Menschenrechtler kritisieren Landnahme in Südosteuropa

Das österreichische Netzwerk FIAN für Menschenrechte kritisiert die zunehmende Landnahme westeuropäischer Bauern in Rumänien, Serbien und Ungarn. Die Bauern vor Ort wären die Leidtragenden des Investitionsbooms, heißt es in einer Mitteilung.

Das österreichische Netzwerk FIAN für Menschenrechte kritisiert die zunehmende Landnahme westeuropäischer Bauern in Rumänien, Serbien und Ungarn.

Die Bauern vor Ort wären die Leidtragenden des Investitionsbooms, heißt es in einer Mitteilung. Die Organisation beklagt hierbei, dass es keine staatliche Hilfe für kleine und mittlere bäuerliche Betriebe gibt. „Der Zugang zu Land ist auch in Europa eine menschenrechtliche Angelegenheit, denn ein Teil der europäischen Bevölkerung ist für seine Lebensgrundlage auf direkten Zugang zu Land angewiesen", so Brigitte Reisenberger von FIAN Österreich. Die Verwaltung von Land müsse auch in Europa auf die nachhaltige Produktion von gesunden Nahrungsmitteln für die Verwirklichung des Menschenrechts auf Nahrung abzielen, anstatt auf die Profite einiger weniger machtvoller Akteure, erklärte sie.

Rumänien und Serbien: Bonanza für neue Großgrundbesitzer

Unter dem internationalen Wettlauf um Land und Ressourcen würden Millionen Kleinbauern leiden und zur Abwanderung gedrängt, schreiben die Kritiker weiter. Zum Beispiel befänden sich in Rumänien trotz noch bestehender gesetzlicher Hürden bereits 700.000 ha Agrarland in den Händen von transnationalen Unternehmen. Österreichische Investoren sollen bereits 6 % dieser 700.000 ha kontrollieren. Die Aussicht auf EU-Agrarsubventionen unterstütze diese Entwicklungen noch. So hat 1 % der Höfe die Hälfte der rumänischen EU-Agrarsubventionen im Jahr 2012 bezogen, kritisiert FIAN. Diese Betriebe seien alle über 500 ha groß.

Auch Serbien treibe aktuell die Liberalisierung des Landmarkts weiter voran. In manchen Fällen versuchten Zusammenschlüsse von Kleinbauern zwar dem Wettbewerb gegen Großgrundbesitzer standzuhalten und Staatsland in ihrer Gegend zu pachten. Das führte aber laut FIAN zu Konflikten bei öffentlichen Auktionen.

Kontraktpartner des österreichischen Unternehmens Advance Management etwa würden in Serbien bereits eine Gesamtfläche von 100.000 ha bewirtschaften. Auf den Flächen werde von vorwiegend großen privaten und staatlichen Betrieben über Vertragsanbau Weizen, Mais- und Sonnenblumensaatgut produziert. Die vier größten serbischen Landeigentümer besäßen zusammen mehr als 100.000 ha Land.

Ungarn: Kleinbauern verdrängt

Nach Schätzungen des österreichischen Landwirtschaftsministeriums bewirtschaften rund 200 österreichische Betriebe 200.000 ha Land in Ungarn, nach Angaben der Menschenrechtler von FIAN sind das 4 % der ungarischen Agrarfläche. In einigen Dörfern nahe der österreichischen Grenze würden bereits 80 % des Agrarlandes aufgekauft oder verpachtet.

Die Landkonzentration bedinge soziale Spannungen in den ländlichen Regionen Ungarns, heißt es weiter. Die Anzahl der Bauern reduziere sich, Dörfer würden verlassen und die bäuerliche Bevölkerung überaltere zusehends. Die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln werde mehr und mehr zerstört.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Feinstaub-Kritik: "Schuldzuweisungen an die Landwirtschaft sind absurd"

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