuetzer ist manchmal einfach zu skuril. Ueber das Kuekentoeten muss - und soll - man sich ernsthafte Gedanken machen und nach Loesungen suchen, aber eben mit nuechternem Sachverstand. Sicher ein schwieriges Terrain, doch bestimmt loesbar.

von Reinhard Matzat

Glückliche Hühner?

Nach Auffassung der Tierschützer muss eine Henne auch mal Spaß mit dem Hahn haben. Hat wohl keiner was gegen. Aber wie lange dauert es vom Legen bis in die Pfanne? Ne Woche denke ich im Schnitt schon. Das Ei ist zwar nicht bebrütet aber befruchtet! Schmerzempfinden? Konsequenz währe dann garkeine Eier oder unglückliche Hühner (und Hähne).....

von Helmut Bleher

Scheinheilige Diskussion der Tierschutzbundvertreter

Hier möchte ich doch einmal ganz provokativ in den Raum stellen, wer von den Vertretern des Tierschutzbundes mit gleicher Vehemenz auf Seiten der Lebensschützer steht, wenn es um die Abtreibung menschlicher Embryonen geht, die ja auch deshalb "beseitigt" werden, weil sie zum Zeitpunkt der Entscheidung "als Belastung" - durchaus auch mit wirtschaftlichem Hintergrund - gesehen werden. Mir ist mehr in Erinnerung, als ob das Fußvolk der Tierschützer radikal gegen die Lebenschützer zu Felde ziehen würde. Es greift immer mehr unter allen möglichen Vorwänden eine misanthropische Grundstimmung Raum, die den Menschen als Störenfried und zu beseitigendes Wesen ansieht. Vielleicht sollte man sich irgendwann wieder darauf zurückbesinnen - ob nun christlich geprägt oder nicht - dass der Mensch positiv im Zentrum von Natur und Schöpfung steht und es nicht Ziel sein sollte, die Menschheit abzuschaffen, um einem verqueren Naturverständnis nachzuhängen.

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