Kommentar

Philosoph fragt: "Ist Ihre Tierhaltung verantwortbar?" Premium

Ein Streitpunkt von Dr. Christian Dürnberger, Philosoph am Messerli Forschungsinstitut, Vetmeduni Vienna, aus der top agrar-Ausgabe 12/2018:

Dr. Christian Dürnberger (Bildquelle: privat)

Die Probleme rund um Tierwohl sind allgemein bekannt: Der Bürger gibt in Umfragen an, dass ihm Tierwohl unglaublich wichtig sei. Als Verbraucher aber ist er dennoch nicht bereit, dafür zu bezahlen. Tauchen dann unschöne Bilder aus Ställen auf, beginnen die üblichen Schuldzuweisungen. Im Fokus der Hauptkritik steht dann die Landwirtschaft. Für einen Landwirt, dem Tierwohl ein echtes Anliegen ist (leider gibt es auch andere), ist diese Situation eine Zerreißprobe. Große Lösungen sind dann schnell niedergeschrieben: Zum Beispiel der Ruf nach einer gesamtgesellschaftlichen Debatte, die klärt, welche Landwirtschaft wir verantworten können. Die Umsetzung ist aber meist nur schwer zu realisieren. Was ist jetzt zu tun? Auch wenn ich als Einzelner am großen Ganzen kaum etwas ändern ...

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Diskussionen zum Artikel

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von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Ethik muß man sich auch leisten können

Der handelsseitig aufgebaute Druck zur ständigen Kosteneinsparung bewirkt, dass alles was nicht unbedingt erforderlich ist, eingespart wird. Unser Staat tut sein Übriges dazu. Wer da meint er könne diese Probleme nur einzelbetrieblich lösen wird scheitern. Ganz selbstverständlich bin ich als Tierhalter verantwortlich für das Wohlergehen meiner Tiere, auch an Weihnachten und Neujahr. Aber wenn am Ende des Tages die Forderungen der Gesellschaft höher sind als die Leistungen, die sie bereit ist dafür zu bezahlen, bleibt zu allererst die Moral auf der Strecke. Wer diesen Zusammenhang leugnet ist naiv. Die Tierhalter sind inzwischen ausgemostet da ist momentan keine Luft für kostenträchtige und Arbeitszeit fressende Sonderwünsche. Alle die es sich leisten können stimmen darum mit den Füßen ab und beenden das Kapitel Tierhaltung. Ob das allerdings den Tieren hilft die bei uns dann alternativ auf den Tisch kommen ist höchst fraglich. Aber wie heißt es so schön "aus den Augen aus dem Sinn"!

von Erwin Schmidbauer

Diese ethische Nachdenklichkeit muss aber nicht nur von den Landwirten, sondern auch von der gesamten Bevölkerung geleistet werden. Wie im Eingangs-Absatz dargestellt, gibt es einen Widerspruch zwischen Umfragen und realem Verhalten der Bevölkerung. Hier ist Zusammenarbeit nötig. Aber von vielen ist Lagerdenken bevorzugt, weil damit einerseits bei Politik und Organisationen positive Effekte erzielt werden können (Wählerstimmen und Spenden), andererseits bei den Landwirten oft Existenzängste eine Rolle spielen. Und so kann Zusammenarbeit eben nicht funktionieren.

von Gerhard Steffek

Es ist nicht wichtig was du gesagt hast -

es ist wichtig was der Andere verstanden hat. Diese Diskussions-, bzw. Verkäuferregel trifft hier bei diesem Artikel schön zu. Liest man die Kommentare, so kommen die unterschiedlichen Verständnisse zu dem Artikel zum Tragen. Ich für meinen Teil habe mir auch zuerst die Frage gestellt: "ein Philosoph"? Was will der hier zum Besten geben? Nach dem Lesen war ich dann doch angenehm überrascht über seine Sachlichkeit. Ok, die meisten anderen Kommentatoren sahen das jetzt nicht so, aber da sollte sich doch auch wieder ein jeder die Frage stellen was er in diesem Artikel gelesen hat. Meines Erachtens griff so mancher Kommentar zu weit oder zu kurz, bzw. wurde doch etwas anderes darin gesehen, weil man schon irgendwie eine vorgefasste Meinung hatte. Das Problem hatte ich auch, bis ich den Artikel gelesen habe. Auf den ersten Blick und Reaktion war ich auch geneigt diesen in die übliche Richtung von Besserwisserei zu schieben, aber nach der zweiten Betrachtung korrigierte ich meine Auffassung. Wie Anfangs ja geschrieben war seine Aussage ja sachlich, nüchtern, ohne großartige Schuldzuweisung. Findet man ja heutzutage selten. Er zeigt die Problematik auf in der die LW steckt. Er legt den Finger dahin wo es weh tut. Da ist z.B. das Gerangel um die Kompetenz in der Tierhaltung. Die hat die LW sich doch sauber von den NGO's nehmen lassen. Ich habe es ja auch schon öfters geschrieben das sich der Landwirt nicht in sein Schneckenhaus zurückziehen darf, sondern offen offensiv auf den Kritiker oder Verbraucher zugehen sollte. "Wer fragt, führt" hieß letzte Woche ein Artikel im bayer. lw. Wochenblatt, als kleiner Kurs für Verkäufer. Es stimmt auch, mit Fragen bringt man die Leute zum Nachdenken, was bei denen oft genug zu vollkommen neuen Einsichten und Ansichten führt. Half auch bei meinen Söhnen bei den Hausaufgaben. Selber lernt man dann auch noch was dazu. Wer gefragt wird ist aber auch genötigt eine Antwort zu geben. Womit diesem oft genug das Dilemma ersichtlich wird. Um eine Antwort geben zu können braucht man nämlich auch entsprechendes Wissen. An dem hapert es aber bei den meisten. Bei seiner Frage nach der moralischen Verantwortbarkeit warum man Tiere hält, stellt sich hier zum Beispiel auch mal die Gegenfrage: Warum kaufst du Fleisch ein, hält'st dir einen Hund, Katze....? oder: Was wäre wenn ich es nicht machen würde? Woher kommt dann das Fleisch, die Milch, das Ei? Wer müßte es dann machen? Wobei generell die Frage nach der Moral nur eine Frage des Wohlstands ist. Der Hungernde hat ein Problem, der Satte tausend. Nur der Satte kann sich die Frage nach der Moral leisten. Für alle anderen gilt: zuerst das Fressen, dann die Moral. Hier sollte mal der Landwirt den Spieß umdrehen und dem Wohlstandsbürger den Spiegel vorhalten. Denn ohne den Landwirt müßte sich ein jeder selber als solcher beweisen.

von Hubert Dabbelt

Der Kommtar macht mich einfach nur noch sprachlos! Der gute Herr sollte sich Mal bei Tierhaltern umschauen. Dann hätte er die Entwicklung zu immer höheren Standards in der Tierhaltung verfolgen können. Tag des offenen Hofes und Bauernfamilien die ihre Höfe zeigen gab es reichlich. Ethische Reflexion ist keine Kompetenz die nur Tierhalter beherrschen sollten.

von Ernst Storm

Tierwohl

einen Philosophen als Berater,das hat uns gerade noch gefehlt!!!! ernst Storm

von Reinhard Matzat

Rattenschwanz

Die Landwirte könnten morgen Theoretisch alle vorderungen der NGO´s erfüllt haben. (Weidehaltung/keine Antibiotika mehr/ keine Mortalität/kein Export/etc. Trotzdem währen die Landwirte weiter an dem Pranger, weil die Kritiker mit ihrer kritik Spenden generrieren. Die Kitiker/NGO´s werden immer wieder was neues finden sonst füllt sich das Spendenkonto ja nicht.

von Richard Huber

Ich frage den Philosophen:

Was ist ihr Beitrag zum produktiven Gemeinwohl der Gesellschaft?

von Wilhelm Grimm

"Ist das Töten von Tieren verantwortbar",

könnte man auch fragen. Weltweit gibt es fast 8 Milliarden Menschen, die sich entschieden haben !

von Rudolf Rößle

Preise

hebt die Erzeugerpreise auf ein industrielles Niveau. So könnt Ihr alle 10 Jahre einen Stall haben , wie Ihr lustig seid. Der Landwirt kann dann auch jedes Jahr aufhören, wenn er/ sie lustig ist und finanziell abgesichert sein Leben in Freizeit verbringen.

von Bernd Müller

Das Hauptproblem

ist, dass es keine Faktenbasierte Diskussion gibt sondern alles nur von Emotionen getragen ist! Vermeintliche Tierschutzorganisationen legen menschliche Maßstäbe an und schauen nicht auf die messbarenKennzahlen. Bestes Beispiel: die Ferkelkastration!

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