Ackerbau

Ackerbau: Die Lehren aus dem Dürrejahr 2018

Welche Konsequenzen können Landwirte ackerbaulich aus dem Extremjahr 2018 ziehen? Bei der Generalversammlung der Ackerbauvereinigung Soest-Hellweg gab Pflanzenbauberater Johannes Klewitz den rund 150 Teilnehmern Tipps mit auf den Weg.

Zu warm und zu trocken. Den Landwirten in der Soester Börde erging es 2018 nicht anders als ihren Berufskollegen in den anderen Landesteilen. „Dennoch hat es unsere Region nicht ganz so hart getroffen, wie andernorts“, so Pflanzenbauberater Johannes Klewitz von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Dabei fehlten den Betrieben rund 270 mm Niederschlag im Vergleich zum langjährigen Schnitt (770 mm) und die Hitze hatte die Temperatur um rund drei Grad über das übliche Jahresmittel getrieben (9 °C im Schnitt, in 2018 im Mittel 11,8 °C). „Unsere lehmigen Böden haben die Extreme aber etwas abpuffern können, weshalb die Ernteergebnisse nicht ganz so vernichtend ausgefallen sind“, so Klewitz.

Mittelspäte Maissorten im Vorteil

Vor allem in Ostdeutschland kam es teilweise zum Totalausfall. Wohingegen in den Soester Sortenversuchen der LWK NRW rund 60 dt/ha Sommergerste und Hafer geerntet wurden. In den Jahren zuvor waren es 77,2 dt/ha gewesen. Beim Mais schnitten in den Versuchen die mittelfrühen (162 dt TS/ha) und frühen Sorten (150 dt TS/ha) schlechter ab. Mittelspäte kamen hingegen auf rund 186 dt TS/ha, was in etwa dem Durchschnittsertrag entspricht.

Die Folgen der Dürre sind aber nach wie vor sichtbar, so sind einige Rapsflächen nur sehr lückig aufgelaufen. Die Wintergerste zeigt hingegen ein gemischtes Bild: Hier war der Auflauf nur vereinzelt ein Problem. Stattdessen sind einige Bestände zu wüchsig in den Winter gegangen, wodurch nun die Mehltaugefahr mittlerweile relativ hoch ist.

Auf Grund der sehr guten Bodenstruktur und den warmen Temperaturen im Herbst, waren die Mineralisationsbedingungen sehr gut, so das auch die Nmin Gehalte aktuell sehr hoch sind. Diese müssen von den Landwirten bei der bevorstehenden Frühjahrsdüngung berücksichtigt werden. „Die Restmengen im Boden sollte man nicht unterschätzen“, so Klewitz.

Trockentolerante Erbse

Beliebter werden bei den Soester Landwirten die Ackerbohnen und Futtererbsen, nicht zuletzt, weil der Anbau in NRW im Rahmen der Agrarumweltmaßnahme „Vielfältige Fruchtfolge“ gefördert wird. Trotz der Dürre können die Erträge sich sehen lassen: Mit 59 dt/ha liegt der Ertrag der Ackerbohne etwas über den durchschnittlichen Versuchs Ergebnissen der vergangenen Jahre (55,2 dt/ha). Die Erbse konnte mit 61,5 dt/ha ihre Trockentoleranz ausspielen und lag damit rund 15 dt/ha über den sonst üblichen Werten in den Sortenversuchen der LWK NRW im Raum Soest. Allerdings gab er zu bedenken, dass die Erträge der Erbse von Jahr zu Jahr stark schwanken können.

Für die Aussaat im Frühjahr empfahl Klewitz:

  • Sommergerste: Die Aussaat sollte bei guten Bodenverhältnissen möglichst früh erfolgen. Der ideale Aussaatzeitpunkt liegt im März. Saatstärken: 300 bis 320 Körner/m2. Bei einer Aussaat ab Mitte April sollte man die Saatstärke auf 330 bis 360 Körner/m2 erhöhen.
  • Mais: Auf trockenen Standorten haben im vergangenen Jahr vor allem Landwirte punkten können, die relativ geringe Bestandesdichten gedrillt hatten. Grundsätzlich sollte die Bestandesdichte in Abhängigkeit der Wasserversorgung des Standortes und des jeweiligen Sortentypes gewählt werden.
  • Ackerbohne: Diese sollen Sie möglichst früh ab Ende Februar aussäen. Wichtig: Die Ackerbohne mag tiefgründige und feuchte Standorte. Klewitz empfahl, die Bohne nur alle vier bis fünf Jahre in der Fruchtfolge zu berücksichtigen und eine Saatstärke von 40 bis 50 Körner/m2. Saattiefe: 6 bis 8 cm bei schweren Böden. Auf leichteren Standorten 8 bis 10 cm.
  • Erbse: Diese sei zwar trockentolerant, allerdings frostempfindlich. Daher riet Klewitz dazu, die Erbse erst Mitte März bis Mitte April in den Boden zu bringen. Wichtig: Der Boden sollte bei der Aussaat gut abgetrocknet sein. Bei steinigen Böden sollte nach der Saat gewalzt werden, um mögliche Probleme bei der Ernte zu vermeiden. Ideal ist eine Saatstärke von 70 bis 90 Körner/m2. Saattiefe: 4 bis 6 cm.

Die Redaktion empfiehlt

Politik / News

Jetzt wird es spannend

vor von Diethard Rolink

Nach der Rekordhitze, einer miserablen Ernte und bislang eher mäßigen Getreidepreisen zeichnen sich für Ackerbauern erstmals wieder positive Signale ab: Die Weizenpreise tendieren fester.

Faire Milch des BDM in finanzieller Schieflage

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Diethard Rolink

Redakteur Betriebsleitung

Schreiben Sie Diethard Rolink eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Martin Hofmann

Nichts Neues

In diesm Bericht werden nur oberflächlich altbekannte Maßnahmen angesprochen. Erbsen sind trockentolerant, aber leider kaum verkäuflich. Vielfältige Fruchtfolge mindert das Risiko, aber nur Mais und Weizen erzielen einen brauchbaren Deckungsbeitrag. 2017 war zu kalt so dass frühgesäter Mais erfroren ist, 2018 war zu heiß, dass spät gesäter Mais vertrocknet ist. Wie wird 2019? Hinterher ist man immer schlauer.

von Rudolf Rößle

Wichtig

gute Kontrakte abschließen für die neue Ernte, das bringt mehr wie jedwede dt

von Gregor Grosse-Kock

Weltweit gute Versorgung

Die Erfassung und Verarbeitung ist so konzentriert das lange auf richtige Preisausschläge gewartet werden muss. Zudem ist das auch politisches ein Desaster weil das Brötchen teuerer wird.

von Gerald Hertel

Vielleicht wird 2019 zu nass

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen