Streitpunkt Wolf

Schulze gegen weitergehende Maßnahmen zur erleichterten Wolfsentnahme

Laut dem Bundesumweltministerium bedarf es keiner weiteren Regelung beim Umgang mit Wölfen. Tierhalter könnten höhere Elektrozäune aufstellen und wenn ein Problemwolf erkannt ist, darf er geschossen werden. Das erlaube schon die heutige Gesetzeslage.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat sich gegen weitergehende Maßnahmen zur erleichterten Entnahme von Wölfen ausgesprochen. Wie eine Sprecherin des Umweltressorts betonte, gibt es bereits genügend „nützliche und effektive Maßnahmen“. Sie verwies in dem Zusammenhang auf den Bau von Elektrozäunen, aber auch auf den gezielten Abschuss von auffälligen Wölfen, der bereits nach derzeitiger Gesetzeslage möglich sei.

Die Sprecherin erinnerte außerdem an ein vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) anhängiges Verfahren gegen Finnland zur dortigen Wolfsjagd zur Bestandsregulierung, dessen Urteil in diesem Frühjahr erwartet werde.

Zuvor hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in einem Schreiben an Schulze die Anpassung des entsprechenden Paragraphen des Bundesnaturschutzgesetzes an die Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Richtlinie als nicht ausreichend bezeichnet und die „Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten“ gefordert.

Die CDU-Politikerin verwies hierzu auf Artikel 9 der Berner Konvention als auch auf Artikel 16 der FFH-Richtlinie, die Regelungen der „gemäßigten Bestandsregulierung“ selbst für streng geschützte Arten vorsähen. Dabei handele es „sich um ein wichtiges Instrument vorausschauender Politik, das wir national aufgreifen sollten“, schreibt Klöckner. Angesichts der wesentlich geänderten Situation in Deutschland gelte es daher, den genannten Eingriffstatbestand nachträglich einzuführen. Dies wäre ein Beitrag für mehr Rechtssicherheit im Vollzug. Eine gemäßigte Bestandsregulierung wäre ein „wichtiger Baustein“ für eine Gesamtstrategie zum Umgang mit den steigenden Wolfspopulationen.

Der Agrarressortchefin zufolge unterliegt der Wolfsbestand hierzulande einer hohen Dynamik; er wachse um rund 25 % bis 30 % pro Jahr und verdopple sich damit alle drei bis vier Jahre. In der Bundesrepublik lebten mittlerweile mehr als 600 Tiere. Die Wolfsübergriffe auf Nutztiere hätten entsprechend zugenommen; bereits 2016 seien mehr als 1 000 Risse registriert worden. Die von Klöckner geforderte weitere Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes sei nach Ansicht des Umweltministeriums aber nicht zielführend und zudem europarechtlich problematisch, betonte die Ressortsprecherin. Die beiden Ministerinnen wollen sich Mitte Januar treffen und weiter zu dem Thema verständigen.

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Diskussionen zum Artikel

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von Franz Josef Aussel

Verursacherprinzip anwenden

Der Bau von höheren Zäunen bzw das Bewachen der Herden muss von den Leuten ausgeführt werden, die den Wolf schonen wollen! Übrigens sind schon über 1000 Wölfe in Deutschland!

von Marc Rollinger

Märchenwelt

Problem ist wahrscheinlich, dass die Ministerin in Ihrer Märchenwelt lebt und sich einen Dreck um die Nutzertierhalter und deren Tiere schert, weit abseits von der bodenständigen Reality in der Natur. Einen gut beheizter Stuhl im Büro und ein durch Steuergelder finanziertes Gehalt auf einer Machtposition in unserer Gesellschaft hat schon bei vielen Politikern komische Hinströme entstehen lassen....

von Gerhard Steffek

Ansiedelungsprogramm!!

Siedelt den Wolf in Berlin an, am Besten gleich mal im Regierungsviertel, dann erledigt sich das Problem schnell.

von Christoph Blankenburg

Amtseid

Die Ministerin hat sich mit dem Amtseid verpflichtet ihre Kraft zum Wohl des Volkes einzusetzen. Ich möchte sie daran erinnern.

von Paul Siewecke

Mathematik...

Bei einer Vermehrungsrate von 30% und Ausgehend von 100 Tieren haben wir im 1. Jahr 130, im 2. Jahr 169, im 3. 220, im 4. 286, im 5. 371, 6. 483, 7. 627, 8. 816, 9. 1060 und im 10. Jahr 1379 Wölfe! Nur mal zur Verdeutlichung, was exponentielles Wachstum beteuten kann, denn 10 Jahre sind schnell rum...

von Henrik Plaas-Beisemann

Alles nur eine Frage der Zeit- oder wieder jemand der den „Zinseszins-Effekt“ unterschätzt

Bei einer Vermehrungsrate von den niedrig angesetzten 30% verfünfzigfacht sich theoretisch der Wolfsbestand in 15 Jahren oder verhundertfacht sich in 18 Jahren. Bislang hat der Wolf es geschafft jede Prognose seiner sogenannten Wolfsexperten Lüge zu strafen. „Sechser im Lotto...“ „Frisst keine Pferde und Rinder“ „ Springt nicht über einen Meter“ „Meidet den Menschen“. Ich bin gespannt, welchen Wolfsexperten der Wolf als nächstes bloß stellt.

von Andreas Thiel

Wenn ein Problem Wolf erkannt ist...

Wenn das Wörtchen wenn nicht wär '...Jeder Wolf ist ein Problemwolf, denn Er bzw. Sie kann sich fortpflanzen...Und alleine damit steigen die Probleme!

von Willy Toft

Hoffentlich hat sie ihren Garten gut eingezäunt!

Sonst kommt der Wolf! Wer soll geschützt werden??

von Wilhelm Grimm

Keine Aussicht auf Einsicht bei der Nabu-Ministerin.

Es muss zunächst alles noch viel schlimmer kommen. Wir sollten auch nicht länger bei Frau Schulze betteln, denn dann wird sie den Preis für ein Entgegenkommen immer höher treiben. Diese Linie wird sie auch bei den Gesprächen um die Ackerbau-und Tierschutzstrategie durchziehen. Und die CDU unter Frau Kamp-Karrenbauer wird uns lächelnd hintergehen, davon müssen wir ausgehen.

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